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Vorurteile: Ein Hindernis im Berufsleben

Unbewusste Vorurteile beeinflussen unsere Entscheidungen mehr, als uns lieb ist. Sie hindern uns im Berufsleben manchmal daran, die besten Talente zu erkennen. Warum ist das so, und was kรถnnen wir dagegen tun?

Gudrun Sander

Bewerbung
ยซUNCONSCIOUS BIASESยป:ย Damit sie uns weniger in die Quere kommen, mรผssen wir sie uns bewusst machen. Getty Images

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Als Fรผhrungskrรคfte mรผssen wir in unserem Berufsleben viele Personalentscheidungen treffen. Die meisten von uns sind รผberzeugt, dass wir diese rational und fair treffen.
Die wenigsten von uns sind sich bewusst, dass sogenannte ยซUnconscious Biasesยป (unbewusste Vorurteile) unsere Entscheidungen mehr beeinflussen, als uns lieb ist. Sie hindern uns manchmal daran, die besten Talente zu erkennen.
Denn wir alle haben Bilder im Kopf รผber Frauen, Mรคnner, ร„ltere, Jรผngere, verschiedene Kulturen, Berufe, Funktionen und so weiter. Das hat damit zu tun, was wir unbewusst als ยซnormalยป wahrnehmen.
Und dies hat wiederum damit zu tun, wen wir in welchen Jobs, Rollen und Aufgaben รผblicherweise sehen, also Frauen, die sich um Kinder kรผmmern, Mรคnner in Fรผhrungsfunktionen oder bestimmte Auslรคnder in bestimmten Jobs.
Bewirbt sich dann eine andere Person als รผblich fรผr eine Funktion โ€“ zum Beispiel eine Frau fรผr eine Top-Fรผhrungsfunktion โ€“, dann beurteilen wir strenger.
Gudrun Sander ist Professorin fรผr Betriebswirtschaftslehre und Direktorin des Kompetenzzentrums fรผr Diversitรคt und Inklusion in St.โ€‰Gallen.
Das fรผhrt zum sogenannten Doppel-Standard-Bias, das heisst, wir beurteilen dann gleiches Verhalten und gleiche Kompetenzen bei unterschiedlichen Menschen verschieden.

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Zahlreiche Feldexperimente mit der Methode des ยซCorrespondence Testingยป haben das nachgewiesen. Dabei werden auf eine ausgeschriebene Stelle zwei Bewerbungen eingesandt.
Wรคhrend die Qualifikationen bei beiden Bewerbenden identisch sind, unterscheiden sich die Profile durch ein Merkmal wie beispielsweise den Namen, der Rรผckschlรผsse auf die ethnische Zugehรถrigkeit zulรคsst, oder durch das Geschlecht.
Auch eine Studie der Yale University verwendete diese Logik: HR-Fachpersonen wurden zwei Kandidierende mit identischem Lebenslauf vorgestellt, und auch die Jobinterviews waren Wort fรผr Wort identisch. Der einzige Unterschied war das Geschlecht.
Wenn bei der Auswahl der Bewerbenden auf die Kompetenzen fokussiert wรผrde, sollten also beide Profile jeweils gleich viele positive Rรผckmeldungen erhalten. Leider ist dem nicht so.

ยซAufgrund von Geschlechterrollenerwartungen fรคllt es uns allen schwerer, eine Person ยซrichtigยป zu beurยญteilen, die weit weg vom Stereotyp ist.ยป

Bei der Yale-Studie hatten Frauen wesentlich schlechtere Chancen, eine Anstellung als Fรผhrungsperson zu erhalten, und bei den Feldexperimenten schneiden Personen mit auslรคndisch klingenden Namen regelmรคssig viel schlechter ab โ€“ obwohl die Lebenslรคufe identisch sind. Warum?

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Aufgrund von Geschlechterrollenerwartungen fรคllt es uns allen zum Beispiel schwerer, eine Person ยซrichtigยป zu beurteilen, die weit weg vom Geschlechterrollenstereotyp ist. Konkret tun wir uns also schwer, den jungen Mann fair einzuschรคtzen, der sich als Kleinkinderzieher bewirbt, oder die Frau, die sich fรผr die Leitung einer Tunnelbaustelle bewirbt.
Hingegen kommen wir in der Regel zu ยซfairenยป Urteilen, wenn sich die Personen auf die fรผr sie ยซรผblichenยป Stellen bewerben, also beispielsweise eine Frau im Bereich HR, Marketing oder Kommunikation und der junge Mann als Mechatroniker. Ein sehr einfacher Trick, wie wir diesen Doppel-Standard-Bias umgehen kรถnnen, ist der Perspektivenwechsel.
Lesen Sie zum Beispiel das CV mit dem auslรคndisch klingenden Namen nochmals und setzen gedanklich einen typischen Schweizer Namen hinein. Fragen Sie sich, ob Sie die gleiche Antwort in einem Interview, die Sie bei einem jungen Mann irritiert hat, auch bei einer jungen Frau oder bei einem รคlteren Mann irritiert hรคtte.
Eine weitere Mรถglichkeit ist, unwesentliche Details in Lebenslรคufen zu anonymisieren. So konzentrieren Sie sich in einem ersten Schritt auf die wesentlichen Kompetenzen und Fรคhigkeiten. ยซUnconscious Biasesยป haben wir alle. Damit sie uns bei wichtigen Personalentscheidungen weniger in die Quere kommen, mรผssen wir sie uns bewusst machen.

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