Amerikas Hauptstadt hat weder den Ruf, besonders schön zu sein, noch sympathisch oder lässig. Seit Obama regiert, ist Washington jedoch beliebter denn je.
Wenn sich 2009 eine Metropole ins Bewusstsein der Weltbevölkerung spedieren konnte, dann ist es Washington. Jahrzehntelang wurde die Stadt von Intellektuellen belächelt: Unter dem grandiosen globalen Gehabe schlage das Herz eines Provinznests.
Doch seit diesem Jahr ist es vorbei mit dem Prangerdasein. Die Magie Obamas wirkt. Bestsellerautor Dan Brown jagt in seinem neusten Roman, «Das verlorene Symbol», seine Protagonisten durch die amerikanische Hauptstadt. Zudem hält Washington auch in der Wirtschaftskrise die Spitze unter den US-Städten nach Bildungsgrad, Einkommen sowie Hauspreisstabilität und liegt bei der Beschäftigungsquote auf Platz zwei. Was der Kapitale immer fehlte, waren die egomanische Verrücktheit New Yorks, die Parks von San Francisco oder die Stars von Los Angeles: alles, was anzieht, ansteckt, Trends setzt.
Nun gilt es als cool, für den coolen Präsidenten zu arbeiten. Plötzlich sind Politik und Bundesbeamtenmacht sexy. Die Anziehungskraft der Kapitale verdankt sich jedoch nicht allein dem jungen Präsidentenglück, sondern dem Unglück der anderen – dem Siechtum der Banken und Industrien, die in Washington nicht mehr das Problem, sondern die letzte Hoffnung sehen.
Fleiss und Arbeit mögen das Lebensgefühl der Stadt prägen, doch es gibt sie, die Oasen des guten Lebens in Downtown DC. Das Willard InterContinental etwa, das eine Hauptrolle im gesellschaftlichen Leben Washingtons spielt und seit 1853 jeden US-Präsidenten beherbergte. Auch im Sofitel Washington DC Lafayette Square, einem frisch aufpolierten, direkt beim Weissen Haus gelegenen Grandhotel typisch amerikanischen Zuschnitts, bleibt man gerne länger als eine Nacht. Wer es gerne überschaubarer und origineller mag, liegt im Hotel Monaco richtig. Es überzeugt mit gut gelaunter Gastlichkeit, lässiger Brasserie und kostenlosem Wi-Fi in den Zimmern. Etwas günstiger ist das charmant in die Jahre gekommene Hotel Washington mit wunderbarer Dachterrasse.
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Fast jedes zweite Restaurant setzt auf Seafood, zu den stimmigsten zählen das DC Coast und der Oceanaire Seafood Room. Die einschlägigen Lokale zum Sehen und Gesehenwerden sind die Edel-Steak-Houses The Palm und Charlie Palmer Steak. Unprätentiös ist das täglich von morgens um halb acht bis ein Uhr nachts geöffnete Buchhandlungs-Restaurant-Café Kramerbooks & Afterwords, das Kultstatus unter europäischen Expats geniesst.
Den authentischen Politgroove erlebt man im Old Ebbitt Grill oder im Hawk’n’Dove, den höchsten Nightlife-Faktor in der Eighteenth Street Lounge. Dass die Hauptstadt gar nicht so provinziell ist, beweist auch der Blues Alley Club, den die «New York Times» zum besten Jazzclub der USA erhoben hat.