Weingut Carl Loewen: Terroir-Rieslinge von der Mosel
Dank naturgerechtem Anbau und schonender Vinifikation gelingt es dem Leiwener Winzer Karl-Josef Loewen, filigrane Weine zu erzeugen, die das enorme Potenzial zum Ausdruck bringen, das in der Rieslingt
Rudolf Trefzer
Zu oft unterschΓ€tzt: Ein Viertel des Rieslingbestandes in Deutschlands steht in oft atemberaubenden Steillagen entlang der Mosel RMS
Die Rieslingrebe gehΓΆrt zu den bedeutendsten und bis heute am meisten unterschΓ€tzten Traubensorten der Welt. Dabei sind sich Kenner einig, dass die weisse VorzeigevarietΓ€t Deutschlands mit ihren langlebigen und terroirgeprΓ€gten Weinen alle Charakteristiken aufweist, die ihre Weine gross und einzigartig machen. Ein Viertel des Rieslingbestandes in Deutschlands steht in oft atemberaubenden Steillagen an der Mosel, die mit den NebenflΓΌssen Saar und Ruwer nicht nur zu den Γ€ltesten, sondern auch zu den bekanntesten Weinbaugebieten Europas zΓ€hlt.
Das Spiegelbild des Burgunds
Β«Die Mosel ist in mancherlei Hinsicht das Spiegelbild des Burgunds im WeissweinbereichΒ», sagt Karl-Josef Loewen vom Weingut Carl Loewen in Leiwen an der Mittelmosel. Β«Wie im Burgund kann man auch an der Mosel eine Vielzahl von Einzellagen unterscheiden, die den aromatischen und geschmacklichen Charakter der Weine prΓ€genΒ», kommentiert Loewen. Β«Da der Weinberg den Wein macht, beschrΓ€nkt sich meine Aufgabe als Winzer darauf, fΓΌr die Reben jene Bedingungen zu schaffen, die es ihnen ermΓΆglichen, den Einfluss des Terroirs in den Trauben optimal zum Ausdruck zu bringen.Β» Dieses Ziel verfolgt Loewen nun schon seit ΓΌber 30 Jahren. Nachdem er mehrere Jahre den 3-Hektaren-Betrieb seines Vaters gefΓΌhrt hatte, ΓΌbernahm er ihn 1985 und erweiterte ihn sukzessive auf die heutigen 12 Hektaren. Dazu gehΓΆren auch vier 1. Lagen wie die Leiwener Laurentiuslay, die ThΓΆrnicher Ritsch, die Detzemer Maximiner Klosterlay und der Longuicher Maximiner Herrenberg. Das Terroir der beiden erstgenannten Lagen ist von Grauschiefer geprΓ€gt, der einen hohen Feinerdeanteil aufweist und der gehaltvolle, extraktreiche Weine mit einem reichhaltigen Aromenspektrum hervorbringt. Im steinigeren Boden der Klosterlay dominiert dagegen der hΓ€rtere Blauschiefer, der den Weinen eine solide, mineralische Struktur und ein von ZitrusfrΓΌchten geprΓ€gtes Aromenprofil verleiht. FΓΌr die Lage Herrenberg schliesslich ist der eisenhaltige Rotschiefer-Boden charakteristisch. Β«Auf unserer Parzelle stehen noch die 1896 gepflanzten, wurzelechten RebenΒ», sagt Loewen nicht ohne Stolz.
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Karge DΓΌngung mΓΌss genΓΌgen
Um die TerroirprΓ€gung der Weine zu fΓΆrdern und die ErtrΓ€ge auf natΓΌrliche Weise zu regulieren, dΓΌngt Loewen die BΓΆden nur minimal mit organischen NΓ€hrstoffen. Β«Durch die karge DΓΌngung gelingt es uns auf natΓΌrliche Weise, die ErtrΓ€ge auf niedrigem Niveau zu halten, und gleichzeitig erhalten wir β wie gewΓΌnscht β kleinbeerige, aromenreiche TraubenΒ», erklΓ€rt Loewen. Β«Eine Ertragsregulierung durch AusdΓΌnnen lehne ich ab, denn dadurch erhΓ€lt man im Allgemeinen grosse Traubenbeeren und β wenn der Ertrag zu gering ist β fette, unharmonische Weine.Β»
Im Keller versteht sich Loewen nicht als Winemaker, sondern als diskreter Entwicklungshelfer seiner GewΓ€chse, der nur dann behutsam interveniert, wenn er es fΓΌr nΓΆtig hΓ€lt. Die Weine werden spontan und langsam vergoren und lagern bis zur AbfΓΌllung auf den Hefen. Β«Wein zu keltern, ist im Grund genommen eine einfache SacheΒ», kommentiert Loewen beim Rundgang durch den Fasskeller, wo in den klassischen 1000-Liter-Fudern die Lagenweine reifen. Β«Aber gleichzeitig ist es auch eine enorm komplexe Angelegenheit, bei der zahlreiche sich gegenseitig beeinflussende Faktoren im Spiel sind. Dank des Fachwissens, der Erfahrung und der Bereitschaft, laufend dazuzulernen, gelingt es einem als Winzer, sich in diesem System zurechtzufinden.Β»
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Neben den grossartigen Lagenweinen bringt wohl der trockene Riesling Varidor das beharrliche QualitΓ€tsstreben von Loewen eindrΓΌcklich zum Ausdruck. Er wird aus Trauben von Reben gekeltert, die Loewen in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Trier in bis zu 100 Jahre alten Weinbergen selektioniert hat. Mit dem Pflanzgut dieser RebstΓΆcke, die sich dadurch auszeichnen, dass sie im Herbst vollreife, goldgelbe Beeren hervorbringen, bestockte Loewen diverse Parzellen neu. Loewen: Β«Der Varidor zeichnet sich durch das Ertragsniveau und die Aromenvielfalt aus, den ein Riesling Anfang des 20. Jahrhunderts hatte.Β»
Eine Klasse fΓΌr sich sind die Lagenweine, die sich allesamt durch beeindruckenden Finessenreichtum, Eleganz und Stoffigkeit auszeichnen und die β wie die Verkostung Γ€lterer JahrgΓ€nge zeigt β ΓΌber ein beachtliches Alterungspotenzial verfΓΌgen. Das sind Weine, die enormen Trinkspass bereiten und die man sich selber gerne in den Keller legt.
In der Schweiz sind die Weine bei Riesling & Co. (www.rieslingco.ch) erhΓ€ltlich. Die Weine kΓΆnnen aber auch direkt ab Gut gekauft werden: Weingut Carl Loewen, Karl-Josef Loewen, Matthiasstrasse 30, Leiwen/Mosel. www.weingut-loewen.de
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Sechs ausgewΓ€hlte Rieslingweine
Varidor Riesling trocken 2010Frisch-fruchtige Nase mit Aromen von reifen Γpfeln und ZitrusfrΓΌchten. Eleganter, prΓ€senter KΓΆrper, nuancenreiche Aromatik, feine Cremigkeit, harmonische SΓ€ure, langer, mineralischer Abgang (16 Franken).
Laurentiuslay, Riesling 1. Lage, Alte Reben (trocken) 2010Ausdrucksvolle, aromatische Nase mit mineralischen AnklΓ€ngen. Mittelgewichtig-eleganter KΓΆrper, facettenreiche fruchtig-mineralische Aromatik, harmonische SΓ€ure, sehr langer Abgang (25 Franken).
Riesling Alte Reben trocken 2010KrΓ€ftiges Bouquet, Aromen von ZitrusfrΓΌchten und Γpfeln und floralen Noten. Im Gaumen facettenreiche Fruchtaromatik, saftige SΓ€ure, langes, vielschichtiges Finale (17.50 Franken).
Herrenberg Β«1896Β», Riesling 1. Lage, Alte Reben trocken 2010Reichhaltiges Bouquet mit Apfelaromen und floralen AnklΓ€ngen. Im Gaumen stoffig-elegant, extraktreich, vielschichtige Fruchtaromatik mit mineralischen Noten, harmonisch integrierte SΓ€ure, sehr langes Finale (29.50 Franken).
Ritsch, Riesling 1. Lage, Grosses GewΓ€chs (trocken) 2010TiefgrΓΌndige Nase mit Aromen von ZitrusfrΓΌchten, Γpfeln und Pfirsich. Kompakter KΓΆrper, reichhaltige Aromenpalette mit schΓΆner KrΓ€uternote, saftige SΓ€ure, sehr langer Nachhall (33 Franken).
Ritsch, Riesling 1. Lage, Auslese 2010Komplexes, frisch-fruchtiges Bouquet mit Aromen von Γpfeln, Pfirsich und WiesenkrΓ€utern. Im Gaumen gute FΓΌlle, facettenreiche Aromatik mit AnklΓ€ngen von Ananas und rosa Grapefruit, schΓΆnes SΓΌsse-SΓ€ure-Spiel, sehr lang (30 Franken).