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«Wer das in Frage stellt, ist sturzbetrunken»

Scott McNealy, CEO von Sun Microsystems, über betrunkene Kritiker,Verzettelung und Blindflüge durch die Krise der Branche.

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BILANZ: Scott McNealy, während Jahren war Ihr Unternehmen Sun Microsystems einer der Highflyer der Internetwirtschaft.
Scott McNealy: Das sind wir immer noch!
Ihr Aktienkurs hat seit dem Höchststand 93 Prozent an Wert verloren. Analysten und Presse fragen sich, ob Sun langfristig überhaupt überleben kann. Was bedeutet es für Sie persönlich, vom Strahle- zum Buhmann geworden zu sein?
Ich glaube nicht, dass irgendjemand unsere Überlebensfähigkeit in Frage stellen kann. Wer das tut, weiss nicht, wie man eine Bilanz liest. Wir haben 5,2 Milliarden Dollar auf der hohen Kante, sind seit 32 Quartalen ununterbrochen Cashflow-positiv, wir sind der marktdominierende Hersteller von 64-Bit-Computersystemen, Marktführer bei den Betriebssystemen Unix und Linux, wir sind unter den 50 Unternehmen mit den weltweit grössten Forschungsbudgets. Wer unsere Überlebensfähigkeit in Frage stellt, muss sturzbetrunken sein.
Warum geben Sie nicht Umsatz- und Gewinnaussichten bekannt?
Die Sicht ist zu unklar. Ich lasse die Analysten analysieren und die Investoren investieren und konzentriere mich auf mein Geschäft.
Wie bitte? Wie steuern Sie einen Milliardenkonzern, wenn Sie nichts sehen?
Wir bauen so viel Flexibilität wie möglich in die Organisation. Wir schauen uns die Bestellungen der letzten sechs Stunden an und reagieren darauf. Sechs Stunden später machen wir das Gleiche wieder. Das muss reichen.

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In den letzten Monaten haben eine ganze Reihe Ihrer Topmanager Sie verlassen. Normalerweise ist das ein Alarmzeichen.
Keiner von denen, die gegangen sind, arbeitet bei der Konkurrenz. Einer ist bei uns im Verwaltungsrat. Die anderen arbeiten alle noch auf die eine oder andere Art hier. Keiner ist im Bösen gegangen – sie wollten ihre Arbeitszeit reduzieren. Die Gelegenheit habe ich genutzt, um zwei komplette Hierarchiestufen zu eliminieren. Das war geplant. Das Topmanagement ist durchschnittlich 10,5 Jahre dabei.
Sun leidet darunter, dass 70 Prozent der Kunden aus der gebeutelten Telekom- und Finanzindustrie kommen. Was tun Sie gegen dieses Klumpenrisiko?
Auch der Ausbildungs- und Gouvernementsmarkt ist gross. Der Industriebereich wächst wie verrückt. Handel ist ein grosser neuer Markt für uns. Gerade der Sicherheitsbereich hat nach dem 11. September und im Vorfeld der Auseinandersetzungen mit dem Irak angezogen. Es gibt sehr wenige Märkte, in denen wir nicht vertreten sind. Wir sind viel diversifizierter, als es aussieht.
Als eines der letzten Computerunternehmen entwickeln Sie heute noch sowohl Software als auch Hardware und dazu noch eigene Prozessoren. Wie lange können Sie sich das noch leisten?

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Es ist lustig, dass die Leute immer fragen, warum wir die Chips selbst entwickeln. Wir verdienen Geld damit. Ist das nicht faszinierend? Das ist, wie wenn General Motors 70 Prozent Marktanteil bei Autos hätte und jeder sie fragen würde: Verzetteln Sie sich nicht?
Ihre Programmiersprache Java hat das Internet revolutioniert. Dennoch haben Sie damit nie Geld verdient.
Alles, was wir tun, bringt uns Geld. Aber können Sie mit Englisch Geld verdienen?
Als Journalist: ja.
Nein, Sie verdienen kein Geld mit Englisch. Sie verdienen Geld, indem Sie etwas auf Englisch machen. Java ist eine Sprache. Und eine offene Plattform – damit verdienen wir kein Geld. Wir verdienen Geld, indem wir auf Java basierte Produkte anbieten. Microsoft ist da anders. Die wollen mit Windows und Dotnet die Sprache besitzen, das Alphabet, die Wörter, die Syntax, die Grammatik – und damit Geld verdienen.

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