Abo
Vermietung

One World Trade Center: Das neue Silicon Valley

Es ist New Yorks ganzer Stolz: Seit November ist das One World Trade Center auf dem Ground Zero bezugsbereit. Interessiert sind vor allem Medien- und Technologiefirmen - fΓΌr die Vermieter ein Problem.

Dominic Benz

one-world-trade-center.jpg
Das One World Trade Center: Finanzbranche hat hier kein Interesse mehr an BΓΌros.Keystone RMS

Werbung

Der neue Stolz von New York steht auf dem Ground Zero im sΓΌdlichen Teil Manhattans. Das One World Trade Center reicht 541 Meter in den Himmel und ist damit eines der hΓΆchsten Wolkenkratzer der Welt. Kostenpunkt: 4 Milliarden Dollar. Im November wurde der Glas- und Stahlkoloss erΓΆffnet. Der erste Mieter, der einzog, war CondΓ© Nast.

Der Verlag ist bezeichnend fΓΌr die neuen Bewohner des World Trade Center. Hatten in den alten ZwillingstΓΌrmen, welche die 9/11- Terroristen zum Einsturz brachten, noch Unternehmen aus der Finanzbranche die BΓΌros dominiert, mieten sich in den neuen TΓΌrmen vorwiegend Firmen aus der Medien-, Technologie- sowie Werbe- und Kommunikationsindustrie ein. Schon jetzt sprechen Insider von einem Β«in den Himmel ragenden Silicon ValleyΒ».

Tech-Firmen vertreiben GeldhΓ€user

Junge, kreative Firmen belegen in den GebΓ€uden One und Four World Trade Center, den ersten fertiggebauten TΓΌrmen auf dem Ground Zero, rund ein Drittel der bisher vermieteten BΓΌros. Vor den TerrroranschlΓ€gen machten sie bloss drei Prozent aus, schreibt die kanadische Zeitung Β«The Globe and MailΒ».

Bei den Banken und anderen Finanzkonzernen ist die Entwicklung umgekehrt. Im alten World Trade Center mieteten sie gut 80 Prozent der BΓΌros. Unter den aktuellen Mietern machen sie nur noch 1,3 Prozent aus. Die restlichen gut 40 Prozent der jetzigen VertrΓ€ge wurden mit staatlichen Einrichtungen geschlossen.

Partner-Inhalte

UBS verzichtet auf BΓΌros

Die Finanzbrache wird zusehends aus Lower Manhattan verdrΓ€ngt – auch wenn sich die BΓΆrse an der Wall Street in unmittelbarer NΓ€he zum World Trade Center befindet. Die Tage, an denen die Finanzkonzerne den sΓΌdlichsten Teil der Insel Manhattan dominierten, seien vorbei, sagt Makler Marc Shapses vom New Yorker Immobilienkonzern Savills Studley gegenΓΌber Β«The Globe and MailΒ». Viele Firmen seien mittlerweile nach Midtown gezogen.

Und diese dΓΌrften kaum zurΓΌckkehren  – trotz der Verlockung eines prestigetrΓ€chtigen BΓΌros in einem der neuen Wolkenkratzer. Die Unternehmen wΓΌrden sich heute vorsichtiger verhalten und bevorzugt ihre bestehenden MietvertrΓ€ge verlΓ€ngern, um Kosten zu sparen, sagt Shapses. So haben sich Banken wie Citigroup, JP Morgan und die Schweizer UBS gegen einen Platz in den TΓΌrmen entschieden.

Lower Manhattan wird immer hipper

Vor allem kreative Firmen mit jungen Mitarbeitern wΓΌrden sich fΓΌr einen Platz im neuen World Trade Center interessieren. Das widerspiegle die Tatsache, dass Downtown Manhattan stetig Β«hipperΒ» geworden sei, so der Immobilien-Experte.

Einer der neuen Mieter im riesigen Wolkenkratzer ist die Firma High 5 Games, die Games fΓΌr Casinos und soziale Netzwerke entwickelt. Das One World Trade Center und das Silicon Valley in Kalifornien wΓΌrden sich gut ergΓ€nzen, sagt Marketing-Vize Patrick Benson von High 5 Games gegenΓΌber der kanadischen Zeitung. Β«Das GebΓ€ude bietet alles, was wir brauchen.Β» Dazu wΓΌrden modernste Technologie, offene BΓΌros und MΓΆglichkeiten fΓΌr eine Erweiterung der RΓ€ume gehΓΆren.

Werbung

Vermietung harzt

Der neue Mieter-Trend am Ground Zero verursacht jedoch Probleme fΓΌr die Vermieter. Viele neuen Technologie- oder Kommunikationsfirmen brauchen im Gegensatz zu Grossbanken oder Versicherungen verhΓ€ltnismΓ€ssig wenig Platz. Nicht selten beschΓ€ftigen sie nur ein paar Dutzend Mitarbeiter. Die Folge: Knapp 186'000 Quadratmeter im One und Four World Trade Center sind noch unvermietet.

Bis jetzt haben knapp 307'000 Quadratmeter einen Mieter gefunden. Alleine im grΓΆssten Wolkenkratzer sind nur 62 Prozent der potenziellen MietflΓ€che vergeben. Eine Ausnahme unter den neuen Mietern ist CondΓ© Nast. Der Verlag benΓΆtigt viel Platz und belegt BΓΌros in der GrΓΆsse von ΓΌber 111'000 Quadratmetern.

TerroranschlΓ€ge dΓΌrften abschrecken

2014 fand man Mieter fΓΌr lediglich knapp 32'000 Quadratmeter in den zwei bisher fertigen HochhΓ€usern. Die grΓΆsste vermietete FlΓ€che war nicht einmal 10'000 Quadratmeter gross. Sie bezieht die 2007 gegrΓΌndete Online-Werbe-Firma Mediamath. Gehe es so weiter, dann dΓΌrften frΓΌhestens 2019 rund 95 Prozent der BΓΌros besetzt sein, schreibt Β«The Globe and MailΒ». Problematischerweise kommt hinzu, dass die BΓΌroflΓ€chen zu den teuersten der Stadt gehΓΆren wΓΌrden.

Und eine weitere Tatsache wiegt schwer: Die HochhΓ€user stehen dort, wo einst Tausende Menschen ihr Leben verloren. Die TerroranschlΓ€ge in New York dΓΌrften noch heute viele Mieter abschrecken. Deshalb glauben auch einige Immobilien-Experten nicht daran, dass die TΓΌrme jemals vollstΓ€ndig vermietet werden kΓΆnnen.

Werbung

Werbung