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Nordisch

Ohne Kompromisse

Skandinavische Mode ist unaufgeregt und subtil. Sie trifft damit den Puls der Zeit und erobert langsam die Welt. Die Marke Acne ist das Paradebeispiel einer Erfolgsgeschichte.

Kathrin Eckhardt

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Skandinavische Mode RMS

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Hoch im Norden lieben die Menschen Kleider. Das ist nicht verwunderlich, denn die Textilkette H&M gehârt in die skandinavischen Strassen wie das Smârrebrâd auf den Teller der NordlÀnder. Die Winter sind lang, und deshalb, erzÀhlen Skandinavienkenner, fliesst das meiste Ersparte in die Garderobe und in ein gemütliches Zuhause. In Dinge, die zumunmittelbarenWohlbefinden beitragen.Modemarken, die auf diesemBoden Wurzeln schlagen, haben gute Aussichten. Die unaufgeregte, fast banale Kleidung der modebewussten Menschen im Norden imponiert auchdemRest derWelt. Skandinavische Mode ist oft in gedeckten Farben gehalten, hat gradlinige Schnitte und eine schlichte Anmut. Sie kümmert sich umnachhaltig produzierte Stoffe und faire Produktionsbedingungen. IhrDesignpasst für MÀnner und Frauen oft gleichermassen, ganz in der Tradition des Gleichstellungsgedankens, der in Skandinavien vorbildlich umgesetzt wird. Aktuell überflutet die Jeansmarke Cheap Monday mit ihren hautengen schwarzenHosen die Welt. Die Marke Nudie Jeans überzeugt mit fair produzierter Baumwolle, und Filippa K besticht mit hochwertigen Materialien und eleganten Schnitten. Eine Mode, die vielenMenschen zu gefallen scheint.
Eine der nordischen Marken lΓ€sst sich gerade auf der ganzen Welt nieder – mit Flagship Stores von Los Angeles bis Tokio. Die Rede ist von Acne, was so viel wie Ambition to Create Novel Expression heisst. Mit 100 Millionen Euro Umsatz und 35 eigenen LΓ€den weltweit sind die MΓΆglichkeiten gross, und die Streuung der Niederlassungen ist ΓΌberlegt gewΓ€hlt.

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Acne wurde 1996 von vier Kreativen als Kollektiv in Stockholm gegrΓΌndet. Sie wollten eine Lifestyle-Marke mit einmaligen Produkten schaffen – ebenso eine Kreativ- Agentur, die andere Marken aufbaut und berΓ€t sowie Werbung, Filme und Grafik erstellt. Ihr TΓ€tigkeitsfeld, so schrieben sie selbst, bewege sich zwischen Kunst und Industrie. Bis heute sind diese verschiedenen Bereiche unter demselben Markennamen vereint. Ein Jahr nach der GrΓΌndungverteilte das Kollektiv hundert Paar Jeans mit hellroten NΓ€hten an Freunde und Familie. Diese raren StΓΌcke waren Acnes Eintritt in die Modewelt. Acne Studios steht fΓΌr die Lifestyle- Produkte der Marke, unter deren Namen heute auch Modekollektionen und Accessoires verkauft werden.
Festigung der Firmenmauer
Nach den erstenhundert Jeans folgte die Acne-Kleiderkollektion, die als kreativ undprogressiv galt. Alle wollten den Vertrieb der Kleider aus dem Norden ΓΌbernehmen, die eine NΓ€he zur Kunst und zur Kreativszene ausstrahlten. Doch Acne hatte damals keine Erfahrung mit dem GeschΓ€ft in der Modewelt und musste sich erst um die Festigung der Firmenmauern kΓΌmmern. 2001 wΓ€re das Ganze deshalb fast zu Fall gekommen, hΓ€tte sich der Creative Director und MitgrΓΌnder Jonny Johansson nicht gegen die weisen VorschlΓ€ge seiner Berater entschieden. Diese meinten nΓ€mlich, er solle sich in der Mode ausschliesslich auf die Herstellung von T-Shirts und Jeans konzentrieren. Doch das kam fΓΌr den Vordenker der Marke nicht in Frage.

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Acne beschrΓ€nkte sich zwar zunΓ€chst auf den skandinavischen Markt, kreierte aber weiter Mode, wie sie ihrem Sinn entsprach. Keine Kompromisse einzugehen, erwies sich als klug, Acne Studios wurde stΓ€rker und reinvestierte den Gewinn, was Erfolg und weitere 19 LΓ€den in Skandinavien zur Folge hatte.
Die NΓ€he zum Kunstmilieu ist noch heute wichtiger Bestandteil der Marke. Acne kooperiert fΓΌr die Kollektionen mit KΓΌnstlern, zur zeit mit Katerina Jebb, deren Bildsujets als Druck die Innenseite der Frauenkollektion zieren. Zudem sind ΓΌber Acne Studios BildbΓ€nde und Fotografien zu erwerben.
Das schΓΆpferische Potenzial manifestiert sich auch im Nebenzweig Β«Acne PaperΒ». Das unabhΓ€ngige Magazin befindet sich seit 2005 auf dem Markt. Es wird hoch gelobt von PersΓΆnlichkeiten aus Kultur und Mode wie Karl Lagerfeld oder David Lynch, die sagen: Β«Eines der besten Magazine, die je gemacht wurden.Β» Das Magazin gilt als visuelles und verlegerisches GlanzstΓΌck. Acne tat, was heute viele versuchen – der eigenen Marke durch eine Publikation ein Gesicht zu verleihen. Dabei gehen die Verantwortlichen keine Kompromisse ein, und das funktioniert.
Von Anfang an war fΓΌr den Chefredaktor und Creative Director Thomas Persson klar, dass die Publikation unabhΓ€ngig von den Acne-Produkten herausgegeben werden musste. Inhalt des Magazins sind Kunst, Kultur, Mode und Fotografie, und dafΓΌr wird nur mit den Besten zusammengearbeitet. Mario Testino, Brigitte Lacombe oder Bilder des Altmeisters Irving Penn sind darin zu sehen.

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Der Anspruch der Publikation ist es, etwas Nostalgisches und zugleich erfrischend Modernes zu zeigen. Niemals jedoch wird das Magazin als direkte Werbeplattform fΓΌr die Acne-Produkte genutzt. Das macht die Publikation glaubwΓΌrdig. Β«Acne PaperΒ» war ein weiterer kluger Schachzug des Kollektivs, der das Label noch begehrenswerter macht. Kauft man nicht am liebsten ein Produkt, mit dessen Inhalt man sich identifizieren kann?
Das Gesamtpaket der Acne-Familie macht deren Erfolg aus. Die kompromisslosen GeschΓ€ftsentscheide und die interdisziplinΓ€re Arbeitsweise, die eine geballte Ladung an KreativitΓ€t enthΓ€lt, sind fΓΌr Konsumenten anziehend. Und die Erfolgsgeschichte geht noch weiter, die LΓ€den in Amerika und Japan laufen gut. Acne fasst als nΓ€chsten Ladenstandort Seoul ins Auge und will einen dritten Laden in Paris erΓΆffnen

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