Abo

SPACs: Die neuen Fonds fรผr Anleger, die gern blind vertrauen

Die Verbreitung von Blankocheck-Firmen gewinnt 2021 noch mehr an Fahrt. Traditionelle IPOs werden zum Nebenschauplatz. Jetzt warnt Goldman Sachs.

_DSC7821.NEF_.p

Solomon_Ermotti_Thiam
Goldman-Sachs-Chef David Solomon (l.) warnt vor einer Bereinigung bei SPACs. Tidjane Thiam (M.) und Sergio Ermotti glauben an den Boom. Keystone/Bloomberg

Werbung

Der heisseste Trend an der Wall Street nennt sich SPAC und passt hervorragend zum aktuellen Umfeld der Bรถrseneuphorie. Derartige Special Purpose Acquisition Companies holen sich รผber einen Bรถrsengang meist Hunderte Millionen, manchmal Milliarden, um diese spรคter in den Kauf eines privaten Unternehmens zu investieren. Die akquirierte Firma wird mit diesem Bรถrsenmantel verschmolzen und kommt so einfach zu einer Bรถrsenprรคsenz. Anleger, die in SPACs investieren, kaufen blind. Sie vertrauen darauf, dass den Machern hinter diesen Bรถrsenhรผllen eine mรถglichst erfolgreiche รœbernahme gelingt. Was Value-Fondsmanager, die ihre Investments bis ins Detail verstehen wollen, von solchen Blankocheck-Firmen halten, ist leicht vorstellbar.
Besorgniserregend ist das Tempo, mit dem sich diese Innovation der Finanzindustrie an den Mรคrkten verbreitet. Im Vorjahr holten SPACs 64 Milliarden Dollar ein, das Doppelte wie im Jahr zuvor und schon fast so viel wie traditionelle IPOs. Promi-Investor Bill Ackman ragte mit seiner Vier-Milliarden-Dollar-SPAC hervor. 2021 hat sich das Tempo noch deutlich erhรถht. Allein in den ersten 18 Handelstagen des Jahres strรถmten 76 SPACs an die US-Bรถrse und fรผllten ihre Kriegskasse mit 18 Milliarden Dollar. Die 32 klassischen IPOs kamen in derselben Zeit auf weniger als 5 Milliarden Dollar Emissionsvolumen und wurden gรคnzlich zum Nebenschauplatz.

Partner-Inhalte

Die Nachfrage ist gross. Im aktuellen Tiefstzinsumfeld ist massenhaft Geld vorhanden, das schon verzweifelt nach Anlagemรถglichkeiten sucht. Die Emissionen sind fรผnf- bis zehnfach รผberzeichnet.

Gutes Geschรคft fรผr Grรผnder

Fรผr die Investmentbanken ist der neue Boom ein lukratives Geschรคft. Die Schweizer Grossbanken mischen krรคftig mit. Auf die Credit Suisse entfiel im Vorjahr sogar der grรถsste Teil des Emissionsvolumens. CS-Verwaltungsrat Michael Klein ist im SPAC-Business eine grosse Nummer, er lanciert bereits den sechsten und siebten Bรถrsenmantel. Der Churchill-Fan hat die Gefรคsse mit Churchill Capital Corp VI/VII benannt und holt รผber sie insgesamt 700 Millionen Dollar ein. Hรคufig werden bekannte Namen eingesetzt.
Der ehemalige CS-CEO Tidjane Thiam ist laut einem Bericht der ยซFinancial Timesยป dabei, eine 250 Millionen Dollar schwere SPAC an die New Yorker Bรถrse zu bringen. Auf die Idee habe ihn J.P.โ€‰โ€‰Morgan gebracht. Mit seiner SPAC sollen spรคter Finanzunternehmen gekauft werden. Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti wiederum mischt als Chairman der britischen Blankocheck-Firma Investindustrial Acquisition im SPAC-Boom mit.
Fรผr die Grรผnder sind SPACs ein lukratives Geschรคft. Wird eine Firma akquiriert und damit an die Bรถrse gebracht, gehen meist 20 Prozent der Aktien zu sehr gรผnstigen Preisen an die SPAC-Grรผnder.

Werbung

Gibt es an den Finanzmรคrkten einen Boom, fehlt es in der Regel nicht an warnenden Stimmen. Zuletzt hat sogar Goldman-Sachs-Chef David Solomon vor einer bevorstehenden Bereinigung gewarnt. Das ist bemerkenswert, da Goldman Sachs zu den stark involvierten Investmentbanken zรคhlt. Solomon hรคlt SPACs zwar fรผr eine gute Innovation, die sich jedoch zu stark verbreiten kรถnnte. Weltweit sollen inzwischen rund 300 SPACs auf der Suche nach geeigneten รœbernahmeobjekten sein.

Schneller an die Bรถrse dank SPACs

Gefahr birgt die Kombination von SPAC und Spekulation. Dass diese weit verbreitet ist, lassen Fรคlle wie GameStop oder der von Elon Musk ausgelรถste Hype um die Signal-Advance-Aktie vermuten.
SPACs bringen Firmen im Eiltempo an die Bรถrse und fixieren den Preis. Fรผr die akquirierten Unternehmen ist das gut, da sich Bรถrsenfenster sonst oft rasch schliessen. Fรผr Investoren erschwert das Tempo die Beurteilung. Um das Investment auf Herz und Nieren zu prรผfen, bleibt im Vergleich zum traditionellen IPO deutlich weniger Zeit. Das Risiko, dass Firmen zu schnell oder mit verborgenen Risiken an die Bรถrse kommen, steigt. Einen prominenten Fall gibt es mit Nikola Motors bereits. Das auf strombetriebene Lastwagen fokussierte Start-up ist eine SPAC-Akquisition und wird mit Betrugsvorwรผrfen konfrontiert. Der Firmenlenker trat bereits zurรผck. Allein schon durch die Masse an SPACs dรผrfte Nikola kein Einzelfall bleiben.

Werbung

รœber die Autoren

Werbung