Gottfried Keller sagte es so: ยซZum Lachen braucht es immer ein wenig Geist. Das Tier lacht nicht.ยป Sein englischer Berufskollege William Hazlitt sagte es so: ยซDer Mensch ist das einzige Tier, das lacht.ยป
Bis weit ins 20. Jahrhundert galt als einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier, dass Tiere keinen Humor haben. Das Vorurteil wurde von der Forschung dann klar widerlegt. Biologen beobachteten zum Beispiel Schimpansen dabei, wie sie Kรผhe am Schwanz zogen und sich fast รผberschlugen vor Lachen. Die These der humorlosen Tiere wurde auch von Papageien in Sรผdamerika falsifiziert. Ein Papagei tut hier so, als ob er vom Ast herunterpurzelte und รผberhaupt nicht fliegen kรถnnte, eine Show, die den Vogelschwarm in schnatterndes Gelรคchter versetzt.
In der Anthropologie, vor allem wenn sie etwas religiรถs angehaucht war, blieb es stets ein grosses Thema, was denn die Menschen und die Tiere unterscheide. Das Problem entstand durch eine Unachtsamkeit in der Schรถpfungsgeschichte. Gott schuf die Landtiere am sechsten Tag, am selben Tag wie die Menschen. Er machte also keinen speziellen Unterschied. Hรคtte er die Viecher auf den fรผnften Tag vorgezogen, wรคre das Problem nicht entstanden.
Differenzierungsmerkmale schwer zu finden
Der Humor ist es also nicht, was den grossen Unterschied ausmacht. Auch andere Differenzierungsmerkmale zwischen den beiden Arten funktionierten nicht. Tiere haben, anders als man lange dachte, Intelligenz, Krรคhen etwa bei der Herstellung von Werkzeugen. Tiere haben Sprachen, nicht sehr hoch entwickelte zwar, aber trotzdem, beispielsweise die effiziente Lautsprache der Walfische. Im Sozialverhalten, beispielsweise in den Rudeln von Wรถlfen, sind sie dem eher individualistischen Homo sapiens ohnehin eher รผberlegen.
Selbst ethische Elemente zur Abgrenzung wie das sogenannte Gerechtigkeitsempfinden hielten dem Reality Check nicht stand. Kapuzinerรคffchen zum Beispiel haben unter sich ein ausgeprรคgtes Feeling fรผr Fairness, wenn sie fรผr gleiche Leistung nicht denselben Lohn, also das gleiche Futter, bekommen.
Christliche Philosophen sind damit etwas im Stress, weil ihnen die Belege fรผr eine รberlegenheit der Krone der Schรถpfung zusehends abhanden kommen.
Der tierische Humor ist einfach
Wir kommen darum auf einen pragmatischen Ansatz zurรผck. Wir kommen zurรผck zum Humor. Tiere und Menschen unterscheiden sich hier eben doch. Tiere haben nur einen vordergrรผndigen Humor. Den hintergrรผndig-humanen Humor kennen sie nicht.
Der Humor der Tiere ist verspielt. Ein Hund schubst einen anderen Hund in den Teich und lacht sich kaputt. Ein Elefant erschreckt ein Gnu mit einem Trompetenstoss und amรผsiert sich kรถstlich. Eine Schimpansin sammelt Wasser im Mund und spritzt grinsend eine Kollegin voll.
Der hintergrรผndige menschliche Humor ist Tieren fremd. Der tierische Humor ist einfach. Er besteht nur aus Slapstick und Comedy. Nur Menschen kennen hรถhere Humorformen wie Satire, Parodie, Persiflage, Ironie und schwarzen Humor. Vor allem schwarzen Humor kennen Tiere nicht. Und weil wir jetzt so lange theoretisiert haben, hรถren wir mit einem Beispiel von schwarzem Humor auf, aber aus dem Reich der Tiere.
Zwei treffen sich. ยซSag, was machst du?ยป, fragt sie.
ยซIch habe den ganzen Tag mit Tieren zu tunยป, sagt er.
ยซWie sรผssยป, sagt sie, ยซund was machst du genau?ยป
ยซIch bin Metzger.ยป