Das unauffΓ€llige FirmengebΓ€ude im Cargo-Bereich des ZΓΌrcher Flughafens wirkt nicht gerade einladend. Doch der Aston Martin, der direkt vor dem Eingang steht, zeigt mir, dass ich richtig bin. Hier beginnen die Reisen der Superreichen. Heute werde auch ich zum ersten Mal in einem Privatjet fliegen. Darauf habe ich lange gewartet.
Sonst sehen meine FlΓΌge meist so aus: Schreiende Babys, deren MΓΌtter offenbar noch nie von der Erfindung des Nuggis gehΓΆrt haben, betrunkene Sitznachbarn, die mit viel Alkohol ihre Flugangst ΓΌberwinden, bevor sie schnarchend einschlafen und SchΓΌlerinnen, die einen Flug lang ihre Gesichter in die KotztΓΌte stecken β jeder, der schon einmal in einer vollgestopften Economy-Klasse eingezwΓ€ngt war, weiss wie nervig fliegen sein kann.
LΓ€chelnde ZΓΆllner
KΓΌnftig auf einen Privatjet umzusteigen, ist den meisten dann aber doch zu teuer. Ausprobieren wΓΌrden es aber viele sicher gerne. Ich habe mir jedenfalls schon mehr als einmal gewΓΌnscht, nicht zu den 99 Prozent der Normalsterblichen zu gehΓΆren, die sich LinienflΓΌge antun mΓΌssen. Und so habe ich sofort zugesagt, als ich vom Privatjetanbieter Netjets zu einem Promoflug mit der Cessna Citation Latitude eingeladen wurde. Schon die Sicherheitskontrolle ist β zumindest am Flughafen ZΓΌrich β total entspannt und speditiv. Von der Lounge muss ich keine zwanzig Schritte machen, bis ich beim GepΓ€ckscanner im gleichen GebΓ€ude bin. Statt langen Schlangen und ansteckend nervΓΆsem Personal lΓ€cheln ZΓΆllner und Polizisten und winken mich durch. Mit einem schwarzen Van von Mercedes werden wir zum Flugzeug gefahren. Augenblicke spΓ€ter stehe ich vor der fabrikneuen Cessna. Die Piloten erwarten uns und erklΓ€ren beim Einsteigen den Flugplan.
Nur gute PlΓ€tze
Wohin wir fliegen werden ist mir in diesem Moment eigentlich ziemlich egal. Der erste Eindruck vom Innern ist ΓΌberwΓ€ltigend. Gleich beim Eingang ist die Nespresso-Maschine platziert. Nach vorne ist der Blick ins Cockpit offen, im Passagierraum stehen sechs grosse Ledersessel fΓΌr uns bereit. Jeder Passagier sitzt zugleich am Fenster und am Gang β die schwierigste Entscheidung bei der Auswahl des Sitzplatzes bleibt mir damit erspart. Ich nehme einen Platz in der hinteren Reihe, so dass es weniger auffΓ€llt, wenn ich lieber rausschaue, als den AusfΓΌhrungen der Begleiter zu folgen. Der Innenraum ist in hellem Grau gehalten und aus dem Soundsystem tΓΆnt Β«Up in the SkyΒ» von 77 Bombay Street. Doch dann, als ich es mir in meinem Sessel gemΓΌtlich gemacht habe, die erste kleine EnttΓ€uschung. Selbst im Privatjet gibt es eine Sicherheitseinweisung. So erfahre ich, dass die Sauerstoffmasken im Fall eines Druckverlustes automatisch aus der Decke kommen wΓΌrden und dass sich die Schwimmwesten β wichtig bei einer Notwasserung im Bodensee β unter den Sitzen befΓ€nden.
Steil nach oben
Endlich werden die Triebwerke gestartet. Seit meiner Ankunft ist eine knappe halbe Stunde vergangen. Das ist nicht schlecht, denn sonst bin ich immer mindestens eine Stunde vor dem Start am Flughafen β und muss am Ende oft doch noch rennen. Start und Steigflug sind heftiger als mit einem grossen Flugzeug. Bis die Cessna die gewΓΌnschte HΓΆhe erreicht hat, werde ich wegen dem steileren Anstellwinkel in den Sessel gepresst. Das Triebwerk ist zwar nicht besonders laut, macht aber ein unangenehmes GerΓ€usch, Γ€hnlich dem hohen Surren eines RasenmΓ€hers. GlΓΌcklicherweise geht das schnell vorΓΌber. Es wird leise in der Kabine und der Flieger scheint beinahe zu gleiten. Im Gegensatz zu den oft zerkratzten Bullaugen der Linienflieger sind die zehn Fenster riesig und an diesem Tag bietet sich eine fantastische Aussicht auf Bodensee und Alpen. Mit einem iPad kann ich die Klimaanlage, den Sichtschutz und das Soundsystem von meinem Platz aus bedienen. Das Wlan funktioniert, wenn auch nicht gerade superschnell.
Rauchen erlaubt
Ziemlich angenehm ist die KabinenhΓΆhe von 1,83 Metern. Ich kann aufrecht stehen und mich frei im Flieger bewegen, wenn die Anschnalllichter aus sind. Im Cockpit haben die Piloten wΓ€hrend dem Reiseflug Zeit fΓΌr ErklΓ€rungen β oder dazu den GΓ€sten einen Kaffee aus der Maschine zu lassen. Und eigentlich kΓΆnnte ich mir jetzt sogar eine Zigarette drehen, doch ich will meine fΓΌnf Mitreisenden nicht belΓ€stigen. Sehr spΓΌrbar ist die geringere KabinendruckhΓΆhe. Obwohl die Cessna hΓΆher fliegt, als ein Linienflug β bis zu 13'700 Meter ΓΌber dem Boden β und so dem dichtesten Flugverkehr und vielen Unwettern ausweichen kann, bleibt der Innendruck hoch. In Verkehrsflugzeugen darf der Luftdruck nicht unter eine DruckhΓΆhe von 8000 Fuss fallen. Passagiere fΓΌhlen sich dabei wie auf einem 2400 Meter hohen Berg. In der Cessna dagegen wird in der Kabine ein Druck erzeugt, der einer HΓΆhe von 5950 Fuss (1800 Meter) entspricht.
Lohnt sich der Preis?
Der hΓΆhere Kabineninnendruck kommt zum Schluss des Fluges am meisten zur Geltung. Obwohl Sinkflug und Landung analog zum Start ziemlich abrupt vonstattengehen, habe ich keinen Druck auf den Ohren wie sonst. ZurΓΌck am Boden bin ich genauso fit wie vor dem Start β und nicht gerΓ€dert wie nach vielen anderen FlΓΌgen. Es ist tatsΓ€chlich so: Ein Flug im Privatjet ist von Anfang bis Ende ein schΓΆneres Erlebnis als ein Linienflug. Daran kΓΆnnte ich mich gewΓΆhnen. Doch wΓ€re ich wirklich bereit, dafΓΌr 5000 Franken oder mehr pro Flugstunde hinzublΓ€ttern? Ich weiss es nicht, aber fΓΌr einen Journalisten ist die Frage ohnehin eher hypothetischer Natur.
Der Flug fΓΌr Journalisten wurde von Netjets Europe ermΓΆglicht.