Bond-Markt boomt

US-Anleihen auf Rekordhoch

Die Themen der Woche: Bond-Blues, Musks Comeback, Martullos Schweigen, Glencore-Party.

dirk schutz

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Diese Woche erreichte die 30-jährige US-Staatsanleihe mit 5,2 Prozent den höchsten Wert seit 18 Jahren. BILANZ

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Es war der Clinton-Berater James Carville, der in den Lichtjahren entfernten neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine Weisheit aussprach, die alle Crashs sowie wahre und vermeintliche Tech-Revolutionen überlebte. «Früher dachte ich, dass ich bei einer Wiedergeburt gern als Präsident, Papst oder Baseball-Star zurückkommen würde. Jetzt denke ich: Ich würde am liebsten als Bond-Markt zurückkommen. Da kann man jedem Angst machen.»
Selbst dem Mann, der sich mit dem Papst anlegt und als Jesus posiert: Dass die Leute etwas «yippy» geworden seien wegen der Reaktion an den Anleihenmärkten, war der Grund für den ersten grossen TACO nach dem vermeintlichen «Liberation day» letzten April – die Bond-Renditen schossen hoch, weil die Investoren die Papiere mit fixen Renditen auf den Markt schmissen. Diese Woche erreichte die 30-jährige US-Staatsanleihe mit 5,2 Prozent den höchsten Wert seit 18 Jahren. Die taumelnde britische Wirtschaft meldete zuletzt gar einen Stand von 5,8 Prozent. Dass die zurecht vergessene Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss den Wert von 3,4 auf 5 Prozent ansteigen liess, kostete sie das Amt. Starmer übertrifft sie bereits. Und selbst in der paradiesischen Schweiz hat sich der Wert in den letzten drei Monaten mehr als verdoppelt, wenn auch natürlich auf tiefem Niveau von 0,575 Prozent.

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Zur eigenen Bereicherung spielt Trump die Börse: Mehr als 200 Millionen Dollar hat er im ersten Quartal in Aktientransaktionen stecken lassen, wie das US Office of Government Ethics (ja, das gibt es noch) diese Woche verkündete – dass er mit seinem Smartphone die Weltbörsen lenken und damit lukrative Geschäfte machen kann, ist der ultimative Kick. Doch es gilt die Weisheit, die selbst Trump akzeptiert: Aktienmärkte sind für Kinder, Anleihenmärkte für Erwachsene. Sie sind der wahre Gradmesser, an dem er seine Politik ausrichtet. Und da steigt die Nervosität.

Best Buddy is back

Und das führt zu Elon Musk, der sich langsam seinen Status als First Buddy zurückerkämpft und zum China-Besuch des grossen Disruptors wieder in der Präsidentenmaschine mitfliegen durfte, inklusive quengligem Sohn. Am Mittwoch beantragte er mit seiner Weltraumfirma Space X den Börsengang, der alle Superlative sprengt: 1750 Milliarden Dollar soll die Firma nach dem IPO wert sein, der grösste Wert aller Zeiten, leicht vor dem saudischen Ölkonzern Aramco.
Doch der erzielte im letzten Jahr einen Gewinn von 94 Milliarden Dollar – mehr als alle SMI-Firmen zusammen. Space X dagegen steckt tief in den roten Zahlen: 4,9 Milliarden Dollar betrug der Verlust im letzten Jahr. Kann da noch jemand folgen? In früheren Zeiten liesse sich auf einen Granden ebenfalls aus dem letzten Jahrhundert verweisen, dem sphinxhaften Langzeit-Fed-Chef Alan Greenspan mit seiner «Irrational exuberance». Aber heute? Versuchen wir es so: Die Tech-Bros sind die neuen Story-Gurus, die ihre Börsenfabeln in die Köpfe der Anleger pressen, und keiner will die Rallye verpassen, solange sie noch läuft, auch der Commander-in-Chief nicht. Der Trump-Clan hat schon heftig in Musks Tesla-Träume investiert. Jetzt locken die unendlichen Weiten des Weltraums. Da räumt man dem reichsten Mann der Welt schon mal trotz allem Zoff einen Platz in der Air Force One frei.

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Wo ist Martullo?

Die Frage der Woche lautet: Wo ist Martullo-Blocher? Wie die Aaargauer Zeitung berichtet, hält sich die Ems-Chefin, sonst durchaus wortmächtig unterwegs, bei der 10-Millionen-Initiative ungewohnt stark zurück: Keine Auftritte, keine Interviews, keine wuchtigen Marschbefehle. Wandelt sie etwa auf den Spuren ihres einstigen Nationalrats-Kollegen Peter Spuhler, der die Initiative als «zu scharf und zu extrem» taxierte?
Nicht ganz. Martullo hat sich schon für die Initiative ausgesprochen, sie exponiert sich nur nicht. Dass sie sich zurückhält, weil sie EU-Arbeitskräfte braucht und die Initiative die Personenfreizügigkeit gefährden würde, überzeugt nicht wirklich: Sie kämpft an vorderster Front gegen die EU-Verträge und torpediert auf diesem Weg ebenfalls potenziell die Personenfreizügigkeit. Könnte es an der Personalkonstellation liegen? Sagen wir es diplomatisch: Sie lässt dem anderen SVP-Wirtschafts-Nationalrat Thomas Matter, der an der Spitze des Abstimmungskampfes steht, grosszügig den Vortritt. Eine zweite Schlappe nach der SRG-Initiative braucht der Banker nicht wirklich. Martullo schaut da offenbar gern zu.

Nächste Woche: Glencore-Erfolg

Es ist ein Erfolgserlebnis: Wenn der Rohstoff-Riese Glencore nächsten Donnerstag zur Generalversammlung ins schöne Theater-Casino Zug lädt, kann er einen Aktienkurs auf Rekordniveau präsentieren: Mit einem Kurs von 5,60 Pfund (die Aktie ist in London kotiert) hat sich das Papier auf Jahresfrist verdoppelt.

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Kupfer und Kohle befeuern den Kurs, dazu kommen die immer wieder aufflackernden Fusions-Fantasien mit Rio Tinto. Standort-Verbundenheit ist da Nebensache: Unter den acht Verwaltungsräten befinden sich keine Schweizer, dafür drei Südafrikaner, inklusive CEO Gary Nagle. Wenn der Preis stimmt, werden sie einschlagen in die Übername, dazu sind sie zu sehr Trader. Der Hauptsitz Zug wäre dann Geschichte. Doch noch gilt: Feiern im Casino.

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