Abo
Ranking

So verheerend können Vulkane für die Wirtschaft sein

Bei einem Vulkanausbruch drohen fatale Schäden, für welche die bedrohten Regionen nicht gewappnet sind. Der Rückversicherer Swiss Re hat jetzt die Gefahren taxiert – es sind gigantische Summen.

Nuria Spycher

Das sind gemäss einer Untersuchung des Rückversicherers Swiss Re die 15 gefährdetsten Städte, denen grosser wirtschaftlicher Schaden durch Vulkanasche droht:
Platz 10: Jakarta, Indonesien129 aktive Vulkane sorgen in ganz Indonesien immer wieder für grosses Chaos. Verheerende Ausbrüche kommen jedoch weniger vor als anderswo. Mit ungefähr zehn Millionen Einwohnern wäre der wirtschaftliche Verlust für Jakarta im Ernstfall jedoch enorm und könnte bei bis etwa 3 Milliarden Dollar liegen. Gemäss Statistik droht ein solches Ereignis jedoch nur grob geschätzt alle 1600 Jahre.
Platz 9: Guatemala-Stadt, Guatemala
Es wohnen zwar viel weniger Menschen in Guatemala-Stadt, jedoch ereignen sich schwere Ausbrüche häufiger - statistisch gesehen etwa alle 1000 Jahre.
Platz 8: Bandung, Indonesien
Ähnliches gilt für Bandung in Indonesien. Die mögliche Schadenssumme wäre hier mit rund 3 Milliarden Dollar jedoch deutlich höher.
Platz 7: San Salvador, El Salvador
Der Schaden für das mittelamerikanische Land El Salvador könnte im Fall eines Vulkanausbruchs mit rund 100 Millionen Dollar deutlich niedriger ausfallen. Fast alle 800 Jahre droht ein grösserer Vulkanausbruch.
Platz 6: Catania, Italien
Gemäss Statistik bricht der Ätna fast alle 600 Jahre verheerend aus. Wann es wieder so weit ist, weiss man nicht. Die Schadensumme wäre dann aber auf jeden Fall riesig: Aufgrund von Italiens Wohlstand, könnte eine allfällige Schadensumme 10 Milliarden Euro deutlich übersteigen.
Platz 5: Neapel, Italien Rund alle 550 Jahre droht auch der Vesuv  nahe der italienischen Stadt Neapel grosse Schäden anzurichten. Auch hier könnte der Schaden im Ernstfall deutlich über 10 Milliarden Euro steigen.
Platz 4: Manila, Philippinen
Die philippinische Hauptstadt ist statistisch gesehen noch etwas stärker gefährdet, von einem Vulkanausbruch oder Asche wirtschaftlichen Schaden zu nehmen.
Platz 3: Quito, Ecuador
Gut alle 300 Jahre ist ein Vulkanausbruch in der Hauptstadt Ecuadors möglich. Damit ist Quito unter den Top 3 der gefährdetsten Städte der Welt.
Platz 2: San José, Costa Rica
Schlimme Ausbrüche der Vulkane Arenal oder Irazú stellen für die Hauptstadt von Costa Rica eine Gefahr dar. Zwar ist San José vergleichsweise klein, jedoch brechen die Vulkane dort statistisch gesehen etwa alle 120 Jahre aus und könnten eine Schadensumme von über 140 Millionen Dollar verursachen.
Platz 1: Managua, Nicaragua
Kleinere Schadensummen, häufigere Ausbrüche - das gilt für Managua. Statistisch gesehen könnte es nahe der Hauptstadt von Nicaragua alle 100 Jahre zu einem verheerenden Vulkanausbruch kommen. Deshalb gilt die Stadt gemäss Swiss Re als weltweit am stärksten gefährdet. Der Schaden jedoch wäre mit gut 30 Millionen Dollar vergleichsweise gering.

Keystone
1 / 11
RMS

Werbung

Über eine Milliarde Menschen leben innerhalb eines Radius von 150 Kilometern um einen aktiven Vulkan – damit ist statistisch betrachtet jeder siebte Mensch auf der Welt von einem Ausbruch gefährdet. Grosser wirtschaftlicher Schaden könnte nicht nur in exotischen Ländern wie Nicaragua, Ecuador oder Indonesien drohen, sehr exponiert sind auch hochentwickelte Regionen um Neapel oder Tokio. «Vulkanausbrüche könnten für Grossstädte Schäden von bis zu 30 Milliarden Dollar verursachen», heisst es in einer nun veröffentlichten Untersuchung des Rückversicherers Swiss Re.
Zwar droht in der Schweiz offensichtlich keine Gefahr, doch bereits in Süditalien ist diese real: In der Vergangenheit wurde die sizilianische Stadt Catania mehrmals von Ausbrüchen des Ätnas zerstört. Der Vulkan ist ständig aktiv, kürzlich musste der Flugverkehr wegen erhöhter Aktivität unterbrochen werden.

Vulkanausbrüche sind teuer

Im Ernstfall müssten auch die Bewohner von Neapel ein paar hundert Kilometer weiter nördlich schnell handeln: Der letzte Ausbruch des Vesuvs liegt zwar Jahrzehnte zurück. Doch laut Forschern schlummert der Supervulkan lediglich. Würden sie Alarm schlagen, hätten die Neapolitaner höchstens drei Tage Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Partner-Inhalte

Für die Region Neapel taxiert die Swiss Re den möglichen wirtschaftlichen Schaden im Ernstfall auf knapp 11 Millarden Dollar. Die ökonomischen Auswirkungen für Menschen und Unternehmen in den betroffenen Regionen ist aber nur ein Aspekt, sagt Jayne Plunkett, Asien-Chefin bei Swiss Re. «Im Falle eines grossen Ausbruchs wären beispielsweise Lieferketten auf der ganzen Welt betroffen, was sowohl wirtschaftliche als auch versicherte Verluste generieren würde.»

100'000 Flüge annulliert

So geschehen beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010. 100'000 Flüge mussten deshalb annulliert werden. Eine Studie von Oxford Economics und Airbus kam seinerzeit zu dem Schluss, dass die Flugausfälle wegen des Naturspektakels zu Einbussen der globalen Wirtschaftsproduktion von fast 5 Milliarden Dollar geführt hätten. Dabei jedoch gab es keinerlei Bedrohung von Grossstädten.
Am stärksten betroffen von einem Vulkanausbruch wäre weltweit wohl Tokio. Die Schadensumme könnte sich gemäss Swiss Re auf über 26 Milliarden Dollar summieren. Zwar werden in der Region um Japans Hauptstadt immer wieder kleinere vulkanische Aktivitäten beobachtet, doch grundsätzlich wird Gefahr eines grösseren Ausbruchs als gering eingestuft und findet statistisch gesehen lediglich über alle 2200 Jahre statt.

Werbung

Die Swiss Re hat nun ein Ranking erstellt der zehn am stärksten gefährdeten Städte rund um den Globus, die von den weltweit über 500 aktiven Vulkanen ausgehen (das Ranking finden Sie in der Bildergalerie oben).

Werbung