Abo
«Crazy» Preise

Der Markt für die Royal Oak Mini läuft heiss

Mit der Mini-Version der Royal Oak hat Audemars Piguet einen neuen Bestseller. Sie ist winzige 23 Millimeter klein und häufig mehrfach am gleichen Handgelenk anzutreffen – bei Frauen und Männern.

Marcel Speiser, Ringier AG

Hailey Bieber mit ihrer Royal Oak Mini.
Hailey Bieber mit ihrer Royal Oak Mini.Getty Images for Vogue

Werbung

Eine wichtige strategische Priorität von Ilaria Resta ist es, das Uhrenunternehmen Audemars Piguet breiter aufzustellen. Seit Jahren lebt es von einer einzigen Ikone: der Royal Oak. Klar: Diese Uhr ist noch lange nicht reif für die Rente, sie findet nach wie vor reissenden Absatz. Was aber, wenn die Beliebtheit des Modell aus den frühen 1970er-Jahren nachlassen sollte? Immerhin entfallen laut Schätzungen gegen 90 Prozent der Verkäufe von 2,6 Milliarden Franken von der Royal Oak.
Auf absehbare Zeit allerdings wird Resta eine Verbreiterung nicht gelingen. Denn spätestens seit diesem Sommer ist eine Mini-Version der Royal Oak schlicht überall zu sehen. Sie ist winzige 23 Millimeter klein und häufig mehrfach am gleichen Handgelenk anzutreffen, bei Frauen und Männern.

Preise auf dem Secondhandmarkt: «Crazy»

Wie Benjamin Clymer, der Gründer der Uhrenmagazins «Hodinkee», unter Berufung auf «zuverlässige Quellen» schreibt, ist die Royal Oak Mini seit einiger Zeit «die am häufigsten nachgefragte Uhr in den Boutiquen von Audemars Piguet». Auch der Secondhand-Markt für die aus Gold gefertigte Uhr, die schon beim Hersteller nicht unter 30'000 Franken zu haben ist, spielt völlig verrückt.
Ein Blick auf die grösste Handelsplattform Chrono24 zeigt aktuell Inserate für die Mini mit Preisen zwischen 72'600 Franken und 111'500 Franken. Das ist grösstenteils deutlich mehr als für die ultimative AP-Ikone, die auf die Referenznummer 16202ST hört. Eine hippe AP – mit Quartzwerk! – schlägt in Sachen Nachfrage also den ultimativen Markenklassiker. Dafür hat selbst der meist besonnen schreibende Clymer nur ein Wort: «crazy».

Partner-Inhalte

Die Verrücktheit im Markt dürfte allerdings noch ein Weilchen anhalten. Denn was Celebrities heute vormachen, hallt im Geschäft mit gewöhnlichen Kunden in der Regel noch ein gutes Weilchen nach. Und dürfte im Fall der Mini eher noch an Fahrt aufnehmen. Denn während die Sängerin Rihanna ihre Royal Oak Mini schon kurz nach Lancierung der aktuellen Kollektion im Jahr 2024 mit Stolz ausgeführt hat, legte Kosmetikunternehmerin Hailey Bieber mehrfach nach – zuletzt diesen Sommer während den Ferien auf Mallorca. Und bei den Männern kommt der Mini-Trend – gerne gleich in dreifacher Ausführung, dem ultimativen, sechsstellige Summen kostenden Flex – erst ganz langsam an. Angeführt werden die Herren vom kanadischen Musiksuperstar Drake, aktuell sind die Fussballer dran, zum Beispiel der Brasilianer Vinicius Junior.

Die «Royal Pop» als Gefährtin der Mini

Besonders interessant: Zunehmend tauchen in den Instagram-Feeds der Uhrencommunity Bilder auf, die eine gänzlich unerwartete Kombination der Royal Oak Mini zeigen. Die Uhr ist da am Handgelenk als Gefährtin diverser Armreifen. Besonders beliebt sind dabei die «Love»-Modelle von Cartier, deren Schrauben irgendwie besonders schön zu den Schrauben der Royal-Oak-Lünette zu passen scheinen. Und an der Handtasche hängt dazu die «Royal Pop» von Swatch und AP, also die popkulturelle Erweiterung der ikonischen Seventies-Uhr, die dieses Jahr für Aufsehen gesorgt hat.

Werbung

Über die Autoren
Marcel Speiser, Ringier AG
Marcel Speiser
Marcel Speiser ist Stv. Chefredaktor bei der Handelszeitung und arbeitet seit 1999 im Wirtschaftsjournalismus. Er gilt als Kenner der Uhrenindustrie und der Luxusgüterbranche.

Werbung