Ganz Lausanne steht leer β bildlich gesprochen. So viele Wohnungen wie es in der Westschweizer Metropole gibt, sind schweizweit derzeit unbewohnt. In Zahlen heisst das: 72β000 Wohnungen sind ohne Mieter, was einer Leerstandsquote von 1,6 Prozent entspricht.
Courant normal, kΓΆnnte man meinen. Das jedoch sehen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen bestimmt anders. Denn: Vier von fΓΌnf leeren Wohnungen sind Mietwohnungen, was MietzinsausfΓ€lle in der HΓΆhe von 1 Milliarde Franken verursacht. Das zeigt eine Immobilienstudie der ZΓΌrcher Kantonalbank ZKB.
Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Trotz sinkender Renditen suchen immer mehr Akteure ihr GlΓΌck auf dem Immobilienmarkt. Und unterschΓ€tzen das Leerstandsrisiko.
Drastisch ist das Problem ausfallender Mieten auf dem Land. Dort liegt die Leerwohnungsziffer aktuell bei 3,8 Prozent (siehe Grafik unten) β der Schweizer Durchschnitt fΓΌr leere Mietwohnungen betrΓ€gt 2,3 Prozent. Vergleichsweise entspannt ist die Situation mit 1,8 Prozent in den StΓ€dten. Verschlechtert hat sich hingegen die Quote in kleineren Agglomerationsgemeinden und lΓ€ndlichen Zentren. Sie ist heute fast so hoch wie auf dem Land.
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Wohnungen am falschen Ort
Das Problem: Viele Wohnungen entstehen am falschen Ort. In der Stadt ist Bauland knapp und teuer. Also wird dort weniger gebaut. LΓ€ndliche Gebiete hingegen locken mit gΓΌnstigen Baulandpreisen, weniger Regulierungen und schnelleren Genehmigungsverfahren. Β«Das so forcierte Bauen am falschen Ort brachte die Mietwohnungsleerziffer in diesen Regionen auf einen neuen HΓΆchststandΒ», schreiben die Studien-Autoren.
Die Studie kommt zum Schluss, dass es fast zweieinhalb Jahre dauere, bis alle Mietwohnungen dank des BevΓΆlkerungswachstums belegt wΓ€ren β notabene sofern keine neuen Wohnungen entstΓΌnden. Kritisch ist die Situation fΓΌr Investoren in lΓ€ndlichen Regionen, besonders in den Kantonen Uri, Glarus, Wallis, GraubΓΌnden, Appenzell, Solothurn, Neuenburg und Schaffhausen. Mindestens bei der HΓ€lfte der Gemeinden ist laut Studie zu erwarten, dass sie auch in fΓΌnf Jahren noch signifikante MietwohnungsleerstΓ€nde hΓ€tten.
Wo gibt es Chancen fΓΌr Investoren?
Wo also noch investieren? Die Studie rΓ€t, sich auf stΓ€dtische Regionen mit geringem Leerstandsrisiko zu fokussieren β also eher auf die Zentren Genf, Bern und ZΓΌrich statt auf St. Gallen und Biel mit vergleichsweise hohen Leerstandsquoten. Dennoch gibt es Risiken. Bleibt nΓ€mlich eine Wohnung in ZΓΌrich oder Genf leer, sind die MietzinsausfΓ€lle aufgrund der hΓΆher angesetzten Mietpreisen ungleich hΓΆher. Trotz Wohnungsnot sind die AusfΓ€lle fast so hoch wie in der Stadt St. Gallen, wo ΓΌberdurchschnittlich viele Wohnungen unbelegt sind (siehe Grafik).
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Chancen sehen die Studien-Autoren zudem in Regionen, wo grΓΆssere Infratsrukturprojekte der Wirtschaft und dem BevΓΆlkerungswachstum Schub verleihen kΓΆnnten.
Profitieren dΓΌrfte etwa das Tessin von der Ende 2020 geplanten ErΓΆffnung des Ceneri-Basistunnels: Die Fahrzeit von Bellinzona und Locarno in das wirtschaftliche Zentrum Lugano halbiert sich. Es wird also attraktiver, in Bellinzona zu wohnen und fΓΌr die Arbeit nach Lugano zu pendeln.
Γhnliche Chancen entstehen in Genf, dank der neuen S-Bahnlinie, die Ende 2019 den Genfer Hauptbahnhof Cornavin ΓΌber Eaux-Vives mit dem franzΓΆsischen Annemasse verbindet. Entlang der Haltestellen entstehen auf ehemaligen Industrie- und Gewerbearealen neue Wohnquartiere.
In ZΓΌrich dΓΌrfte der Ausbau des Gubristtunnels und der Nordumfahrung die Stadt entlasten und ab 2025 die Anbindung der Gemeinden im Einzugsgebiet verbessern, was deren AttraktivitΓ€t hebt.