Der Weg zur neuen Piaget-Chefin Chabi Nouri fΓΌhrt ΓΌber eine BrΓΌcke, vorbei β¨an Kameras, Gegensprechanlagen und TΓΌrschleusen. In einem kleinen Sitzungszimmer in der Manufaktur von Piaget in Plan-les-Ouates in Genf spricht Nouri ΓΌber Uhren, Schmuck und ihre Strategie. Eine zierliche Frau im Hosenanzug, mit langen braunen Haaren, grossen Augen, weichen ZΓΌgen und krΓ€ftiger Stimme. Β«Ich bin gut vorbereitetΒ», sagt sie. Am 1.βApril ΓΌbernahm Nouri ganz offiziell die GeschΓ€ftsfΓΌhrung des Uhren- und Schmuckhauses.
Sie weiss, was auf sie zukommt, daran lΓ€sst ein Blick in ihren Lebenslauf keinen Zweifel. Bevor sie 2014 zu Piaget kam, war die gebΓΌrtige Schweizerin elf Jahre bei Cartier tΓ€tig sowie sechs Jahre bei British American Tobacco als Global Director der Vogue-Zigaretten in London und im Bereich Sales & Marketing der Schweiz.
Wenig leitende Frauen
In unsicheren Zeiten soll sie Piaget nun wieder zu altem Glanz verhelfen. Sie trat nicht nur in die Fussstapfen ihres VorgΓ€ngers Philippe LΓ©opold-Metzger, der die Marke ΓΌber 17 Jahre fΓΌhrte, sondern ist derzeit auch die einzige Frau, die eine Uhren- und Schmuckmarke der Richemont-Gruppe fΓΌhrt. Die Liste weiblicher CEOs im Bereich Schmuck und Uhren bei Richemont ist ohnehin kurz: Einzig Isabelle Guichot leitete zwischen 1999 und 2005 das Schmuckhaus Van Cleef & Arpels und die Ledertaschenmarke Lancel. In der von MΓ€nnern dominierten Uhrenwelt ist die Besetzung Nouris vielleicht ein Wendepunkt. Schon letztes Jahr liess Richemont-PrΓ€sident Johann Rupert an einem Investorenmeeting verlauten, er wolle weniger grauhaarige Franzosen in seinem Konzern sehen, es gebe zu wenige Frauen.
Kriselndes UhrengeschΓ€ft
Etwas frischer Wind kann im Hause Piaget sicher nicht schaden. Denn Uhren, besonders Luxusuhren, haben in den letzten Jahren dem Umsatzwachstum zu keinen grossen SprΓΌngen verholfen. Man kΓΆnnte gar von einer Krise der Branche sprechen. Der Betriebsgewinn des Genfer Richemont-Konzerns schrumpfte 2016 um 15 Prozent. Luxus verkauft sich nicht mehr so leicht. In Zeiten des internationalen Terrors bleiben kaufkrΓ€ftige Kunden aus Asien und Fernost aus. Nun liegt es an der 42-jΓ€hrigen Nouri, die Marke wieder nach vorne zu bringen. Die ersten Schritte dazu hat sie bereits in den letzten zwei Jahren getan, in denen sie als Marketingchefin ein besonderes Augenmerk auf die Schmucksparte legte.
ZurΓΌck zur alten DNA
Unter Nouri soll die Maison zur alten DNA zurΓΌckfinden. Β«Piaget hat eine lange Vergangenheit. Wir mΓΌssen daran arbeiten, die Marke weltweit noch bekannter zu machen, unsere Kunden mΓΌssen verstehen, wofΓΌr Piaget steht: Wir sagen Ja zum LebenΒ», so Nouri. Einen Blick in die Vergangenheit gewΓ€hrt Piaget zum diesjΓ€hrigen 60-Jahr-JubilΓ€um des Modells Altipla- no, der weltweit flachsten mechanischen Uhr, mit einer Limited Edition und neuen Modellen fΓΌr die regulΓ€re Kollektion. Gute Ideen sind gefragt, denn bei Piaget muss etwas passieren: Im vergangenen Jahr wurden laut SchΓ€tzungen zehn Prozent weniger Uhren exportiert. Einen Negativtrend kann Chabi Nouri nicht von der Hand weisen, aber es seien auch die KundenwΓΌnsche, die sich verΓ€ndert hΓ€tten, darauf sei zu reagieren. Mit der Stahluhr Polo S hat man zum Beispiel bewusst eine Tagesuhr entwickelt, die preislich auch fΓΌr eine jΓΌngere Generation erschwinglich ist. Β«Es ist noch ein langer Weg, aber wir haben viele MΓΆglichkeitenΒ», sagt Nouri.
Die Frau als Kundin
Als Kennerin der Branche verbreitet sie Optimismus. ZurΓΌck zur DNA: Das heisst bei Piaget eine Schmucksparte β und Uhren. Ultraflache Uhren, viel Gold, aufwendig dekorierte Werke und Schmuckuhren. Letztere seien in den vergangenen zwei Jahren wieder mehr im Kommen. Und die Frau als attraktive Kundin spielt eine immer grΓΆssere Rolle. Dass ausgerechnet Nouri als Frau fΓΌr mehr Weiblichkeit sorgen soll, bestreitet sie vehement. Ohnehin gehe es nicht darum, ob sie ein Mann oder eine Frau sei β auf die Kompetenz komme es an. Β«FΓΌhrungskompetenz hΓ€ngt nicht mit dem Geschlecht zusammen.Β» Und wie sieht sie ihre Rolle als Frau im Konzern? Diversity sei ihr wichtig, auch im Unternehmen. Β«Aber ich mΓΆchte nicht nur von mir sprechen. Die Marke steht im Vordergrund, nicht meine Person.Β»
Sobald es um die Schmucklinie geht, blΓΌht Nouri auf. Sie selber trΓ€gt selbstverstΓ€ndlich Piaget. Ohrringe, Kette, Uhr, Ring, ArmbΓ€nder. WΓ€hrend sie ΓΌber die verschiedenen Kollektionen spricht, streicht sie ΓΌber ihre Armreifen. Fast zΓ€rtlich dreht sie ein funkelndes Armbandelement vor und zurΓΌck und erklΓ€rt, dass die Possession Collection in den letzten zwei Jahren ein Boost fΓΌr die Maison gewesen sei. Β«An jedem SchmuckstΓΌck lΓ€sst sich etwas drehen. Es macht sΓΌchtig.Β»
Positive Belastung
Bevor das GesprΓ€ch beendet ist, lenkt Chabi Nouri doch noch ein und fragt, ob man noch persΓΆnliche Fragen stellen wolle. Und sie erzΓ€hlt, warum sie nach einem Wirtschafts- und Jurastudium an der UniversitΓ€t Freiburg Gemmologie, die Wissenschaft der Edelsteine, studierte. Β«Ich wollte Steine und Mineralien besser verstehen. Sie sind faszinierend, haben so viele verschiedene Facetten β es ist wie eine andere Welt.Β» Piaget kenne sie schon seit ihrer Kindheit, sie freue sich auf die bevorstehenden Herausforderungen. Ihre neue Aufgabe sei auch mit ihrem Privatleben gut vereinbar. Β«Ich habe Kinder, Hunde und bin verheiratet.Β» Ist Nouri auf Reisen, springen ihre Eltern ein und kΓΌmmern sich um die zwei Kinder. Β«Es ist alles eine Sache der Organisation.Β» Und ja, sagt sie, die Arbeit nehme sie auch ab und an mit nach Hause, das sei nicht zu vermeiden. Β«Aber ich arbeite gerne, und somit ist die Belastung auch eine positive.Β»