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Bissfestes Business

Das Frässystem der DCS Dental weist der Zahntechnik neue Wege. Grossfirmen reissen sich um den weltweiten Vertrieb.

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«Früher bin ich mit meinen Plänen zu den grossen Konzernen gefahren, heute kommen sie zu mir», sagt DCS-Dental-Geschäftsführer
Tony Traber
(Bild), und in seiner Stimme schwingt nicht wenig Genugtuung mit. Denn er wurde in der Branche über Jahre belächelt. An der Vision, die Rohformen von Zahnimplantaten, Brücken und Prothesen – die so genannten Gerüste – nicht mehr von Hand, sondern mit den Mitteln des modernen, computergestützten Maschinenbaus herzustellen, arbeiten auch Hochschulinstitute oder Medizinaltechnikfirmen; nur glaubte von denen niemand, dass ihnen ein Schweizer KMU am Markt zuvorkommen könnte. Bis zur jüngsten Internationalen Dentalmesse in Köln. Da präsentierte DCS Dental die neuste Version ihres Precident-Systems und sorgte gleich weltweit für Furore.
Das DCS-System liest die Daten, zum Beispiel die Form eines abgeschliffenen Zahns, mit einem Laser-Scanner vom Gebissabdruck ab. Danach lässt sich mit einer Modelliersoftware errechnen, wie gross das Gerüst sein darf. Und schliesslich wird dieses mit Mikrometertoleranzen aus dem gewünschten Material herausgefräst, sei es nun aus Titan, aus Kunststoff oder aus einer ultraharten Keramik. Die Folge: Die Arbeit, für die ein Zahntechniker bisher rund anderthalb Stunden einsetzen musste, ist innert Minuten erledigt.

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320 der patentbewehrten Geräte sind bisher weltweit im Einsatz, davon 8 in der Schweiz. Der Luzerner Zahntechniker Marco Galli nutzt das DCS-Dental-System seit rund zwei Monaten: «Auch ich gehörte zu denen, die lange skeptisch waren», blickt er zurück, «aber die Resultate sprechen für sich.» Galli hält es für möglich, dass die neue Maschine das Berufsbild des Dentaltechnikers völlig umkrempeln könnte. Er selber spaltet seinen Betrieb auf. Mit der einen Firma baut Galli in Zukunft als industrieller Dienstleister Zahngerüste, mit der anderen konzentriert er sich auf die keramische Beschichtung der Gerüste. «Da ist vor allem Kunsthandwerk gefragt.»
Für Tony Traber ist ein Geschäftsmodell, das die Dentallabors einbindet und ihnen sogar die Gelegenheit gibt, zusätzliche Umsätze zu generieren, Teil des Erfolgsgeheimnisses. «Viele Konkurrenten versuchen, die Dentallabors auszuschalten und Maschinen für die Zahnärzte zu bauen.» Ein falsches Vorgehen, denn zum einen hätten die wenigsten Zahnärzte technisches Flair, zum anderen sei keine Maschine so gut wie ein guter Zahntechniker.
Apropos cleveres Vertriebsmodell: Geld verdient die DCS Dental nicht nur mit den einzelnen Systemen, sondern auch mit dem Support. «Die Maschine läuft aus medizinischen Gründen nur mit den von uns gelieferten Rohlingen. Das sorgt für nachhaltiges Wachstum», freut sich der gelernte Versicherungskaufmann Traber, der das Unternehmen 1988 gegründet hat und jahrelang um jeden Rappen kämpfen musste.

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Fast vier Millionen Franken Umsatz hat die 16 Mitarbeiter zählende DCS Dental im vergangenen Jahr erzielt. Heuer dürften es rund 8 Millionen Franken werden, und für das nächste Jahr rechnet man im schlechtesten Fall mit 15 Millionen. «Sobald aber ein Vertrag mit einem grossen Vertriebspartner steht, wird der Umsatz explodieren», meint Tony Traber und verweist auf den Markt, der allein für Zahnimplantate rund zweieinhalb Milliarden Franken schwer ist.
Unterdessen ordnet Traber die Zulieferkette neu. In Zukunft will er nicht mehr das gesamte Frässystem montieren, sondern nur noch einige wenige Baugruppen. «Das braucht Zeit», weiss Traber, «aber bis in einem halben Jahr sollten wir die Umstellung auf Grossserien geschafft haben.»

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