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Lohn

So ungerecht ist die Welt des Profi-Fussballs

Das Bild der Fussballs wird von Top-Spieler und ihren Millionen-Gehältern geprägt. Jenseits des Rampenlichts sieht die Welt anders aus: Fast jeder Zweite verdient im Monat weniger als 1000 Dollar.

Domenico Sciurti

Das Bild der Fussballs wird von der Präsenz der Top-Spieler geprägt. Jenseits des Rampenlichts sieht die Welt anders aus: Weniger als 2 Prozent der Spieler verdienen im Jahr mehr als 720'000 US-Dollar, während 45 Prozent weniger als 1000 US-Dollar pro Monat erhalten. Die Mehrheit der Spieler in Afrika und Südamerika verdient so wenig, aber auch jeder dritte in Europa. Das zeigt der 2016 FIFPro Global Employment Report, der die weltweiten Arbeitsbedingungen von Profi-Spielern erfragt hat.
Viele Spieler haben Erfahrung mit Missbrauch von Arbeitsrechten und Vertragskonditionen. 41 Prozent der Befragten  erhielten innerhalb der vergangenen zwei Saisons ihre Bezahlung verzögert. Für den Report der FifPro wurden 14'000 Fragebogen von Spielern in 54 Ländern ausgefüllt.
29 Prozent der Spieler müssen ihren Fussballklub gegen ihren Willen verlassen, auch wenn Verträge noch nicht ausgelaufen sind. In der Schweiz sind es sogar 40 Prozent.
In Teilen der Fussballindustrie sind nicht regulierte Arbeitskonditionen Gang und Gäbe. 8 Prozent der Befragten haben keinen schriftlichen Vertrag. Das kommt in Europa nur sehr selten vor, in Afrika betrifft es dagegen 15 Prozent der Spieler
Fussballklubs nutzen isoliertes Training, um Druck auf Spieler auszuüben, die nicht das tun, was der Klub will. 22 Prozent der Befragten haben Erfahrungen damit gemacht.
Diskrimination (8 Prozent), Gewalt (9 Prozent) und Schikane (16 Prozent) ist in weiten Bereichen üblich: unter Spielern, durch Fans und gar das Management. Die jüngsten Spieler unter 23 Jahren sind hier am gefährdetsten. Viele opfern der Aussicht auf eine Fussballkarriere ausserdem ihre Schulausbildung.
Versuche durch Aussenstehende, Spiele zu manipulieren, bleiben weiterhin ein Problem. Im Durchschnitt berichtet ein Spieler pro Team davon, dass er entsprechend angesprochen wurde. Keystone
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RMS

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Es ist der Traum vor allem vieler Jungen: der Profifussball. Tausende Fans jubeln, während die Spieler sich ein spannendes Match liefern. Auch jenseits des Spielfelds locken Glanz und Glamour: Fussballer, dieses Bild zeichnet Social Media, feiern rauschende Partys, haben immer ein Model an der Seite, Geld spielt keine Rolle. Spitzen-Spieler verdienen obszön viel Geld: 88 Millionen Dollar setzt Cristiano Ronaldo laut «Forbes» 2016 um, er ist der bestbezahlte Sportler der Welt.

Doch die schwindelerregenden Einnahmen der Elite-Fussballer verzerren die Wirklichkeit.  Sie sind alles andere als die Norm: Weniger als 2 Prozent der Spieler verdient im Jahr mehr als 720’000 US-Dollar, wie der 2016 FIFPro Global Employment Report zeigt. Dafür wurden 14'000 Profi-Fussballer in 54 Ländern befragt. 45 Prozent von ihnen erhalten weniger als 1000 US-Dollar pro Monat.

Niedrige Gehälter für Schweizer Profi-Kicker

Auch die Profis in der Schweiz verdienen nicht so viel, wie manche glauben dürften. Im Sommer bat die Neue Zürcher Zeitung mehrere Klubchefs darum, den durchschnittlichen Monatslohn eines Schweizer Fussballers zu schätzen. Es zeigte sich, dass der Grundlohn in der Super League bei knapp 15’000 Franken liegt. In der Challenge League liege der Durchschnittslohn noch tiefer –  bei rund 3500 Franken.

Der 2016 FIFPro Global Employment Report offenbart: In kaum einer Branche ist die Ungleichheit grösser als im Profi-Fussball. Der Bericht teilt den globalen Fussball in drei Segmente:

Der oberste Rang: Er besteht aus der Fussballelite – Spieler mit überlegenem Talent und Können. Sie sind es auch, die die besten Arbeitskonditionen geniessen. In erster Linie sind sie in den fünf grossen Europäischen Ligen beschäftigt: Premier League, Bundesliga, La Liga, Serie A, Ligue 1.

Der mittlere Rang: Spieler mit moderaten Arbeitsbedingungen. Ihre Arbeitgeber befinden sich in gut regulierten und nachhaltig finanzierten Märkten, beispielsweise Skandinavien, Australien, den USA in Top-Klubs in Südamerika.

Der untere Rang: Spieler, die diesem Segment angehören, stehen laut der Studie konstant unter Druck. Die Arbeitsbedingungen sind oft heikel, die Spieler werden vielfach ausgenutzt. Die Studie zeigt, dass dies vor allem in Osteuropa, Afrika und in manchen Ländern Lateinamerikas vorkommt.

Die wichtigsten Zahlen zur ungerechten Welt des Profi-Fussballs finden Sie in der Bildergalerie oben.









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