Er war der wohl einflussreichste Jazzmusiker der Schweiz: George Gruntz profilierte sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Veranstalter und Musikpublizist. Der Basler ist am Donnerstag verstor
Seine Musik wird in Erinnerung bleiben: Jazz-Komponist George Gruntz. (Bild: Keystone) RMS
Der Musiker und Komponist George Gruntz, der am vergangenen Donnerstag im Alter von 80 Jahren starb, hat das Jazzland Schweiz in die Welt hinausgetragen wie nur wenige sonst. Sein Credo: ยซJazz ist die offenste, diktatfreieste Art zu musizieren.ยป
Die Jazzgeschichte der vergangenen 50 Jahre prรคgte der Basler entscheidend mit. Selbst den Topcats der internationalen Szene war das Mitspielen in seiner Formation einen Eintrag im Lebenslauf wert. Mit seiner 1972 gegrรผndeten ยซConcert Jazz Bandยป bereiste er buchstรคblich die Welt. Er experimentierte frรผh mit Volksmusik.
Seine Jazzopern ยซWorld Jazz Operaยป, ยซCosmopolitan Greetingsยป und ยซMagic of a Fluteยป feierten Erfolge vom Menuhin Festival in Gstaad bis an den New Yorker Broadway. Gruntz war aber auch Komponist und musikalischer Leiter am Zรผrcher Schauspielhaus (1970-1986) sowie Leiter des Berliner JazzFest.
Er komponierte fรผrs Kanzlerfest von Helmut Schmidt und das Jubilรคum des Wiener Burgtheaters. Und schrieb vor mehr als zehn Jahren bereits seine Autobiografie mit dem programmatischen Titel ยซAls weisser Neger geborenยป (Zweitausendeins 2002).
Zur Welt kam George Gruntz am 24. Juni 1932 in Basel. Nach der Ausbildung zum Elektro-Maschinen-Konstrukteur besuchte er die Konservatorien in Basel und Zรผrich. Noch als Amateurpianist und -vibraphonist gewann er Preise am Zรผrcher Jazzfestival.
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Schon 1958 trat Gruntz am Newport Festival auf und spielte unter anderen mit Louis Armstrong. Zum Profi wurde er 1963, indem er US-Jazzer auf Europa-Tourneen begleitete und gleichzeitig begann, mit namhaften Komponisten des E-Musik-Bereichs (insbesondere Rolf Liebermann) zusammenzuarbeiten.
Gruntz war ein Vielschaffer, der auch im hohen Alter nicht ans Aufhรถren dachte: Unermรผdlich komponierte und konzertierte er. Zudem gab er - dies war ihm ein wichtiges Anliegen - sein Wissen und seine Erfahrungen an junge Musiker weiter.
Immer wieder holte er junge Jazzer in seine diversen Bands, spielte als Gast bei jungen Projekten, leitete Workshops und gab Meisterkurse, sogenannte Jazz ยซClinicsยป. Nebst seiner musikalischen Arbeit und Leistung รถffneten ihm auch sein charismatisches Auftreten und seine Qualitรคt als Causeur manche Tรผren.
ยซJazz ist die offenste, diktatfreieste Art zu musizieren, und seine Spielarten dรผrfen nie zu Horten der Sicherheit verkommenยป, pflegte George Gruntz zu betonen. Dieser Philosophie blieb er treu.