Abo
Macht

Putin, Obama, Merkel: Wer trägt welche Uhr?

Welche Uhr ein Präsident oder Premier trägt, ist eine wichtige Entscheidung. Schliesslich setzt der Politiker damit mehr als nur ein modisches Zeichen. Das sind die Zeitmesser der Mächtigen.

Gabriel Knupfer

Donald Trump bekommt zur Amtseinführung eine Uhr der Schweizer Marke Vulcain. Die Tradition gilt seit Harry Truman für alle US-Präsidenten. Ob er die Vulcain Cricket auch tragen wird, ist aber noch offen. Der Milliardär besitzt zahlreiche weitere Luxusuhren.
Noch-Präsident Barack Obama geht – was die Uhr betrifft – fremd. Er wurde schon mit vielen Modellen gesehen. In den letzten Monaten trug Obama meistens eine Smartwatch von Fitbit für rund 250 Dollar.
Noch bescheidener ist die mächtigste Frau der Welt. Angela Merkel trägt eine Uhr der deutschen Lifestyle-Marke Boccia. Die Boccia Titanium gibt es für 89 Euro zu kaufen.
Kein Prasser ist auch der griechische Premier Alexis Tsipras. Seine Gc Watch hat ein Schweizer Uhrwerk und gleicht äusserlich einer Omega, ist aber für einige hundert Franken zu haben.
Dass Linkspolitiker nicht automatisch bescheiden sind, beweist Robert Mugabe. Der Präsident von Simbabwe hat einige prunkvolle Luxusuhren. Auf diesem Bild trägt Mugabe eine ältere Constellation von Omega zur Schau.
Auch der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat ein Flair für Schweizer Uhren. Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Tissot. Dafür spricht zumindest das frühere Beuteschema des Präsidenten.
Wladimir Putin soll einen Uhrensammlung im Wert von mehreren hunderttausend Franken besitzen. Die Stücke stammen von Patek Philippe, Breguet oder wie hier auf dem Bild von Blancpain. Dafür musste sich der Präsident mit einem offiziellen Jahreslohn von rund 150'000 Franken schon kritische Fragen anhören.
Auch der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte gibt sich gern als Mann des Volkes. Seine Uhrensammlung spricht indes eine andere Sprache. Zu seiner Sammlung gehören die Luxusuhr links, wahrscheinlich von Jaeger-LeCoultre, sowie die Pilotenuhr von IWC (r.).
Israels Benjamin Netanjahu hat einen klare Linie – auch was die Armbanduhr betrifft. Die zwei Luminor-Modelle von Panerai sehen beide sehr ähnlich aus.
Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist in der Heimat unter anderem wegen seiner Verschwendungssucht unter Beschuss. Die Ulysse Nardin hilft sicher nicht den Ruf loszuwerden.
Eher politisch motiviert ist die Wahl von Japans Premier Shinzo Abe. Er trägt immer Modelle der japanischen Firma Seiko.
Die Jahre in der Schweiz haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geprägt. Kein Wunder trägt er eine Schweizer Uhr. Überraschend ist indes die Wahl der billigen Movado, die er auf vielen Fotos trägt. Die Movado Moderna kostet nur rund 400 Franken.
Die Identifizierung der Politikeruhren ist nicht immer leicht. Die Armbanduhr von Chinas Präsident Xi Jinping ist beispielsweise nur auf sehr wenigen Fotos zu sehen und deshalb kaum zu bestimmen. Ausserdem besteht immer die Möglichkeit, dass es sich um Fälschungen oder billige Lookalikes handelt, solange die Politiker nicht selbst offenlegen, welche Uhr sie tragen.
Bilder: Keystone|Montage: HZ
1 / 13
RMS

Werbung

Als ob Donald Trump nicht schon reich genug beschenkt worden wäre: Der künftige US-Präsident erhält wie seine Vorgänger von der Schweizer Uhrenfirma Vulcain zur Amtseinführung eine Luxusuhr im Wert von 7000 Franken. Und dies obwohl Vulcain im Moment grosse finanzielle Probleme hat und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter gehen müssen. Trump soll der kleinen Firma in Le Locle zu neuem Schub verhelfen.
Ob Trump das edle Stück auch tragen wird, ist völlig offen. Seine beiden Vorgänger Barack Obama und George W. Bush wurden jedenfalls kaum mit der Uhr gesehen. Stattdessen haben sie, wie viele andere Staatsoberhäupter, einen eigenen Stil bei der Wahl ihrer Zeitmesser gefunden. Während Bush meistens eine billige Trimex am Handgelenk trug, ist Obama in diesem Jahr von seiner Jorg Gray auf eine Smartwatch von Fitbit umgestiegen.

Die Uhr ist ein Hinweis auf die Persönlichkeit

Die Wahl der richtigen Uhr ist für Präsidenten und Premierminister weltweit eine wichtige Entscheidung (siehe Bildergalerie oben). Schliesslich wird jede Bewegung von der Öffentlichkeit mitverfolgt. Und da kann ein zu teures Modell schnell als Hinweis auf Korruption oder ungebührliche Zurschaustellung von Luxus gedeutet werden. Auf der anderen Seite sendet ein preiswertes oder einheimisches Modell eine positive Botschaft an die Wähler.

Partner-Inhalte

Zu den Königinnen des Understatements gehört die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nachdem ihr bei einem Interview der Ärmel des Blazers hochgerutscht war, vermutete ein Experte, dass es sich bei ihrer Uhr um eine teure Jaeger-LeCoultre handeln könnte. Tatsächlich trägt die sparsame Kanzlerin eine Lifestyle-Uhr von Boccia, die für 89 Euro zu kaufen ist (rund 96 Franken).

Putin verschenkt Blancpain

Ganz ähnlich wie bei Merkel verhält es sich beim griechischen Premier Alexis Tsipras. Seine Uhr gleicht von weitem einer De Ville von Omega, ist aber tatsächlich eine Gc Watch für wenige hundert Franken. Doch es gibt auch die echten Luxusuhren-Liebhaber. Am bekanntesten ist dabei wohl die Sammlung von Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
Putin hat vermutlich eine Uhrensammlung mit einem Gesamtwert von mehr als 500'000 Franken. Auf Fotos wurden bei ihm schon Zeitmesser von Blancpain, Patek Philippe und A. Lange & Söhne erkannt. Sowohl einem Arbeiter in einem Rüstungsbetrieb als auch einem Hirtenjungen in Sibirien soll der Präsident auf seinen Touren durchs Land eine 10'000-Franken-Blancpain als Souvenir geschenkt haben.

Präsidentenlohn reicht nicht

Doch die Uhren sorgen auch für Kritik. Bei einem Jahreslohn von etwa 150'000 Franken müsste Putin ziemlich sparsam leben, um sich eine solche Sammlung leisten zu können, argwöhnt die Opposition. Allerdings ist es auch möglich, dass Putin die Uhren geschenkt bekommen hat, was aber ebenfalls nicht unproblematisch wäre.

Werbung

Solche Probleme braucht der Präsident von Simbabwe nicht zu fürchten. Robert Mugabe zeigt seine exklusiven Golduhren oft und gern. Besonders angetan hat es ihm dabei offenbar eine goldene Omega Constellation. Seine Frau und mögliche Nachfolgerin Grace scheint dagegen eher auf Rolex-Uhren zu stehen, von denen sie gleich mehrere besitzt.

Überraschende Einblicke

Eine interessante Sammlung hat auch der populistische Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte. Auf Fotos sind an seinem Handgelenk unter anderem die Schweizer Luxusmarken IWC, Breitling und wahrscheinlich auch Jaeger-LeCoultre zu erkennen. Japans Premier Shinzo Abe dagegen macht mit seinen Uhren ein politisches Statement zugunsten der heimischen Industrie. Seit Jahren trägt er unterschiedliche Modelle von Seiko.
Kein echter Uhrenfan ist wohl Kim Jong-un. Obwohl der Machthaber von Nordkorea einen Teil seiner Kindheit in der Schweiz verbracht hat, trägt er meistens eine billige Movado. Laut Medienberichten soll er aber auch Luxusuhren mögen und einen Schweizer Hersteller dazu gebracht haben, das Logo mit Hammer und Sichel zu ersetzen. Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden.
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

Werbung