«Trump bellt so laut wie nie («eine ganze Zivilisation wird ausgelöscht») - und die Anleger ignorieren die Apokalypse im Wissen, dass sie ausfällt.» BILANZ
Das Gegenteil von Liebe ist bekanntlich nicht Hass, sondern Indifferenz. Für die Börsianer und ihre lange gepflegte Liebe zum Oval-Office-Milliardär heisst das: Selbst wildeste Drohungen taxieren sie nur noch als Geschwätz. Gewiss, die Börse hat nach dem vermeintlichen Waffenstillstand angezogen, vor allem getrieben durch Ölpreis-Entspannung und sinkende Inflationsängste. Doch auffällig ist vor allem, dass sie trotz brutalster Trump-Rhetorik in den Stunden vor Ablauf des Ultimatums am Montag stabil blieb. Trump bellt so laut wie nie («eine ganze Zivilisation wird ausgelöscht») - und die Anleger ignorieren die Apokalypse im Wissen, dass sie ausfällt. Maximale Rhetorik führt zu maximalem Glaubwürdigkeitsverlust.
Und jetzt? Sicher ist nur eins: Das Chaos geht weiter. Doch zur Einordnung: Was Energiekosten, Lieferketten-Druck oder Inflations-Furcht angeht, bleibt der diesjährige Frühjahrssturm weit hinter Corona, Ukraine-Krieg oder sogar Liberation-Day-Madness zurück. Die Unternehmens-Bilanzen sind zum Grossteil gesund, die Berichtssaison bringt solide Zahlen, in der Schweiz besonders, und die globalen Unsicherheiten erhöhen die Anziehungskraft gut geführter Weltkonzerne, auch hier gerade in der Schweiz.
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Die Hauptfrage für die Börsianer wird vor allem sein, ob der KI-Hype vom letzten Jahr auch dieses Mal wieder einen Kurs-Aufschwung bringt. Derzeit spricht mehr dafür als dagegen, doch selbst wenn nicht: Ein Crash steht kaum in den Sternen. Also: Gönnen wir uns in der Nach-Osterwoche eine Portion Optimismus, trotz des ohrenbetäubenden Dauerlärms.
Spuhlers Einsicht
Einen Rückzieher macht auch Bahngrande Peter Spuhler im Kampf mit der SBB, doch hier von PACO zu sprechen, wäre doch etwas vermessen – mit «Peter always chickens out» ist der einstige Eishockey-Kämpfer kaum zutreffend beschrieben. Interessant ist vor allem die Begründung für die Kapitulation des Stadler-Patrons im Kampf gegen die Auftragsvergabe von 116 Zügen an den Rivalen Siemens: Weil ihm zu viele Passagen der Siemens-Offerte nach seiner Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht nur geschwärzt vorgelegt worden seien, hätten sich keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten finden lassen.
Nur: Derartige Schwärzungen sind normale Usanz, schliesslich soll kein Mitbewerber über die Beschwerde Einblick in die Offerten-Praxis eines Rivalen erhalten. Die Chancen, mit dem Einspruch recht zu bekommen, waren ohnehin gering – bislang ist in ihrer langen Geschichte laut SBB kein Rekurs erfolgreich gewesen. Hätte Spuhler wissen können. Doch manchmal dauert es eben gerade bei Erfolgsverwöhnten länger, bis die Vernunft einsetzt, selbst im Kontakt mit dem besten Kunden. Jetzt gilt das Verdikt des amerikanischen Raiders Barry Diller nach seinem vergeblichen Sturm auf das Filmstudio Paramount: «They won. We lost. Next.»
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Zum ewigen Thema der Bankerboni meldet sich diese Woche die Genfer Anlagestiftung Ethos zu Wort. Auch wenn die grossen Zeiten unter dem streitbaren Dominique Biedermann weit hinter ihr liegen, bleiben manche Analysen durchaus lesenswert. Aufreger dieses Mal: Der hohe variable Anteil der Chefs von UBS, Bär und EFG – laut den Ethos-Richtlinien soll er maximal das Dreifache des Fixgehalts betragen. Bei UBS-Chef Ermotti liegt der Wert beim 4,8-fachen, bei EFG-Chef Pradelli beim 3,5-fachen.
Dass sich derartig starre Regeln einfach aushebeln lassen, zeigt der Fall des hocherfolgreichen Unicredit-Chefs Andrea Orcel: In der EU darf eigentlich nur das Doppelte des Grundgehalts variabel sein. Doch der Verwaltungsrat erhöhte sein Fixpaket auf sechs Millionen Euro, und gönnt ihm mit einem Gesamtpaket von 16,4 Millionen eine grosszügige Rundungs-Differenz nach oben. Orcel liegt damit als europäische Nummer eins vor seinem einstigen Chef Ermotti, hat aber auch den Aktionärswert in seinen fünf Jahren an der Spitze verzehnfacht. Für die grossen Amerikaner ist das ohnehin Peanuts: Dort gibt es mehr als 40 Millionen für die Chefs von JP Morgan, Goldman Sachs und Bank of America. Merke: The bonus finds its way
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Nächste Woche: UBS-Aktionärsschau
Und das führt zum grossen Auftritt von nächstem Mittwoch: Gegen fünf Stunden wird UBS-Präsident Kelleher die Aktionäre in Basel durch die Generalversammlung lotsen, ohne Pause, was für manche ältere Aktionäre den Druck zum Ende hin erhöht. Der Showdown mit dem Bund geht in die entscheidende Phase, da sei der 43-Millionen-JP-Morgan-Leitwolf Jamie Dimon zitiert: Er kritisierte diese Woche in seinem Aktionärsbrief den Kapitalaufschlag des neuen globalen Bankregimes Basel 3 für systemrelevante Banken als «unsinnig».
Dabei ist es ihm bereits gelungen, die harten Basel-Vorgaben für die USA aufzuweichen. In der Schweiz gelten sie bereits, und jetzt wollen Finanzministerin Keller-Sutter und Finma-Chef Walter sie nochmals verschärfen, was für die UBS eine Quote von 50 Prozent über dem globalen Durchschnitt bedeuten würde. Kein Wunder, dass da die Begehrlichkeiten mit Blick auf die USA steigen: Mehr als doppelt so viel Salär – und wettbewerbsfreundliche Regulatoren. Man muss kein Prophet sein: Der Spassfaktor hält sich für den Wall-Street-Veteranen Kelleher in Grenzen.
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