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Bilanz-Briefing

Sechs Jahre Haft für Lafont: Frankreich greift Manager hart an

Themen der Woche: KKS in Washington, harte Franzosen, Finks Business, Trübe Prognosen

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«Selbst maximale Missmanagement-Leistungen bis hin zum CS-Kollaps bleiben in der Schweiz ungesühnt.» BILANZ

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Karin Keller-Sutters Washington-Konversationen können bekanntlich eskalieren, doch dieses Mal war die Gefahr klein: Die Schweizer Delegation am diesjährigen IMF-Frühjahrstreffen, bestehend aus der Finanzministerin, Wirtschaftsminister Parmelin und Nationalbank-Chef Schlegel, blieb diese Woche von den Tiraden des Commanders-in-Chief verschont, hauptsächlich wohl, weil er ihre Ankunft gar nicht wahrnimmt.
Eine besondere Ehre: Obwohl Parmelin Bundespräsident ist, führte KKS die Delegation an, weil sie als Finanzministerin für den Währungsfonds zuständig ist. Besonders imposant: Sie vertrat die Schweiz auch beim G-20-Treffen der Finanzminister, das im Vorfeld stattfand. Da sei die ketzerische Frage erlaubt: Hätte sie diese Bedeutung auch, wenn die UBS ihren Hauptsitz ins Ausland verlegen würde? Kaspar Villiger, einer ihrer weisesten Vorgänger mit gleichem FDP-Parteibuch und Vater der Schuldenbremse, die KKS so eisern befolgt, hielt unlängst fest: Ohne die UBS würde der Schweizer Finanzplatz auf das Niveau von Österreich absinken. Der österreichische Finanzminister, ein gewisser Markus Marterbauer, soll bei dem Treffen nicht gesichtet worden sein.
Keller-Sutters Kompromisslosigkeit im Kampf gegen die Grossbank wirkt nicht wirklich schweizerisch. Aber in Washington mit den Grossen der Finanzwelt am Tisch sitzen, dank der UBS, zu Hause aber die böse Bank populistisch bashen – das ist dann wieder herrlich schweizerisch: Foifer und Weggli. Gross.

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Lafonts Strafe

Da ist man sprachlos: Der Franzose Bruno Lafont, vor zehn Jahren starker Mann beim damals noch LafargeHolcim genannten französisch-schweizerischen Zementkonzern, wurde von der Pariser Justiz zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er als Lafarge-Chef Geschäfte mit Terroristen in Syrien gemacht hatte. Politiker fasst man nicht so hart an: Ex-Präsident Sarkozy musste für seine luschen Geschäfte mit Libyen-Diktator Gaddafi gerade 20 Tage einrücken und verarbeitete das grosse Trauma in einem nicht gänzlich mannhaften Buch, das sich allein in der ersten Woche mehr als 100 000 Mal verkaufte.
Und das führt zum grossen Bild. Dass Manager in Frankreich unter Generalverdacht stehen, zeigt schon ein Blick in die hochstehende französische Filmkunst: Manager sind dort fast immer Trottel, die das wahre Leben mit unnützem Tun verpassen. Wären sechs Jahre Haft bei gleichem Vergehen in der Schweiz verhängt worden? Wohl kaum – die Chefs hätten die Untergebenen verantwortlich gemacht und sich ihrer D&O-Insurance genannten Manager-Haftpflicht erfreut. Selbst maximale Missmanagement-Leistungen bis hin zum CS-Kollaps bleiben ungesühnt. Frankreich ist manchmal zu hart. Die Schweiz oft zu weich.

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Fink in Istanbul

Und dann meldet sich diese Woche auch der Blackrock-Lenker Larry Fink zu Wort, im Nebenjob Co-Präsident des WEF. Rekordhohe 130 Milliarden Dollar frische Gelder zog der weltgrösste Vermögensverwalter im ersten Quartal an: «Unser Modell funktioniert», jubilierte Fink. Leider geht die Transparenz nicht so weit, dass die Erträge aus staatlichen Aufträgen separat ausgewiesen werden.
Vor kurzem hielt das WEF eine lokale Konferenz in Istanbul ab. Fink posierte als Co-Präsident stolz auf Facebook mit Präsident Erdogan. Das Gespräch soll eine Stunde gedauert haben. Worüber sie wohl gesprochen haben? Die unbestechliche Agentur Reuters meldet, dass die türkische Zentralbank und hochrangige türkische Offizielle mit Blackrock in Kontakt stünden und Finks Leute ihr Exposure in türkischen Aktien erhöht hätten. Die Weltverbesserungs-Mission des WEF? Nicht unbedingt wichtig. The business of business is business.

Nächste Woche: Kriegs-Folgen

Wir haben mit dem IMF begonnen, jetzt widmen wir dem Währungsfonds auch das Schlusswort, auch wenn es angesichts frühlingshafter Temperaturen etwas düster daherkommt: Bei einer Ausweitung der geopolitischen Streitigkeiten drohe die «grösste Energiekrise der Neuzeit», befand Chefökonom Gourinchas in seiner neusten Prognose, inklusive einer globalen Rezession mit schwerwiegenden Wechselwirkungen rund um den Globus.

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Dieses Worst Case Scenario greift bei einem langfristigen Ölpreis von 125 Dollar pro Fass, was die IMF-Chefin Georgieva zu der schönen Warnung an die Politiker inspirierte: «Schütten Sie kein Öl ins Feuer!» Selten war dieser Satz zutreffender. Wenn Sie mehr wissen wollen: Schauen Sie den Bilanz Business Talk mit kompetenten Gästen, am Sonntag und nächste Woche. Thema: Der Krieg und die Folgen für die Wirtschaft.

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