Quincy Jones oder der erfolgreichste Musikproduzent aller Zeiten
Er war Komponist, Arrangeur, Produzent, spielte mit Ray Charles, arbeitete mit Frank Sinatra und produzierte das meistverkaufte Album aller Zeiten: Musiklegende Quincy Jones wird 85.
AlleskΓΆnner, Alleskenner: Musikmogul Quincy Jones wird 85. Keystone
Er hat eine Band angefΓΌhrt, war SolokΓΌnstler und Nebenmann, schrieb Songs, produzierte und arrangierte, er leitete ein Plattenlabel und komponierte Filmmusik, er schrieb BΓΌcher und brachte Spielfilme auf die Leinwand. Das von ihm produzierte, meistverkaufte Album aller Zeiten - Michael Jacksons Β«ThrillerΒ» von 1982 - ist in seiner Laufbahn fast eine Randnotiz. Am 14. MΓ€rz wird AlleskΓΆnner Quincy Jones 85.
Die Noten hatten es dem Jungen aus Chicago frΓΌh angetan. Als Teenager spielte Quincy Jones Trompete und sang in einer Gospel-Gruppe, nach dem Umzug nach Seattle spielte er mit Jugendfreund Ray Charles. Bald verschlug es ihn nach New York, wo er Titel fΓΌr Count Basie, Tommy Dorsey und Dinah Washington arrangierte und als Trompeter die Band von Dizzy Gillespie anfΓΌhrte.
Erster Afroamerikaner an der Spitze eines grossen US-Plattenlabels
Mit dem Unterricht bei KoryphΓ€e Nadia Boulanger in Paris perfektionierte er sein Spiel weiter. Mit der Ernennung als VizeprΓ€sident bei Mercury Records wurde Jones 1961 als erster Afroamerikaner musikalischer Leiter eines grossen US-Plattenlabels - die schwarze BΓΌrgerrechtsbewegung nahm da gerade erst Fahrt auf.
Β«Es ist immer noch abgefucktΒ», sagt Jones heute ΓΌber Rassismus in Hollywood und den USA - aber nicht nur dort: Β«Wenn ich nach Dublin fahre, lΓ€sst (U2-SΓ€nger) Bono mich in seinem Schloss wohnen, weil Irland so rassistisch ist.Β» Auch Frank Sinatra, mit dem Jones in den 1960er Jahren arbeitete, habe ihn damals geschΓΌtzt.
Partner-Inhalte
Werbung
1960er Jahre: Quincy Jones mit seiner Big Band.Imagno/Getty Images
1960er Jahre: Quincy Jones mit seiner Big Band.Imagno/Getty Images
Mit 27 Grammys ausgezeichnet
Komponist, Arrangeur, Produzent: Bei den grΓΆssten WΓΌrfen seiner Karriere blieb Jones meist die still wirkende Kraft im Hintergrund, ob bei Aretha Franklin und Ray Charles, Miles Davis und Billie Holiday, Peggy Lee oder eben Michael Jackson. Mit seinen 27 Grammys ist Jones fast ungeschlagen, nur Alison Krauss (27) und Georg Solti (31), beide im Klassik-Genre zu Hause, haben den begehrtesten Musikpreis Γ€hnlich hΓ€ufig gewonnen.
Nominiert wurde Jones 79 Mal. Β«Du machst deine Fehler und lernst, wie man an das gute Zeug kommtΒ», zitiert ihn die Recording-Academy auf ihrer Website.
1994: Michael Jackson und Quincy Jones werden mit dem Grammy Award ausgezeichnet.Chris Walter/WireImage/Getty Images
1994: Michael Jackson und Quincy Jones werden mit dem Grammy Award ausgezeichnet.Chris Walter/WireImage/Getty Images
Inoffizieller Kulturbotschafter
Seiner eigenen Laufbahn als Musiker sollte das aber keinesfalls Abbruch tun. Das Album Β«Body HeatΒ» von 1974 schaffte es in die Top Ten der Billboard-Charts, weitere Alben kamen unter die oberen 20 Platzierungen. Nach der Diagnose eines lebensgefΓ€hrlichen Aneurysmas, einer Aussackung der BlutgefΓ€sse im Gehirn, musste er sein Trompetenspiel allerdings einstellen.
Mit den Jackson-Alben Β«Off The WallΒ», Β«ThrillerΒ» und Β«BadΒ» (1987) hatte Jones den Gipfel des PopmusikgeschΓ€fts erreicht. Und als sei das irgendwie nicht genug gewesen, schlug er parallel Schneisen in die Film-, Fernseh- und Zeitschriftenbranche: Soundtrack zu Β«The Color PurpleΒ» von Steven Spielberg, Produzent der TV-Sitcom Β«Der Prinz von Bel AirΒ», Herausgeber der Musikzeitschriften Β«VibeΒ» und Β«SpinΒ».
Werbung
Unter der karitativen Arbeit blieb vor allem die Benefiz-Single Β«We Are the WorldΒ» mit Jackson und Lionel Richie in Erinnerung. Teils wirkte Jones wie eine Art inoffizieller Kulturbotschafter der USA.
Quincy Jones und Will Smith: Jones war Produzent der TV-Sitcom Β«Der Prinz von Bel AirΒ».NBC/Getty Images
Quincy Jones und Will Smith: Jones war Produzent der TV-Sitcom Β«Der Prinz von Bel AirΒ».NBC/Getty Images
Mehr Songs, keine Hooklines
Am Ende gab es scheinbar fast nichts, was Jones im US-Entertainment nicht gemacht oder erlebt hatte - und darΓΌber hΓΆrt er sich offenbar auch gern selbst reden. Er packt Anekdoten zu den Beatles, Prince, David Bowie und Rapper Tupac Shakur aus, aber auch zu Malcolm X, Elon Musk, Truman Capote und Buzz Aldrin.
Bei all diesen Begegnungen und Errungenschaften sei es Β«schwer zu glauben, dass sie alle die Erfahrungen eines einzigen Mannes sindΒ», schrieb das Magazin Β«GQΒ» nach einem Interview im Januar. Ach, und dann wΓ€ren da natΓΌrlich noch sieben Kinder aus drei Ehen und zwei weiteren Beziehungen.
Mit den Kendrick Lamars und Bruno Mars' von heute kann Jones durchaus etwas anfangen. Aber Β«wir brauchen mehr Songs, Mann. Verdammte Songs. Keine HooklinesΒ», sagt er im Blick auf die Ohrwurm-Titel. Zur Frage, was er als Produzent fΓΌr SΓ€ngerin Taylor Swift beispielsweise anders machen wΓΌrde, sagt Jones: Β«Mir wird schon was einfallen.Β»