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Geschichte

Warum der Dalai Lama eine Schweizer Luxusuhr hat

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter besitzt eine wertvolle Taschenuhr von Patek Philippe. Geschenkt wurde sie ihm vor über 70 Jahren von einem Protagonisten des Zweiten Weltkrieges.

Gabriel Knupfer

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Der Dalai Lama und seine Taschenuhr: Geschichte wie aus einem Agentenroman. Patrick Leahy RMS

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Lange Zeit war die wertvolle Taschenuhr des Dalai Lamas nur wenigen Eingeweihten bekannt. Erst im vergangenen Sommer tauchten erstmals scharfe Fotos der Uhr auf, als der US-Senator Patrick Leahy Bilder auf Facebook postete (siehe oben). Bis dahin hatte die tibetische Exilregierung Anfragen von Journalisten zur Uhr, von der man schon lange wusste, konsequent abgelehnt. Sie fürchtete vermutlich, dass die chinesische Propaganda das Thema ausschlachten könnte.
Die Uhr hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Dalai Lama bekam die Patek Philippe 1943 als kleiner Junge von Franklin Delano Roosevelt geschenkt. Der amerikanische Präsident schickte während des Zweiten Weltkrieges zwei Abgesandte nach Tibet, um die Möglichkeiten einer Strassenverbindung zwischen Indien und China auszuloten. Diese sollte den Nachschub der chinesischen Truppen im Kampf gegen die Japaner sichern.

Mehrfach in die Schweiz zurückgekehrt

Wie die Uhr dem jungen Dalai Lama überreicht wurde, erzählt der Autor Thomas Laird in seinem Buch über das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Die Agenten, einer von ihnen war der Enkel des russischen Nationalschriftstellers Leo Tolstoi, hätten dem Dalai Lama die Uhr schweigend mit einem Brief des Präsidenten übergeben. Der Dalai Lama, der damals sieben oder acht Jahre alt war, gab ihnen dafür einen traditionellen Begrüssungsschal («Khata»).

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Die Patek Philippe musste in den letzten 70 Jahren mehrmals repariert werden. So war die Uhr beispielsweise 1959 für Reparaturen in der Schweiz, als der Dalai Lama von Lhasa nach Indien ins Exil ging. Obwohl der Dalai Lama nach eigenen Angaben ein gewisses Talent für Uhrenreparaturen hat, überliess er die Patek Philippe wohlweislich den Genfer Profis.

15 Exemplare produziert

Auf den Fotos des Senators hat Eric Wind vom Uhrenmagazin «Hodinkee» die Patek Philippe als Referenz 658 identifiziert. Vom seltenen Stück wurden zwischen 1937 und Ende der 1950er Jahre nur etwa 15 Exemplare produziert. Sie trägt die ältere Signatur «PATEK, PHILIPPE & Co.» anstelle der neuen Inschrift «PATEK PHILIPPE.».
Der Wert der Uhr ist schwer abschätzbar. Beim Auktionshaus Christie's erzielte eine neuere Version der Referenz 658 im Jahr 2010 etwa 350'000 Franken. Andere Exemplare kamen in den letzten Jahren für rund 250'000 Franken unter den Hammer.

Enormer Sammlerwert

Eric Wind schätzt die Uhr des Dalai Lamas, die deutliche Gebrauchsspuren aufweist, auf 150'000 bis 250'000 Dollar. Bedenke man jedoch die Herkunft und Geschichte der Patek Philippe läge der Preis wohl weit höher, so der Experte.
Die Uhren der Mächtigen dieser Welt:

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Das sind die Uhren der mächtigen Politiker: US-Präsident Donald Trump  bekam zur Amtseinführung eine Uhr der Schweizer Marke Vulcain. Die Tradition gilt seit Harry Truman für alle US-Präsidenten. Ob er die Vulcain Cricket auch tragen wird, ist aber noch offen. Der Milliardär besitzt zahlreiche weitere Luxusuhren.
Der damalige US-Präsident Barack Obama geht – was die Uhr betrifft – fremd. Er wurde schon mit vielen Modellen gesehen. In den letzten Jahren trug Obama meistens eine Smartwatch von Fitbit für rund 250 Dollar.
Noch bescheidener ist die mächtigste Frau der Welt. Angela Merkel trägt eine Uhr der deutschen Lifestyle-Marke Boccia. Die Boccia Titanium gibt es für 89 Euro zu kaufen.
Kein Prasser ist auch der griechische Premier Alexis Tsipras. Seine Gc Watch hat ein Schweizer Uhrwerk und gleicht äusserlich einer Omega, ist aber für einige hundert Franken zu haben.
Präsident von Venezuela: Nicolas Maduro
Wladimir Putin soll einen Uhrensammlung im Wert von mehreren hunderttausend Franken besitzen. Die Stücke stammen von Patek Philippe, Breguet oder wie hier auf dem Bild von Blancpain. Dafür musste sich der Präsident mit einem offiziellen Jahreslohn von rund 150'000 Franken schon kritische Fragen anhören.
Auch der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte gibt sich gern als Mann des Volkes. Seine Uhrensammlung spricht indes eine andere Sprache. Zu seiner Sammlung gehören die Luxusuhr links, wahrscheinlich von Jaeger-LeCoultre, sowie die Pilotenuhr von IWC (r.).
Israels Benjamin Netanjahu hat einen klare Linie – auch was die Armbanduhr betrifft. Die zwei Luminor-Modelle von Panerai sehen beide sehr ähnlich aus.
Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist in der Heimat unter anderem wegen seiner Verschwendungssucht unter Beschuss. Die Ulysse Nardin hilft sicher nicht den Ruf loszuwerden.
Eher politisch motiviert ist die Wahl von Japans Premier Shinzo Abe. Er trägt immer Modelle der japanischen Firma Seiko.
Die Jahre in der Schweiz haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geprägt. Kein Wunder trägt er eine Schweizer Uhr. Überraschend ist indes die Wahl der billigen Movado, die er auf vielen Fotos trägt. Die Movado Moderna kostet nur rund 400 Franken.
Die Identifizierung der Politikeruhren ist nicht immer leicht. Die Armbanduhr von Chinas Präsident Xi Jinping ist beispielsweise nur auf sehr wenigen Fotos zu sehen und deshalb kaum zu bestimmen. Ausserdem besteht immer die Möglichkeit, dass es sich um Fälschungen oder billige Lookalikes handelt, solange die Politiker nicht selbst offenlegen, welche Uhr sie tragen. (Disclaimer: Diese Bildergalerie entstand Ende 2016, aktualisiert: 5. Februar 2018.)
Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, ist im Besitz einer teuren Uhr: Er trägt eine Longines Dolce Vita.
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RMS
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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