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Bilanz-Briefing

KI-Panik als Armutszeugnis der Tech-Chefs

Die Themen der Woche: KI-Panik, Marquards Nachruf, Zierde Budliger, Schinecker & Navratil

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Die KI-Granden wie der Anthropic-Chef stehen in der Verantwortung, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren.
Die KI-Granden wie der Anthropic-Chef stehen in der Verantwortung, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren.BILANZ

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Ist das eine existentielle oder eine extra-bescheuerte Debatte? Der Rücktritt eines Forschers der KI-Firma Anthrophic mit der Aussage, dass die Entwickler davon ausgehen, die KI werde «uns alle töten bis zum Ende des Jahrzehnts», bot den Panik-Stoff dieser Woche. Das kollektive Ende der Menschheit wäre demnach in drei Jahren, drei Monaten und 13 Tagen. Die genaue Tötungsmethode für 8,3 Milliarden Erdenbürger wird sicher bald nachgereicht.
Da passt es ins Bild, dass Anthropic-Chef Dario Amodei, selbst proklamierter Gutmensch der Szene, daraufhin eine Verlangsamung bei der KI-Entwicklung forderte. Stellt sich die Frage: Warum macht er es nicht einfach? Jeder CEO ist für die Risiken seines Produkts verantwortlich – wenn uns ein Blutdrucksenker, ein Bremssystem oder eine Bio-Pizza tötet, greift die Produkthaftung. Könnte der mächtige KI-Vormann vielleicht zu der Einsicht gekommen sein, dass der Wettlauf mit seinen weiteren Mega-Investitionen sein Unternehmen finanziell überfordert? Oder möchte er nur die Konkurrenz bremsen? Immerhin will er seinen Mega-Börsengang in diesem Herbst mit einer geschätzten Mond-Bewertung von 2000 Milliarden Dollar weiter durchziehen, während der verhasste Rivale Open AI ihn verschoben hat. Oder will er nur, wie Nvidia-Chef Jensen Huang vermutet, seinen Kunden teure Cybersicherheit verkaufen?

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Gewiss, wir brauchen eine Form von Regulierung – Baukräne, Atomkraftwerke oder Medikamente unterliegen auch scharfen Vorschriften, weil sie ebenfalls töten können. Doch entscheidend bleibt: Die KI-Granden wie der Anthropic-Chef stehen in der Verantwortung, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren. Dass sie lieber ihre eigene Ohnmacht postulieren, mag für Sie eine öffentliche Versicherungspolice für zukünftige Unfälle sein. Aber es bleibt ein Armutszeugnis.

Marquard geht

Hängen wir es also etwas tiefer und schreiben von einer sehr speziellen Konstellation in dieser Woche. Der Verleger Jürg Marquard, veritabler Selfmade-Multimillionär im schwierigen Mediengeschäft und bewusst grossspuriger Lebemann mit Draufgänger-Gen, ist diese Woche nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben. Nach Deutungs-Wichtigkeit strebte er nie, gross geworden war er mit dem Musik-Magazin Pop, doch einen guten Unternehmer zeichnet die permanente Neuerfindung aus, und Marquard war ein guter Unternehmer: Am Ende verdiente seine Firma ihr Geld mit Applikationen und Publikationen zum Thema Gaming, er hatte die Mehrheit verkauft und lebte als Ehrenpräsident vorwiegend auf Mallorca. Die Lebensenergie war schon seit längerem abgeflaut.

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Doch wer zeichnet als Autor des gelungenen Nachrufs («Aufgestiegen aus eigener Kraft») in der NZZ? Karl Lüond. Aber halt: Ist die Journalistenlegende nicht kürzlich auch verstorben? Genau, so steht es im Nachsatz: «Dieser Nachruf wurde noch von Karl Lüönd (1945 – 2026) verfasst». Das dürfte eine Premiere sein: Ein Toter veröffentlicht einen Nachruf auf einen Toten. Da stellen sich dann wirklich existentielle Fragen. Wie viele Nachrufe schlummern bereits auf den Medien-Servern dieser Welt? Wer kommt zu dieser speziellen Ehre? Und: Wer soll die Glanzstücke alle noch lesen, nachdem die KI uns ausgerottet hat?

Budligers Exit

Dieser Rücktritt ist ein Knall. Helene Budliger war unkonventionell direkt und eckte damit im Behörden-Bern an. Aber dass niemand in der jüngeren Zeit das Wirtschaftssekretariat Seco so erfolgreich geleitet hat wie sie, gilt als unbestritten. Ihr Meisterstück: Der 15-Prozent-Zoll-Deal mit den USA. Sie war es, die nach dem legendär verkachelten Keller-Sutter-Trump-Telefonat die Milliardäre ins Spiel brachte, weil ihr klar war, dass Trump nur sie auf Augenhöhe sieht. Sie wusste von den exzellenten US-Kontakten des Partners-Group-Granden Fredy Gantner und meldete sich bei ihm. Und sie war es auch, die die Idee des Oval -Office-Besuchs der Milliardäre hatte – allerdings faute de mieux.

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Denn das Problem war, dass Trump ein Treffen mit KKS ablehnte, sich die Finanzministerin aber weigerte, ihrem Vize Parmelin, Budligers Chef, den Vortritt zu überlassen. Also brachte Budliger die Milliardäre ins Oval Office, und die, auch das wird die Untersuchung der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats zeigen, sprachen ihre Geschenke mit allen ab, inklusive dem Stab von KKS – die Bestechungsvorwürfe gehen also ins Leere. Dass Parmelin sie loswerden wollte, ist da wenig wahrscheinlich – ihre Version («neue Herausforderung») klingt da überzeugender. Wir dürfen gespannt sein, wo sie landet. Für viele Verwaltungsräte wäre sie eine Zierde – ihre Vorgängerin Ineichen-Fleisch hat es so sogar zur Vizepräsidentin von Nestlé geschafft. Ob Budliger mit ihrem Macher-Typus allerdings in oft praxisferne Konsens-Gremien passt, steht auf einem anderen Blatt.

Nächste Woche: Weltkonzerne im Stresstest

Die Macht zerbröselt vor aller Augen: Dass der neue Fed-Chef Kevin Warsh, vom Casting-Helden Trump mit viel Liebe ausgesucht, sich mit seiner Zinserhöhung gegen seinen Förderer stellt, ist ein gutes Signal - die Institution ist stärker als eine Einzelperson.
Was heisst das für die Schweizer Weltkonzerne? Für Roche sind die USA der wichtigste Markt, Nestlé ist in den USA ebenfalls grossflächig präsent. Fakt ist: Auch sie blicken schon weiter, wie die beiden CEO, Thomas Schinecker und Philipp Navratil, im Bilanz Business Talk am Sonntag und in der nächsten Woche zeigen. Wir freuen uns auf Sie!

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