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Goody Bag

Schweizer Brausetablette schafft es bis zu den Grammys

Bei den Grammys gibt es Goody Bags im Rekordwert von 30'000 Dollar. Neben Schmuckstücken und Kosmetik befinden sich darin auch allerlei Kuriositäten - wie Swissmade Brausetabletten gegen Hangover.

Julia Fritsche

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Beyoncé: Bei den Grammy Awards bekommt sie Schweizer Brausetabletten.Keystone RMS

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Das Goody-Bag-Hoch für Schweizer Produkte hält an. Nachdem sich bei den Golden Globes Filmstars  über einen Victorinox-Rucksack freuen konnten, sind bei den Grammy Awards die Stars der Musikszene an der Reihe.
Adele, Rihanna und Justin Bieber werden in den Genuss der «Made in Switzerland» Brausetablette Phizz kommen. Dank ihr sollen die Gewinner und Verlierer die Grammy-Nacht durchfeiern und am nächsten Tag wieder voll durchstarten können. Dafür sollen die Vitamine und Mineralien sorgen, die in Phizz stecken. Gleichzeitig kann man sich laut Unternehmen das Gatorade sparen, denn die Brausetablette soll den Trinker auch rehydrieren.

Duell zwischen Beyoncé und Adele

Da können die US-Stars ihre Preise bedenkenlos feiern. Dieses Jahr hat Beyoncé die meisten Chancen auf Grammy-Awards. Sie ist in neun Kategorien nominiert. Mit acht Nominationen folgen ihr Rihanna, Drake und Kanye West dicht auf. Bloss fünf Preise liegen für den britischen Superstar Adele drin. Allerdings kämpft sie gegen Beyoncé um den Award für das «Album des Jahres» – die wichtigste von ingesamt 84 Kategorien.
Um Grammys bewerben sich die Mitarbeiter von Phizz nicht, doch auch sie konnten seit der Gründung 2015 einige Erfolge verzeichnen. So haben sie inzwischen über 700'000 Packungen der Brausetabletten in mehr als 44 Länder verkauft. Zudem können First-Class-Passagiere auf Flügen von Emirates das Produkt gratis testen.

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Produktionsstandort Lugano

Das Unternehmen ist in London beheimatet, produziert wird Phizz aber im Tessin. Für das Labor in Lugano hätten sie sich entschieden, weil die Schweiz bei der Forschung, Entwicklung und Herstellung in den Bereichen Pharma und Ernährung Spitze sei, erklärt Co-Gründer Daniel Cray. «Phizz war ein Konzept für ein neues und einzigartiges Produkt. Wir wollten dafür mit den Besten zusammenarbeiten, um sicherzugehen, dass wir unsere Vision auch umsetzen können.»
Ein Auftritt an den Grammys ist da gut fürs Image. Darum sind die Goody-Bags der Stars und Präsentatoren oft schön gefüllt. Mit 32 Euro für eine Packung à 20 Tabletten bei Amazon.de gehört Phizz zu den günstigen Produkten in der Wundertüte. Eines der teuersten Geschenke des Jahres ist ein einwöchiger Aufenthalt im exklusiven Golden Door Luxury Resort & Spa in Kalifornien für 8850 Dollar. Die gestressten Musiker können dort ihr inneres Zentrum wieder finden und ihren geschundenen Körper für kommende Touren stärken.

Massagekissen gegen müde Hintern

Neben Schmuckstücken und Kosmetik gibt es auch allerlei Kuriositäten: die hyper-modern aussehenden Jet-Schuhe des japanischen Unternehmens MTG sollen schöne Beine machen, das Massagekissen SweetCheeks müde Hintern beleben und ein Hula-Hoop-Set mit Reifen, DVD und einer privaten Lektion mehr Lebensfreude in den Alltag bringen. Für das innere Kind ist mit einem 64-teiligen Wachsmalstifte-Set und einer Spielesammlung von Hasbro gesorgt.

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Insgesamt hat der Präsentekorb dieses Jahr einen Wert von 30'000 Dollar, 8000 Dollar mehr als noch 2016. Verantwortlich für dafür ist seit fast zwanzig Jahren die Marketingfirma Distinctive Assets.

Hoffen auf gratis Werbebild

Um ihre Produkte an die Stars zu bringen, bezahlen Firmen Tausende Franken. Zu den gespendeten Produkte kommt eine Mitmach-Gebühr. Die hohe Investition lohnt sich, wenn ein sogenannter Influencer mit Phizz oder einem der anderen Geschenke auf Instagramm, in Zeitschriften oder im Fernsehen abgebildet wird. Allerdings bleibt ein grosses Risiko, denn die Stars sind zu nichts verpflichtet.
Nicht alle sind vom Sinn des Goody-Bag-Marketings überzeugt. So sagte Michael Stone von der Beratungsfirma Beanstalk im Zusammenhang mit dem letztjährigen Oscar-Geschenkekorb gegenüber «Forbes»: «Diese Geschenke an dieses sehr elitäre Publikum abzugeben, ist wie bei sich selbst zu werben. Ich sehe den Vorteil nicht.»
Wie Schweizer Musikschaffende heute Geld verdienen, sehen Sie in der Bildergalerie unten:
Wie Schweizer Musiker heute gutes Geld verdienen:Nur eine kleine Minderheit der Musikschaffenden profitiert auch wirtschaftlich. Experten schätzen, dass in der Branche knapp ein Dutzend Künstler gut von der Musik leben können. Mit dem Rückgang der CD-Verkäufe verkam den meisten die wichtigste Einnahmequelle zu einem Rinnsal.
Im Rekordjahr 2000 wurden in der Schweiz 19,6 Millionen CDs verkauft. 2015 waren es noch 3,6 Millionen. An jeder verkauften CD verdienen die Musiker, sofern sie die Stücke selber komponiert haben, rund 10 Prozent des Verkaufspreises, also zwischen 2,50 und 3 Franken. Bei den Downloads ist der Verdienst leicht tiefer.
Doch wer heute Musik hören will, der streamt. Die Musikverwertungsgesellschaft Suisa geht für Schweizer Komponisten von einem ungefähren Durchschnittsumsatz von 0,0018 Franken pro gestreamten Song aus. Je nach Deal zwischen Label und Komponist schaut mehr oder weniger heraus.
Zu den besten Zeiten konnten sich die Bands nach der Albumaufnahme zurücklehnen und die Kasse klingeln lassen. Heute geht nach dem Studio die Arbeit erst richtig los. Früher waren Konzerte eine Art Zugabe, heute spielen die Musiker das ganze Jahr durch. Wer dann auf der eigenen Tour nicht in vollen Clubs und Sälen spielt, zahlt oftmals drauf. Mittelgrosse Acts zahlen ihren Livemusikern um die 400 Franken pro Auftritt.
Die Musikproduktionsfirma HitMill, hinter der die drei Partner Georg Schlunegger, Roman Camenzind und Fred Herrmann stehen, nehmen neu auch Künstler unter Vertrag. Camenzind: «Ein Album aufzunehmen, zu gestalten und zu promoten, kostet um die 100'000 Franken. Weil die Labels dieses Risiko immer seltener eingehen, übernehmen wir nun das Gesamtpaket.»
Eine schöne Nebeneinkunft sind die Tantiemen. Radios, Konzertveranstalter, Clubbetreiber, Download-Plattformen und Streaming-Portale müssen sie den Verwertungsgesellschaften, allen voran der Suisa, abgeben. Die behält 12 Prozent und zahlt den Rest den Komponisten aus. Es heisst, dass der Sänger Charles Aznavour («La Bohème») Schweizer Tantiemen-König ist. Der 92-jährige Franzose, der seit einiger Zeit in Genf lebt, bezieht jedes Jahr über 500'000 Franken an Urheberrechtsentschädigungen.
«Captain Of Her Heart», der Welthit von der Zürcher Band Double, gilt aus Tantiemen-Sicht als einträglichster Schweizer Song aller Zeiten. Er schaffte es 1985 in die US-Top-20 und wird noch heute weltweit am Radio gespielt. Co-Verfasser Kurt Maloo, der heute in Hamburg lebt, erhält jedes Quartal einen fünfstelligen Betrag.
Der Glarner Produzent Fridolin Walcher, alias Freedo, hat die letzten zwei Jahre mit Hits für die schwedische Sängerin Zara Larsson («Lush Life») und den deutschen Rapper Cro («Traum»; Bild) viel Geld verdient. Die Suisa zahlte ihm für «Traum» gut 200'000 Franken aus.
Über die letzten Jahre betrachtet, hat kein Schweizer Künstler mehr Geld verdient als DJ Antoine. In Vierrad-Währung umgerechnet, liege pro Suisa-Abrechnung «zwischen einem Kleinauto und einem Sportwagen» drin.
Besonders lukrativ und die wachstumsstärkste Einnahmequelle sind Auftritte an Firmenanlässen. Die Gagen sind bis zu doppelt so hoch wie für Konzerte. Bei DJ Antoine ist jeder vierte Auftritt ein Corporate Gig, er zählt auch Privatanlässe von Neureichen dazu. Seine Gage liegt zwischen 25'000 und 50'000 Franken.
Marc Sway erhält laut seinem Manager Hugo Mauchle für einen Firmenauftritt rund 25'000 Franken. «Das Geld teilt er aber mit der sechsköpfigen Band, der Technik, dem Mischer und dem Booking.»
Daneben zählen Anna Rossinelli, Seven und Bastian Baker (Bild) zu den beliebtesten Corporate-Acts. Laut Konzertagentur Gadget reicht das Spektrum von 5000 bis 70'000 Franken – je nach Bekanntheit, Formation und Anlass.Bilder: Keystone/ZVG
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RMS

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