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Innovation

Warum Tag Heuer und Co. die Smartwatch brauchen

Noch ist die Smartwatch keine Gefahr für die Schweizer Uhrenindustrie. Doch an der Baselworld setzen einige Luxusmarken trotzdem auf die Computeruhren. Und das mit gutem Grund.

Gabriel Knupfer

Vom 17. bis 24. März steigt die Baselworld 2016.
Mehr als 1500 Aussteller aus 40 Ländern stellen in Basel auf einer Fläche von ...
... 141'000 Quadratmetern ihre Produkte vor.Baselworld
Alles, was in der Branche Rang und Namen hat, kommt für eine Woche ans Rheinknie.
Dazu gehören auch die Uhrmacher selbst, die ihr Handwerk der Fachwelt präsentieren können, hier bei Blancpain.
Dabei geht es nicht immer ganz jugendfrei zu und her.
Fertig sehen die erotischen Unikate dann etwa so aus, wie die Uhr rechts.
Das Messezentrum in Basel ist selbst bereits eine Attraktion, im Innern aber werben Glitzer und Glamour um die Gunst der Besucher.
Thema sind Uhren und Schmuck – wie hier beim Edeljuwelier Graff...Baselworld
... oder bei Jacob & Co.
Kleine Schmuckhändler haben an der Messe ebenso ihren Platz, wie...
... grosse Player à la Raymond Weil, die mit den Beatles werben.
Viele Modelle – hier: Dior – verbinden den Uhren- und Schmuckaspekt der Messe gleich miteinander.Baselworld
So etwa auch Swarovski.
Doch auch die Baselworld ist im digitalen Zeitalter angekommen: Neben Uhren und Schmuck wird dem technischen Fortschritt in Form von Virtual-Reality-Brillen (Tag-Heuer-Stand) Platz eingeräumt.
Eröffnet hat die Baselworld Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Hier mit Swatch-Chef Nicolas Hayek.
Für die sieben Tage in Basel holt die Branche alles hervor, was sie zu bieten hat.
Die Kosten für die Messestände gehen in die Millionen.
Der Druck etwas besonderes bieten zu können ist gross. Spezielles hat sich die Uhrenmanufaktur Zenith einfallen lassen. Interessierte können sich an ihrem Stand die Haare schneiden zu lassen.
Bei anderen Uhrenanbietern dreht sich alles um ihre Produkte.Baselworld
Grosser Andrang herrscht schon am Pressetag vor der offiziellen Eröffnung. Obwohl die Nachfrage im Luxus-Markt China zuletzt gewaltig schwächelte, verspricht sich die Industrie nach wie vor viel von Asien.
Am Tag darauf kann auch das breite Publikum die Neuheiten bestaunen.
Auch ausländische Besucher kommen voll auf ihre Kosten und können sich mit einem Bernhardiner ablichten lassen.
Tag Heuer setzt auf die Connected Watch: Bis 2017 seien 200'000 Connected Watches geplant, 20'000 seien bereits abgesetzt. Die nächste Tranche mit 60'000 Stück folge im April.
In Basel treffen sich die wichtigen Personen der Uhrenbranche. So präsentiert etwa Jean-Claude Biver, Uhrenchef beim Luxuskonzern LVMH,...
... die neusten Stücke von Hublot.
Frédérique Constant aus Genf punktet mit einer Smartwatch im Kleid einer Luxusuhr.
Auch Certina hat neue Modelle zu bieten.
Esoterisches bei Blancpain...
... und Filigranes bei Jaquet-Droz.
Nicht alle Aussteller sind bekannt. Oder haben Sie schon jemals von Vostock Europe gehört?
Bahnhofsuhrmacher Mondaine zeigt nicht nur eine neue Uhr, sondern zur Eröffnung des Gotthardtunnels auch eine Lok im Markenkleid.
Doch der Fokus gehört natürlich den Grossen wie Swarovski.
Bucherer und andere Stars in Halle 1.
Der gewaltige TAG-Heuer-Stand in der prestigeträchtigen Halle 1 unterstreicht sowohl die Bedeutung der Messe als auch die der Marke.
Bilder: Keystone/Gabriel Knupfer
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Die Baselworld 2016 steht im Zeichen der Frankenstärke und der schwächeren globalen Wirtschaft. Doch während die ganze Branche 2015 einen Umsatzschwund hinnehmen musste und auch in diesem Jahr keine grosse Besserung in Sicht scheint, geben sich die einzelnen Marken an der internationalen Uhren- und Schmuckmesse optimistisch.
Star der Baselworld 2016 könnte Tag Heuer werden. Mit Tag Heuer Connected gelang es dem LVMH-Konzern ins Segment der Smartwatches vorzudringen. Das ist wichtig: Denn obwohl Computeruhren bisher nur das unterste Preissegment der Schweizer Hersteller tangieren, steckt in ihnen doch ein gewaltiges Entwicklungspotenzial für die Zukunft.

Schweizer Luxusuhren überholt

Nach Stückzahlen haben Smartwatches 2015 erstmals den Absatz der Schweizer Uhren-Industrie überholt, berechneten Marktforscher kürzlich. Es sei gut möglich, dass intelligente Uhren in zehn Jahren auch bei Tag Heuer 50 Prozent oder mehr der Verkäufe ausmachen werden, sagte heute CEO Jean-Claude Biver an der Baselworld.
Vom Erfolg der Connected sei man jedenfalls regelrecht überfahren worden. Die 20'000 produzierten Exemplare wurden in nur vier Monaten verkauft. Um die Nachfrage zu befriedigen, müssen in diesem Jahr laut Biver 60'000 weitere Computeruhren hergestellt werden. 2017 sollen dann sogar 200'000 Smartwatches von Tag Heuer verkauft werden.

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«Einstieg in die Marke»

«Wir glauben an das Produkt, den Markt und die Technologie», so Biver an der Pressekonferenz. Der Absatz von traditionellen Uhren werde dadurch nicht kannibalisiert, erklärte Biver, im Gegenteil: «Die Connected ist für junge Leute ein Einstieg in die Marke, Smartwatch und klassische Uhr promoten sich gegenseitig.»
Das Problem der schnelllebigen Technologie hat Tag Heuer auf ziemlich clevere Art gelöst. Schliesslich ist es nicht jedermanns Sache, 1400 Franken für eine Smartwatch der ersten Generation zu bezahlen, die sicherlich bald überholt sein wird. Ist die Uhr veraltet, kann sie frühestens nach zwei Jahren für weitere 1400 Franken in eine normale Tag Heuer umgewandelt werden. Die Firma rechnet damit, dass etwa zehn Prozent der Kunden das Angebot einlösen werden.

Frédérique Constant wächst mit Smartwatch

Auch das Genfer Unternehmen Frédérique Constant ist laut Bilanz-Marken-Lexikon zuletzt um zehn Prozent gewachsen – und dies in einem insgesamt rückläufigen Markt. Für CEO Peter Stas liegt der Grund für diese Zunahme vor allem an der Smartwatch, die ab etwa 1000 Franken zu haben ist.
16'000 Stück hat man nach eigenen Angaben von der «Horological Smartwatch» verkauft. Auch Frédérique Constant setzt damit auf «erschwinglichen Luxus». Der Preis liegt zwar klar über der Apple Watch, die in der Schweiz je nach Ausstattung mindestens 400 Franken kostet, doch weit unter dem üblichen Preis für eine Schweizer Luxusuhr.

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«Davon wird die ganze Industrie profitieren»

Um zu sehen, ob die heutigen Smartwatch-Käufer tatsächlich auch die Luxusuhren von morgen kaufen werden, müssen noch einige Jahre ins Land gehen. Doch für viele Beobachter ist klar, dass die Hersteller mit der Zeit gehen müssen. «Davon wird die ganze Industrie profitieren», zeigt sich auch Biver überzeugt.
Denn auch wenn Smartwatches noch keine Gefahr für das Kerngeschäft der Uhrenhersteller sind – dazu sind sie einfach zu billig und schnelllebig – so weiss heute noch niemand, wie die Sache in einigen Jahren aussehen wird. Selbst Smartwatch-Skeptiker wie François Thiébaud, Konzernchef der Swatch-Marken Tissot, Certina und Mido sagte kürzlich: «Viele junge Leute interessieren sich für sie, aber später werden sie eine Schweizer Uhr haben wollen».

1500 Aussteller aus 40 Ländern

Die Baselworld findet 2016 vom 17. bis zum 24. März statt. Mehr als 1500 Aussteller aus 40 Ländern sind in diesem Jahr ans Rheinknie gekommen. Auf über 140'000 Quadratmetern versammelt sich alles, was in der Schmuck- und Uhrenbranche Rang und Namen hat.
Besonders im Rampenlicht stehen die Schweizer Luxusmarken der Uhrenkonzerne Swatch und LVMH, welche die grössten und prunkvollsten Stände in der prestigeträchtigen Halle 1 belegen.

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Die Baselworld ist im digitalen Zeitalter angekommen:
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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