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BILANZ-Briefing

Johnny-Gianni: Fifa gerät zunehmend unter US-Einfluss

Die Themen der Woche: US-Fifa, WEF-Gefahr, Swisscom-Schlappe, KI-König ABB.

Dirk Schütz

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«Die FIFA war eine Zürcher Institution, auf die die Schweiz einmal stolz war – und die jetzt de facto aus den USA gelenkt wird.». BILANZ

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Lösen wir uns von der heimischen Fussball-Euphorie und schauen die Sache aus schweizerischer Sicht etwas grösser an. Eigentlich befanden wir uns in bezug auf das vollumfängliche In-den-Staub-Werfen Infantinos gegenüber dem Don längst im Stadium der Empörungs-Erschöpfung - im Vergleich zum Fifa-Chef wirkte selbst der monumentale Trump-Schmeichler Rutte auf dem Nato-Chefposten wie ein hochbewaffneter Strassenkämpfer. Doch es geht eben immer noch schlimmer, wie das Aussetzen der roten Karte für den US-Stürmer Balogun zeigte. Zum Glück wurde die Angelegenheit auf dem Platz geregelt, und in Zeiten der Mikro-Aufmerksamkeits-Zyklen ist das Thema schon wieder nach hinten gerutscht. Dass Trump überraschenderweise keine Zölle auf belgische Waffeln und Biere verhängte, dimmte das Feuer. Die Prognose sei jedoch gewagt: Es bleibt eine Grenzüberschreitung, die Infantino bis ans Ende seiner Tage verfolgen wird.
Doch es geht um mehr als einen hyper-servilen Walliser, der die armen Fifa-Länder mit Maximal-Millionen beschenkt, um sich ihre Gunst für seine statutenwidrige Wiederwahl zu sichern. Es geht um eine Zürcher Institution, auf die die Schweiz einmal stolz war – und die jetzt de facto aus den USA gelenkt wird. Es waren die Amerikaner, die mit ihren Korruptions-Anschuldigungen gegen Infantinos Vorgänger Blatter den wenig bekannten Juristen Infantino ins Amt hievten. Jetzt dankt er es ihnen – mit Wohnsitz in Miami nahe Mar-a-Lago, Fifa-Büro im Trump Tower in New York und weltgroteskem Friedenspreis.

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Als Trump am WEF 2025 drei Tage nach seiner zweiten Amtseinführung per Video seine Ansprache hielt, fragte er laut in den Konferenzsaal: «Is Johnny there?» War er nicht – das WEF hatte sich bislang geweigert, ihn einzuladen. Ein Jahr später sass Infantino bei der grossen Trump-Show in der ersten Reihe. Da hatte das WEF ja auch einen amerikanischen Co-Chairman.

WEF-Drama

Und das führt zur zweiten einst stolzen Schweizer Weltorganisation, die sich im Würgegriff der Amerikaner befindet. Seit zwei Jahren belagert das New Yorker Finanzblatt Wall Street Journal mit teils perfiden Angriffen die Genfer Weltverbesserungs-Organisation. Die letzte Salve kam an diesem Montag unter der absurden Überschrift: «Davos Founder Klaus Schwab plots a return to the World Economic Forum». Das ist schlicht falsch, wie der Gründer mehrfach betonte. Dazu: Aufgewärmte Vorwürfe, die das Blatt schon vor einem Jahr vorbrachte, und die damals bereits von einer aufwendigen Untersuchung widerlegt wurden.
Der neuerliche Frontalangriff auf den Gründer ist vor allem eines: Eine Attacke auf die Schweizer Wurzeln der Organisation. Wie schmutzig der Kampf geführt wird, zeigt das Abhör-Mikrofon, das in Schwabs Arbeitszimmer gefunden wurde. Es geht um Grosses: Gerät das Forum noch stärker in den Klammergriff des Blackrock-Lenkers Larry Fink, der sich in einer Hauruck-Aktion vor einem Jahr das Co-Präsidium schnappte und jetzt den wohl grössten Interessenskonflikt der Weltwirtschaft verkörpert? Keine Firma betreut so viele Staatsaufträge wie der Geldriese aus New York, keine nicht-staatliche Organisation bietet so exklusiven Zugang zu Staatslenkern wie das WEF. Das gefällt auch Trump, der seinen Larry bei Auslandsreisen gern in seiner Präsidenten-Maschine mitfliegen lässt. Als WEF-Chef locken noch bessere Geschäfte.

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Swisscom: Zweite Liga

Es war nur ein kurzes Vergnügen: Gerade drei Jahre blieb der Logistik-Riese Kühne & Nagel im SMI, gestern wurde der Abschieds-Entscheid verkündet – ein zu grosser Teil der Aktien (60 Prozent) befindet sich im Besitz des Patriarchen Klaus-Michael Kühne. Der noch grössere Verlierer: Die Swisscom. Der Ex-Monopolist ist seit dem Börsengang vor 28 Jahren fester Bestandteil des Leitindexes. Doch der Bund hält 51 Prozent, für die Börsengewichtung zählen nur 49 Prozent. Das ist nicht neu, doch der Rückgang des Kurses um 15 Prozent in diesem Jahr war keine Werbung - die Neuzugänge Galderma (mehr als zehn Prozent Zuwachs) und Sandoz (plus 20 Prozent) hatten mehr zu bieten.
Sagen wir es so: Dass sich die Schweiz noch immer einen Ex-Monopolisten in Staatsmehrheit leistet, passt nicht so recht ins wirtschaftsliberale Selbstbild. Und es verzerrt den Markt. Jetzt hat der Börsenbetreiber SIX die Rechnung präsentiert. Dass der Titel aus den grossen SMI-Indexfonds fällt, drückt auf den Kurs. Vor allem: Es kratzt am Selbstbewusstsein. Die Technologiefirma spielt nur noch in der zweiten Liga. Da hilft nur eines: Mehr Aktien in private Hände.

Nächste Woche: ABB-Boom

Die klare Nummer eins dagegen unter den Schweizer Tech-Unternehmen veröffentlicht nächsten Donnerstag ihre Halb-Jahreszahlen: ABB ist auf Rekordjagd. Keine Schweizer Firma profitiert so stark vom KI-Boom: Stromversorgung ist der zentrale Rohstoff - und da ist ABB bei der Technologie ganz vorn dabei.

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Jüngst wurde bekannt, dass die Firma es nach den Big 3 Roche, Novartis und Nestlé mit einem Marktwert von 196 Milliarden Dollar erstmals unter die Top 100 der Welt geschafft hat. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um mehr als 40 Prozent gestiegen, der grösste Zuwachs im SMI. Da sage noch jemand, die Schweizer Firmen würden nicht vom KI-Boom profitieren.

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