Der Architekt der hΓΆchsten HochhΓ€user der Welt glaubt nicht, dass wir an der Schwelle zu einer Epoche der Superwolkenkratzer stehen. Trotz grosser technischer Fortschritte dΓΌrften HochhΓ€user von ΓΌber 600 Metern HΓΆhe weiterhin dΓΌnn gesΓ€t bleiben, sagte Adrian Smith dem Architekturmagazin Β«DezeenΒ». Als Planer des 828 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai und des im Bau befindlichen 1000-Meter-Turms im saudischen Dschidda, weiss Smith, dass es fΓΌr die Realisierung solcher Grossprojekte mehr braucht, als die technische Machbarkeit.
Kriegerische Auseinandersetzungen und finanzielle EngpΓ€sse wΓΌrden den Siegeszug der ultrahohen Wolkenkratzer bremsen, so Smith. Der Architekt aus Chicago tritt damit Prognosen des Rats fΓΌr hohe GebΓ€ude und stΓ€dtischen Lebensraum (CTBUH) entgegen, der einen Boom der Megastrukturen prophezeit.
Vier neue Superwolkenkratzer bis 2020
Laut CTBUH wird sich die Zahl der HochhΓ€user jenseits der 600-Meter-Grenze in den nΓ€chsten fΓΌnf Jahren mehr als verdoppeln. Zu den drei fertigen Superwolkenkratzern in Dubai, China und Saudi-Arabien gesellen sich drei weitere TΓΌrme in China und das Prestigeprojekt der Saudis in Dschidda (siehe Bildergalerie oben). Doch die Kosten solcher Bauten stehen in keinem VerhΓ€ltnis mehr zum tatsΓ€chlichen Nutzen.
Adrian Smiths GeschΓ€ftspartner Gordon Gill teilt dessen Skepsis. Zwar werde der Wunsch nach BerΓΌhmtheit durch HΓΆhe sicher weiterexistieren, so Gill. Β«Doch die Investoren werden solche PlΓ€ne genau auf wirtschaftliche und technische Machbarkeit prΓΌfen lassen.Β» Die Aufgabe noch hΓΆher zu bauen, werde zunehmend schwieriger.
Um ΓΌber 500 Meter geschrumpft
Auch die Saudis mussten sich beim Jeddah Tower zurΓΌcknehmen. Das GebΓ€ude sollte zunΓ€chst rund eine Meile hoch werden (1600 Meter). Wegen dem ungΓΌnstigen Untergrund will man sich aber inzwischen auf eine EndhΓΆhe von knapp ΓΌber 1000 Metern beschrΓ€nken. Das wΓ€re bei der geplanten Fertigstellung im Jahr 2019 aber immer noch ein klarer Weltrekord.
Brian Lee von Smiths und Gills ehemaligem Arbeitgeber Skidmore, Owings and Merill (SOM) glaubt, dass der Wettlauf weitergehen wird. Technische Fortschritte wΓΌrden den Trend zu Superwolkenkratzern weiter befeuern. Und: Β«GebΓ€ude wie der Burj Khalifa dienen nicht nur der Verdichtung, sondern sind auch wirkungsvolle Symbole fΓΌr eine GemeinschaftΒ».
Grosse Fortschritte β aber nicht in Europa
Seit der Fertigstellung der 452 Meter hohen Petronas Towers in Kuala Lumpur im Jahr 1998 wurde der HΓΆhenrekord in weniger als zwanzig Jahren zweimal gebrochen β dies nachdem zuvor jahrzehntelang das Empire State Building und der Willis Tower (damals Sears Tower) an der Spitze standen. Die 600-Meter-Marke wurde erst 2010 mit dem Burj Khalifa geknackt.
Die ehemalige Wolkenkratzer-Nation USA wurde dabei von asiatischen LΓ€ndern ΓΌberrundet. Von den zehn hΓΆchsten HΓ€usern der Welt sind noch zwei in Nordamerika, alle anderen stehen in Asien. In den ΓΌber Jahrhunderte gewachsenen Stadtbildern Europas haben sich Superwolkenkratzer nie durchsetzen kΓΆnnen β das hΓΆchste Haus auf unserem Kontinent steht zurzeit in Moskau und ist gerademal 350 Meter hoch.