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Bilanz-Briefing

Putins Grüsse an AfD und SVP

Die Themen der Woche: AfD vs SVP, Economiesuisse-Wechsel, Novartis-Sturz, Kelleher & Orlopp.

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«Es wird höchste Zeit, dass die Dauer-Motzer Regierungsverantwortung übernehmen. Also: AfD an die Macht im Mini-Labor Sachsen-Anhalt.»
«Es wird höchste Zeit, dass die Dauer-Motzer Regierungsverantwortung übernehmen. Also: AfD an die Macht im Mini-Labor Sachsen-Anhalt.»BILANZ

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Ist das ein gemeinsamer Freund, über den man sich freut? Putins Russland gratulierte der AfD fast schon überschwänglich für ihren Wahlsieg im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt – und unterstützt gleichzeitig die SVP frohgemut bei der Neutralitätsinitiative ihres Übervaters Blocher. Heisst das nach simplem Dreisatz: Wenn zwei den gleichen Freund haben – sind sie dann auch Freunde? Zumindest ist auffällig, dass die schon fast legendäre Brandmauer der CDU in hiesigen rechtsbürgerlichen Kreisen als Haupt-Hindernis für die Genesung des Sanierungsfalls Deutschland gesehen wird.
Doch was aus Schweizer Optik verlockend klingt, ist es deutscher Sicht weniger. Nicht nur zählt die AfD zahlreiche Mitglieder, die offen mit Nazi-Symbolen hantieren und harten Rassismus predigen, und das unterscheidet sie von der voll ins System integrierten SVP. Da ist auffällig, dass die Gratulationen ausgerechnet aus Frankreich ausbleiben: Die sich lächelnd-staatsmännisch gebende Frontfrau Le Pen will mit der geifernden Weidel und ihren Rechtsradikalen nichts zu tun haben. Vor allem: Ein Zusammengehen von CDU und AfD würde die traditionelle Regierungspartei CDU zerreissen – Merkel hat die Partei so stark in die Mitte geführt, dass die Extrem-Linken ihr im Zweifel lieber wären als die Extrem-Rechten. Zudem sind zentrale AfD-Positionen - Russland-Verherrlichung, Euro-Austritt, Grenzschliessungen – schlicht nicht kompatibel. Und, aus wirtschaftlicher Sicht zentral: Die AfD hängt nicht einem liberalen Wirtschaftsbild an, sondern sieht den lenkenden Staat als zentrale Instanz – anders als die SVP (ohne die Landwirtschaft natürlich).

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Was bleibt also? Es wird höchste Zeit, dass die Dauer-Motzer Regierungsverantwortung übernehmen. Also: AfD an die Macht im Mini-Labor Sachsen-Anhalt. Die deutsche Demokratie wird es überstehen, Europa wird es überstehen. Sollen sie zeigen, wie praxistauglich ihre Rezepte sind. Die SVP war nie so schwach wie in der Zeit, als Blocher Bundesrat war.

Zen-Mönch

Abschied nach sechs Jahren: Heute tritt Christoph Mäder bei Economiesuisse ab. Er war durchaus ein Freund markiger Worte, auch beim Abschiedsinterview im Tages-Anzeiger teilte er nochmals aus und bemühte kraftvoll das Mantra vom Reformstau. Da mahnen die Wirtschaftskreise aber schon seit mindestens 30 Jahren.
Zur Verteidigung sei gesagt: Der unbestreitbare Bedeutungsverlust des Dachverbands ist systemisch begründet – die Atomisierung der Gesellschaft in abgeschottete Interessensvertretungen mit eigenen Filterblasen lähmt schon Economiesuisse-Mitgliedsverbände von Bankiervereinigung bis Swissmem. Der Dachverband wirkt da wie ein Relikt aus ganz fernen Zeiten. Diese Erkenntnis hat sich offenbar auch an den Konzernspitzen durchgesetzt: Der Mäder-Nachfolger Silvan «Who?» Wildhaber von der 100-Mitarbeiter-Firma Filtex mag ein verdienter Firmenchef sein. Doch dass die im Vorstand vertretenen Grossunternehmen von Nestlé bis UBS überhaupt einen KMU-Vertreter auf diesem Posten akzeptieren, demonstriert eindrücklich, wie wenig sie erwarten. Vom achten Bundesrat ist der Economiesuisse-Präsident so weit entfernt wie ein Zen-Mönch.

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Novartis-Schelte

Da teilt ein frustrierter Aktionär aus – allerdings blindwütig. Nach dem Kurssturz von mehr als zehn Prozent bei Novartis an Dienstag schiesst der Chef des US-Vermögensverwalters Artisan gegen den Verwaltungsrat. «Ich halte dieses Gremium nicht für besonders kompetent, was die Aufsicht über das Unternehmen angeht», sagt CEO David Samra. Satte 12 Milliarden Dollar hatte Novartis letzten Sommer für die kalifornische Biotech-Firma Avidity bezahlt, es war der grösste Deal seit einem Jahrzehnt. Und dann das: Der grosse Avidity-Hoffnungsträger, das Muskel-Medikament Del-Desiran, droht zum Flop zu werden.
Jedoch: Es war nicht der Verwaltungsrat, sondern CEO Narasimhan, der den Kauf forcierte. Der neue Präsident Caforio segnete ihn zu Beginn seiner Amtszeit nur ab, das ist in der Branche auch bestens bekannt. Doch den Konzernchef will der Vermögensverwalter nicht kritisieren: «Ich halte Vas für eine guten CEO.» Ja, was denn nun? Das M&A-Risiko im Pharmageschäft ist riesig, und manchmal gehen die Wetten nicht auf - das musste Caforio schon als CEO beim US-Multi Bristol Meyers Squibb erfahren, als er mit dem Kauf des Rivalen Celgene den teuersten Deal der Branche tätigte, aber wenig Erfolg hatte. Klingt fast so, als wollte der Aktionär mit seinen 1,2 Prozent den Druck seiner Kunden öffentlichkeitswirksam weitergeben - aber sich nicht mit dem mächtigen Vas anlegen.

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Nächste Woche: Neuer Bankenpräsident

Ein weiterer Stabwechsel in der Verbandswelt: Bei der Bankiervereinigung tritt Marcel Rohner nächsten Donnerstag als Präsident ab, mit dem EFG-Vormann Giorgio Pradelli übernimmt ein Banker mit Leistungsausweis und Momentum. Zumindest kann keiner mehr sagen, dass der Branchenverband personell zu UBS-nahe ist – Rohner war ja mal UBS-Chef.
Angekündigt ist in der St.Galler Tonhalle prominenter Besuch: UBS-Präsident Colm Kelleher und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Und da fragen wir: Werden wir Zeuge einer Annäherung? Orlopp hat keine Chance, die Übernahme durch die Unicredit zu überleben, dafür war ihre Gegenwehr gegen den Dealtreiber Andrea Orcel zu stark. Gibt es eine Chance für sie bei der UBS? Martin Blessing, einer ihrer Vorgänger, war ja schon mal da, aber dann auch schnell wieder weg. Gross sind die Erfolgsaussichten also nicht. Da gilt für Orlopp wohl das Motto des grossen Karl Valentin: «Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.»

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