Beleidigungen und Entgleisungen: So kennt man Trump. Parteigrössen der Republikaner wird das Verhalten ihres Kandidaten nun aber langsam zu viel. Immer mehr Prominente verwehren ihm die Unterstützung.
Christian Bütikofer
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Zehn Wahlversprechen von Donald Trump:Donald Trump will eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko bauen, um die illegale Einwanderung zu stoppen. Das Bauwerk soll rund 1600 Kilometer lang werden. Experten rechnen mit Kosten von mindestens 25 Milliarden Dollar. Den Mauerbau sollen nach Trumps Vorstellung die Mexikaner finanzieren. Falls Mexiko nicht einwilligt, will der Milliardär das Nachbarland auf andere Wege für den Bau bezahlen lassen. Auf dem Bild demonstrieren Gegner des Projekts.RMSNach dem Terroranschlag im kalifornischen San Bernardino forderte Trump einen vorübergehenden Einreisestopp für Muslime . Seitdem hat er die Forderung leicht abgewandelt. Aktuell spricht Trump davon, zusätzlich die Einreise aus Ländern zu stoppen, welche durch Terrorismus gefährdet sind – dazu zählt er beispielsweise auch Frankreich.RMSTrump will der US-Industrie zu einer Renaissance verhelfen. Millionen von Stellen, welche ausgelagert wurden, sollen wieder in den USA angesiedelt werden. Bewerkstelligen will dies Trump unter anderem, indem er etwa das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) neu aushandelt.RMSIn der Handelspolitik verspricht Trump eine radikale Kehrtwende: Er will unter anderem Zölle auf Produkte aus Mexiko und China einführen. Flickr/CC/Michael MandibergRMSTrump ist kritisch gegenüber dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta und dem geplanten Freihandelsdeal mit Asien TPP. Er will sie entweder neu aushandeln oder kündigen. In diesem Punkt hat Trump eine ähnliche Haltung wie seine Gegnerin: Auch Clinton fordert einen Marschhalt bei Freihandelsabkommen.RMSTrump will das bei Republikanern verhasste neue Gesundheitsgesetz «Obamacare» abschaffen und mit einer marktbasierten Lösung ersetzen.RMSAuch der Deal mit dem Iran zur Lösung des Atomstreits ist für viele Republikaner ein rotes Tuch (in diesem Bild: Aussenminister John Kerry und sein iranischer Amtskollege Mohammad Javad Zarif). Trump verspricht, das Atomabkommen neu auszuhandeln.RMSDie staatliche Altersvorsorge «Social Security« ist beliebt – kein Wunder, will sie Trump nicht antasten.RMSTrump stellt allen Amerikanern eine Steuersenkung in Aussicht – auch die Superreichen sollen von einem Rabatt profitieren. Trumps Pläne würden ein Loch in die Staatskasse reissen. Wie er die Steuerausfälle kompensieren will, hat der Kandidat bislang nicht erklärt. Flickr/CC/401(K) 2012RMSTrump will hart gegen die Terrormiliz IS durchgreifen. Unter anderem verspricht er, deren Geldquellen auszutrocknen.Bildquelle sofern nicht anders gekennzeichnet: KeystoneRMS
Die Kandidatur von Donald Trump fürs US-Präsidentenamt reisst immer grössere Löcher in die Reihen der republikanischen Partei. Selbst Trumps eigener Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten, Mike Pence, liess nun öffentlich Distanz erkennen. Pence stellte sich im Sender Fox News ausdrücklich hinter Parlamentschef Paul Ryan, dem Trump zuvor die Unterstützung verweigert hatte.
Pence ist längst nicht der einzige Republikaner, der sich in diesen Tagen deutlich von Trump distanziert. Der umstrittene Präsidentschaftsanwärter bringt seine Partei zunehmend gegen sich auf: Parteichef Reince Priebus liess erklären, er sei «ausserordentlich empört» über Trumps beispielloses Verhalten gegenüber Ryan. In Washington wird Trumps Vorgehen als Retourkutsche gewertet, weil sich Ryan wiederholt kritisch über Trump geäussert hatte.
Verborgene Minen vermutet
Und weil sich Trump seit Monaten weigert, seine Steuererklärung zu veröffentlichen – wie das von allen Kandidaten seit den 1970er-Jahren erwartet wird – hat er nun auch den letzten US-Präsidentschaftsanwärter der Republikaner, Mitt Romney, gegen sich.
Auf Facebook meinte er, die einzig logische Erklärung für Trumps Weigerung zur Steueroffenbarung sei, dass er «eine Bombe von ungewöhnlicher Grösse» zu verbergen habe. Auch meinte Romney öffentlich: «Ich prophezeie, dass in Trumps Steuererklärungen noch mehr Minen verborgen sind.»
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Gold-Star-Familie angepöbelt
Seit jeher polarisiert Trump mit Forderungen nach einem Einreiseverbot für Muslime oder nach einer Mauer an der Grenze Mexikos. Mit seiner Kritik an der Familie eines im Irak getöteten muslimischen US-Soldaten brach er vor einigen Tagen aber ein Tabu. Die Angehörigen im Krieg gefallener amerikanischer Soldaten werden als Gold-Star-Familien bezeichnet und gelten als unantastbar.
Als Reaktion auf diese Pöbelei verkündete der New Yorker Republikaner Richard Hanna als erster öffentlich, er werde Hillary Clinton wählen. Er erwarte keinen perfekten Kandidaten, «aber ich verlange mehr als die Verkörperung einer zumindest engeren Auswahl der sieben Todsünden.»
Beleidigungen und böse Ahnungen
Auch der prominente Senator John McCain, der Präsident des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und der Anführer der Republikaner im Senat, der zweiten Kammer des Parlamentes, Mitch McConnell, kritisierten Trump öffentlich.
Der Milliardär, der sich einem Einsatz in Vietnam entziehen konnte, beleidigte John McCain schon früher: McCain wurde in Vietnam ein Kriegsgefangener – Trump sagte dazu: «Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?»
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Der einflussreiche Republikaner Newt Gingrich appellierte eindringlich an den Kandidaten, sein Auftreten zu ändern. «Er hat noch nicht den Übergang zum potenziellen Präsidenten der Vereinigten Staaten geschafft», sagte Gingrich am Mittwoch im Sender Fox Business Network. «Seine Äusserungen der vergangenen Woche lassen nichts Gutes für seine Kampagne ahnen.»
Wechsel ins Lager von Clinton
Auch aus der Wirtschaft bläst Trump zunehmend ein rauer Wind ins Gesicht. Nun hat ihm die Chefin von Techriese Hewlett-Packard, Meg Whitman, die Liebe aufgekündigt. Trump sei eine Gefahr für die Demokratie, sagte die Frau, die den Republikanern in der Vergangenheit grosse Wahlgelder beschafft hatte. Auch sie wird nun Clinton unterstützen – nicht nur mit Worten.
US-Investorenlegende Warren Buffett spricht Trump gar sämtliche Wirtschaftskompetenz ab. Auch er setzt sich für Clinton ein. Dazu gesellt sich nun eine weitere Pleite an der Wirtschaftsfront: Das von Trump gegründete Casino «Trump Taj Mahal» in der Vergnügungsstadt Atlantic City muss schliessen.
Das Casino war 1990 mit grossen Pomp eröffnet und als «achtes Weltwunder» bezeichnet worden. Doch schon ein Jahr später musste Trump für die Spielhölle mit den goldenen Kuppeln Insolvenz anmelden. Heute gehört es Investor und Milliardär Carl Icahn. Er wurde von Trump für den Fall eines Wahlsiegs als möglicher Finanzminister genannt.
Das sind die Wahlversprechen von Trumps Widersacherin Hillary Clinton:
(mit sda)
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Die wichtigsten Wahlversprechen von Hillary Clinton. Die Präsidentschaftsanwärterin verspricht eine Erhöhung des Mindestlohnes. US-Angestellte sollen landesweit mindestens 12 Dollar pro Stunde verdienen. Aktuell liegt die Untergrenze bei 7,25 Dollar.RMSClinton will die Lohnschere zwischen Frauen und Männern schliessen: Gleiche Arbeit soll unabhängig vom Geschlecht gleich entöhnt werden.RMSEines der wichtigsten Themen für Clinton sind die hohen Studiengebühren. Das liegt vor allem daran, dass ihr parteiinterner Rivale Bernie Sanders allen Amerikanern ein kostenloses Universitätsstudium versprach. Clinton geht weniger weit: Sie will jenen Studenten ein Gratisstudium ermöglichen, deren Familien weniger als 125'000 Dollar pro Jahr verdienen. Flickr/CC/Derek SpringerRMSClinton will die US-Einwanderungspolitik umfassend reformieren. Einwanderer sollen einfacher an die US-Staatsbürgerschaft gelangen. Sie erhofft sich dadurch viele Stimmen von den Latinos – Clintons Haltung gegenüber Einwanderern stösst bei diesen Wählern auf viel Zustimmung.RMSDie Reform des US-Gesundheitswesens ist eines der wichtigsten politischen Erfolge von Barack Obama - fast alle Amerikaner erhielten dadurch Zugang zu einer Krankenversicherung. Clinton will daran anknüpfen und «Obamacare» stärken und erweitern.RMSDas oberste US-Gericht fällte vor einigen Jahren den umstrittenen «Citizen United»-Entscheid: Wegen dieses Beschlusses fliesst das Geld im Wahlkampf praktisch unbegrenzt. Clinton will den Entscheid wieder umstossen. Allerdings profitiert sie momentan selber von finanzkräftiger Unterstützung.RMSClinton ist kritisch gegenüber neuen Freihandelsabkommen – und stellt sich damit gegen Präsident Barack Obama, welcher für den pazifischen Freihandelsdeal TPP weibelt.RMSClinton will neue Regeln für den Waffenkauf einführen. Sie riskiert damit den Widerstand von der einflussreichen Lobbygruppe NRA.RMSDie US-Infrastruktur ist in einem schlechten Zustand. Clinton will darum massiv in Brücken, Strassen oder Flughäfen investieren – insgesamt sollen 275 Milliarden Dollar in Bauprojekte fliessen. KeystoneRMSClinton plant Steuererhöhungen – aber nur für die reichsten Amerikaner. Eine Steuererhöhung für die Mittelklasse hat sie hingegen mehrfach ausgeschlossen. Flickr/CC/Fibonacci Blue/Bildquelle für die übrigen Fotos: KeystoneRMS