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Bilanz-Briefing

Macron vs Parmelin: «Das Recht des Stärkeren siegt»

Themen der Woche: Macron vs Parmelin, Gipfel-Tristesse, UBS40, 250 Jahre USA.

Dirk Schütz

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Dass sich Frankreich nicht an den Gipfel-Sicherheits-Kosten im belagerten Genf in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags beteiligt, macht Macron zum Mini-Trump. BILANZ

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Das verkniffene Lächeln des US-Präsidenten beim ersten Handshake mit seinem französischen Widerpart in Evian war unmissverständlich: No love lost zwischen dem Don und dem Mann, der als «Emmunällle» zu einem seiner Lieblings-Prügelknaben aufgestiegen ist, inklusive Spott über verglaste Sonnenbrillen. Macron gibt sich beflissen und versucht, die EU mit der Leuchtenstadt Paris als letzte Trutzburg abendländisch-demokratischer Werte hochzustilisieren – Reagans «Shining castle on the hill» steht jetzt in der französischen Metropole.
Und dann das: Brutalste Machtpolitik. Dass sich Frankreich nicht an den Gipfel-Sicherheits-Kosten im belagerten Genf in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags beteiligt, macht Macron zum Mini-Trump: Das Recht des Stärkeren siegt – und nicht die Stärke des Moral-Rechts. Beim Evian-Gipfel 2003 hatte Frankreich noch ein Drittel der Kosten übernommen. Gewiss, die Pariser Kassen sind klamm. Aber Fakt ist auch: Wie Macron für Trump, so ist auch Parmelin für Macron ein willkommener Prügelknabe. Nur auf das genüssliche verbale Ausschlachten verzichtet er.
Das ist der Preis, die die im Ausland so beneidete Schweiz für ihren Sonderweg und ihre gesunden Staatsfinanzen zahlt. Macron ist ein Mann mit gutem Gedächtnis und kann, aller hehren moralischen Ansprüche zum Trotz, durchaus nachtragend sein: Er hatte vor fünf Jahren persönlich beim Bundesrat für den Kampfjet Rafale geworben. Doch die Schweiz entschied sich lieber für die US-Bomber F-35. Payback-Time: Diesen Trump-Move gönnte er sich.

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Teure Gipfel

Dass Trump den vermeintlichen Iran-Friedensdeal, der kaum mehr als eine Absichtserklärung mit überschaubarer Halbwertzeit darstellt, lieber in Versailles unterschrieb statt Abgesandte auf den Bürgenstock zu schicken, mag die Schweizer Diplomatie enttäuschen. Doch offensichtlich, so der letzte Stand vor Textabschluss, soll das Treffen heute dennoch stattfinden, angeblich, um erste Verhandlungen zur Umsetzung des Abkommens zu beginnen. Die Sicherheitskosten sind einmal mehr hoch, als Verhandlungsresultat droht das grosse Nichts. Doch es gibt einen Profiteur: Die Kataris, denen das Postkarten-Resort auf dem magischen Berg gehört. Genf dagegen, ursprünglich vorgesehen, geht leer aus, sitzt auf den Kosten - und muss jetzt erstmal die Stadt reparieren.
Und das führt zur Frage: Bringen die grossen Treffen der Schweiz wirklich noch Prestige (und Werbung für besagte Postkarten-Idyllen)? Oder handelt es sich hier vor allem um ein Reflex-Relikt aus vergangenen Kalte-Kriegs-Neutralität-Zeiten? Sagen wir es so: Die Eilfertigkeit, mit der die heimische Diplomatie derartige Treffen in die Schweiz lotsen will, wirkt nicht mehr zeitgemäss. Gedankt wird es nicht, und die Profiteure sitzen ausserhalb der Schweiz. Wenn sich die Gipfel-Nutzniesser nicht an den Kosten beteiligen, sollte es heissen: No thanks.

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UBS-Bleiwesten

Das sind gute News für die UBS-Anleger: Erstmals seit 18 Jahren hat die Aktie diese Woche wieder die 40-Franken-Marke geknackt. Kann eine Schweizer Grossbank also doch ein gutes Investment sein? Wagen wir mit zwei einfachen Kennzahlen ein Blick auf das Wall-Street-Haus Morgan Stanley, mit dem sich die UBS am ehesten vergleicht: 355 Milliarden Dollar Börsenwert bei einem geschätzten Profit von 18 Milliarden in diesem Jahr. Die UBS, umgerechnet in Dollar: 163 Milliarden Börsenwert bei einem geschätzten Gewinn von 14 Milliarden. Das heisst: Morgan Stanley ist mehr als doppelt so viel wert, der Gewinn aber nur einen Viertel höher. Und das bei einem schlechteren Geschäftsmodell: Die US-Bank hat einen grösseren Anteil im anlegerkritischen Investmentbanking und ist international deutlich schlechter aufgestellt.
Hier spielt der Standort-Vorteil: Der Turbo-Kapitalismus in den USA hebt derzeit alle Boote, die grossen Banken haben allein im letzten Monat alle um mehr als zehn Prozent zugelegt. Deshalb gilt: Es ist ein Nachteil, nicht in den USA kotiert zu sein – selbst bei identischer Regulierung wäre die UBS in den New York deutlich höher bewertet. Doch das hausgemachte Problem ist eben: Die geplanten Regeln sind hierzulande massiv schärfer. Wie preissensibel die Anleger sind, belegt der Kurssprung von dieser Woche: Die Meldungen, dass die Parlamentarier sich gegen die Finanzministerin stellen und die Auslandstöchter doch einen ordentlichen Anteil statt mit hartem Eigenkapital mit AT1-Anleihen hinterlegen dürfen, trieben den Kurs, neben den vermeintlichen Friedens-Nachrichten aus dem Nahen Osten. Der Schweizer Finanzplatz muss den Anspruch haben, einen Weltkonzern zu beherbergen. Laut Börsenwert ist er davon noch weit entfernt. Was es da nicht braucht: Bleiwesten von der Regierung.

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Nächste Woche: Zerrissene Supermacht

Der US-Turbo-Kapitalismus, in diesen Wochen auch im Fussball bestens verkörpert, erreicht nie gekannte Höhen mit einem Präsidenten, der das gesamte Leben ausschliesslich durch die Deal-Brille sieht. Der Aufstieg der Tech-Mega-Milliardäre erhöht dabei die Spaltung in dem ohnehin schon fragmentierten Land. Aber wie stark ist diese Zerrissenheit wirklich im historischen Masstab? Und dreht die Ökonomie wirklich so viel heisser als in anderen Epochen?
Darüber diskutieren wir bei unserem Business Talk, der am Sonntag und dann noch mehrere Male nächste Woche ausgestrahlt wird, mit illustren Gästen: «250 Jahre USA: Wie stark ist Amerika noch?» Sollten Sie Abkühlung im gekühlten TV-Zimmer brauchen: Schalten Sie ein!

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