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Verfrüht

Warum Trump für Clinton noch gefährlich werden kann

Nach der Aufgabe von Ted Cruz sehen nicht wenige Anhänger von Hillary Clinton ihre Kandidatin schon im Weissen Haus. Doch Donald Trump zu unterschätzen wäre ein Fehler. Das zeigen auch harte Zahlen.

Gabriel Knupfer

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Donald Trump: Der Wahnsinn hat System beim Immobilienmogul. Keystone RMS

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Die Aufgabe von Ted Cruz lässt die Demokraten jubeln. Nachdem der letzte ernsthafte Herausforderer von Donald Trump das Handtuch geworfen hat, steht einer Nominierung des Immobilienmoguls zum offiziellen Kandidaten der Republikaner nur noch der aussichtslose Hinterbänkler John Kasich im Weg.

Nicht wenige Anhänger von Hillary Clinton sehen nun ihre Kandidatin – die voraussichtliche Vertreterin der Demokraten – schon fast im Weissen Haus. Trump werde die Republikaner nicht zum Sieg, sondern ins Verderben führen, so die Hoffnung. «Donald Trump repräsentiert die modernen Republikaner seit 2010 und dem Start der Tea Party», sagt Guy Cecil, Stratege eines Hillary Clinton Super-PAC.

Immer unterschätzt

«Die Republikaner von Trump machen Latinos und Afroamerikaner zu Sündenböcken, setzen Frauen herab, drängen die LGBT-Bewegung an den Rand, umgeben sich mit Klimaleugnern und tun nichts für die Löhne von denen, die schon zu lange auf eine Rückkehr des amerikanischen Traums warten», so Cecil laut dem Portal Politico. Das die ausgrenzende Politik der Republikaner im Herbst zum Erfolg führen könne, sei kaum vorstellbar.

Tatsächlich sehen Umfragen sowohl Hillary Clinton als auch Bernie Sanders für November im Vorteil. Donald Trump deshalb schon abzuschreiben, wäre dennoch voreilig. Einerseits wurde der Milliardär auch von seinen parteiinternen Gegnern lange unterschätzt, mit bekannten Folgen. Und andererseits gibt es durchaus auch harte Zahlen, die die Demokraten hellhörig machen sollten.

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Rekord in Reichweite

Die Beteiligung an den Vorwahlen 2016 kommt dem Rekord von 2008 äusserst nahe. Anders als vor einigen Jahren ist das diesmal vor allem dem harten Kampf bei den Republikanern zu verdanken. Die Wahlbeteiligung von 17,3 Prozent der Stimmberechtigten in den ersten zwölf republikanischen Vorwahlen des Jahres ist die höchste seit mindestens 1980. Das zeigt eine Erhebung des Pew Research Center.

Zwar vermochte auch das Rennen zwischen Bernie Sanders und Hillary Clinton erstaunlich stark zu mobilisieren. Die 11,7 Prozent wurden mit Ausnahme von 2008 letztmals 1992 übertroffen. Doch vom riesigen Interesse der republikanischen Basis ist man meilenweit entfernt.

Obama sorgte für Vorwahlrekord

2008 hatte der Vorwahl-Zweikampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton bei den Demokraten für einen Allzeitrekord (19,5 Prozent Beteiligung) gesorgt. Sieger Obama nahm den Schwung danach in die Hauptwahl mit und schlug den Republikaner John McCain deutlich. Und acht Jahre zuvor hatte sich George W. Bush in einem harten Vorwahlkampf gegen McCain durchgesetzt und anschliessend den demokratischen Favoriten Al Gore bezwungen.

Die letzten drei Präsidenten – Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama – hatten jeweils in den Vorwahlen stärker mobilisiert, als ihre späteren Gegner in der Hauptwahl. Auch wenn sich daraus natürlich keine Regel ableiten lässt, ist eines klar: Donald Trump bewegt die Leute stark. Und während seine Politik viele abstossen mag, so werden seine Anhänger umso stärker angespornt.

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Clinton muss aufpassen

Donald Trump motiviert und mobilisiert Menschen, die sonst nicht an Wahlen teilnehmen. Und er spricht die Sprache der «einfachen Leute». Zudem zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Milliardär rhetorisch in die Mitte rücken wird, weil ihm der rechte Rand ohnehin schon sicher ist. Hillary Clinton täte deshalb gut daran, ihre Überzeugungen und Pläne in den Vordergrund zu stellen – und sich nicht auf der Rolle als Trump-Verhindererin auszuruhen.
In den USA sind die Vorwahlen in vollem Gange: Das Teilnehmerfeld der möglichen Kandidaten hat sich bereits deutlich gelichtet. Bei den Demokraten kämpfen noch Hillary Clinton und Bernie Sanders um die Nominierung, bei den Republikanern scheint Donald Trump als Kandidat gesetzt, nachdem sich alle übrigen Anwärter zurückgezogen haben. Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus:
Mitte Juni stehen die letzten Vorwahlen an, danach folgt die nächste Etappe.Offiziell auf ihre Kandidaten festlegen werden sich die Parteien an ihren Parteitagen. Stehen die jeweiligen Präsidentschaftsanwärter schon vorher fest, verkommen die Parteitage zu blossen Show-Veranstaltungen.Parteitag der Republikaner – 18. bis 21. Juli in Cleveland, Ohio
Parteitag der Demokraten – 25. bis 28. Juli in Philadelphia, PennsylvaniaHier bestimmen die Demokraten die möglichen Nachfolger von Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden.
Erste Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten – 26. SeptemberZum ersten Mal stehen sich die Kandidaten der beiden Parteien in Dayton, Ohio gegenüber. Zwei weitere Fernsehdebatten finden im Oktober in St. Louis, Missouri und Las Vegas, Nevada an.
Fernsehdebatte der Kandidaten um die Vize-Präsidentschaft – 4. OktoberAuch die beiden möglichen Vizepräsidenten müssen sich den Fragen eines TV-Moderators stellen.
Wahltag – 8. NovemberAnfang November wird schliesslich der nächste Präsident der USA gewählt. Gleichzeitig wird das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu bestimmt.
Vereidigung des neuen US-Präsidenten – 20. Januar 2017Anfang 2017 wird der Sieger oder die Siegerin der Wahlen vereidigt und tritt damit als 45. Präsident die Nachfolge von Barack Obama im Weissen Haus an.Bilder: Keystone / Quelle: Reuters
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Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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