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Motorrad

Moto Guzzi pimpt sich auf Harley-Davidson

Mit der Eldorado und der Audace bringt die italienische Marke zwei Kraftpakete auf die Strasse. Das Problem: Moto Guzzi hat zwei Harley-Davidson-Ebenbilder geschaffen. Eine Schande.

Thomas Delekat

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Adace von Moto Guzzi: Musclebike fรผr den starken Auftritt. Moto Guzzi RMS

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Man kann ja auch mal dankbar sein. Wem? Miguel Galluzzi. Das ist der Designer, der Ende des vergangenen Jahrhunderts die legendรคre Ducati Monster entwarf. Diesmal hat Galluzzi sich fรผr Moto Guzzi an die Arbeit gemacht. Das war vor ziemlich genau drei Jahren.
Die Leute von Guzzi wollten gleich zwei Modelle von ihm haben, und ganz zu Beginn seines Schรถpfungsprozesses muss sich im Designbรผro Galluzzi folgende Szene abgespielt haben: Der Maestro sitzt bei einer Kanne Kaffee am Schreibtisch, seinen Bleistift sieht man nervรถs zwischen Zeige- und Mittelfinger hin- und herpendeln, wรคhrend die andere, freie Hand damit beschรคftigt ist, bei Harley Davidson in der Modellรผbersicht zu blรคttern und in alten Moto-Guzzi-Prospekten.
Erst dann hat er seinen Stift angesetzt, und seit ein paar Wochen ist das Ergebnis heraus. Die beiden neuen Galluzzi-Guzzis sind da, die eine heisst Eldorado, die andere Audace. Man kann das so zusammenfassen: Es ist eine Schande.

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Beide neuen Guzzis sind Designvarianten der California 1400 Touring. Die kam vor drei Jahren auf den Motorradmarkt. Dass das eine echte Guzzi war und dass die beiden neuen auch welche sind, lรคsst sich praktisch nur am Motor erkennen. Es ist die typische, legendรคre, luftgekรผhlte und vom Motorenkonzept her einmalige V2-Maschine, quer eingebaut. Mit riesigem 1380-ccm-Hubraum, 96 PS und ordentlich Bums.
120 Nm Drehmoment bei gemรผtlich kurbelnden 3000 Umdrehungen, das ist die Macht, die Berge versetzt. Und um so etwas ร„hnliches handelt es sich bei den beiden Guzzis auch. Sie bringen es vollgetankt klar รผber 300 Kilogramm.
Galluzzi hat in beide neuen Guzzis so viel Harley-Davidson eingekreuzt, dass man auf das Modell tippen kann. Die Audace sehen wir neben einer Fat Boy Special (21.895 Euro), die Eldorado stellen wir neben die Softail Deluxe (ab 21.195 Euro).

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Ducati gehรถrt zum VW-Konzern, MV Augusta zu Daimler
Was dabei auffรคllt: Die Guzzis sind grรถsser mit einem ellenlang-endlosen Radstand von knapp 1,70 Metern, sie sind deutlich krรคftiger motorisiert und vor allem die Eldorado steht als ein imposantes Show-, Design- und Prachtstรผck da. Momentan dรผrfte die Eldorado im Serienmotorradbau der Hรถhepunkt der Vintage- und Retrowelle sein. Weisswandreifen, gekapselte Federelemente, der Tank erst verchromt, dann teillackiert, das Rรถhrenrรผcklicht am Heck โ€“ so etwas Stilbildendes schneidet der Designstudent sich aus und legt sich es unters Kopfkissen.
Aber die Schande, wo soll da die Schande sein? Der Volkswagen-Konzern hat sich Ducati einverleibt, Mercedes hat sich MV Agusta gegriffen. Aber allen in der Branche, die ein Gefรผhl fรผr Spirit haben, die einen Instinkt, die Wissen und Geschรคftssinn haben โ€“ allen ist klar: Moto Guzzi wรคre der Hauptgewinn gewesen, ist es noch. Moto Guzzi und nichts anderes.

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Es ist genau so, wie es Stefan Pierer, der bedeutendste europรคische Manager in der Motorradindustrie auf den Punkt bringt: Der Adler auf dem historischen Moto-Guzzi-Wappen ist in Europa genau das, was Harley-Davidson fรผr die USA bedeutet: ein รœberflieger, ein Mythos und ein Idol, etwas รคhnlich Ideelles, Ehrenvolles wie eine Goldmedaille.
Miguel Galuzzi kann nichts fรผr die Schande der zwei Harley-Davidson-Ebenbilder. Da hatten auch alle japanischen Marken keine Skrupel. Es war halt ein Auftrag. Der Unterschied ist nur: Egal, wie viel Harley-Davidson an den berรผhmten, unverkennbaren V2-Motor aus den 50er-Jahren (zuerst รผbrigens in einen kleinen Fiat eingebaut) dran- und drumherumgeschraubt wird: Eine Moto Guzzi bleibt durch diesen Motor immer selbst das Original.
Es gibt reichlich elektrisch-elektronisch-digitalen Firlefanz rund um den mรคchtigen historischen V2. Drive-by-Wire, computergesteuerte Einspritzung, dreifach wรคhlbares Motor-Mapping, auch eine Traktionskontrolle ist an Bord. Aber das wahre, echte Vorschlaghammer-Moto-Guzzi-Erlebnis ergibt sich nicht durch technische Datenblรคtter oder Angucken im Stand.

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Die Riesen-Guzzis sind ideal zum Cruisen
Es kommt mit dem Druck auf den Starterknopf. Da bricht ein Dinosaurier durch die Bรผsche. Was eine Schraube ist und nicht bombenfest angezogen, fliegt sofort zur Seite. Die Lenkerenden flattern, das ganze Motorrad bebt, die Erde darunter auch.
Aber mit dem ersten Gasstoss ist das vorbei. Mit mehr als nur Standgas hรคngt die Maschine praktisch vibrationsfrei im gummigelagerten Rahmen. Dafรผr gibt es eine andere, urviechmรครŸige Sensation. Beim ruckartigen Hochdrehen wickelt das Trumm von einer Maschine den Rest des Motorrads gleichsam um die Kurbelwelle herum.
Die Audace und die Eldorado kippen dann mรคchtig nach rechts. Aber der Schub, den der 1400er dann รผber den ersten Gang und die Kardanwelle nach hinten weiterreicht, lรคsst wirklich keine Wรผnsche mehr offen. Es ist, bei kernig-tiefgrรผndigem Bollern so eindrucksvoll wie der Faustschlag auf den Wirtshaustisch, dass die Bierkrรผge tanzen. Bei mehr als 4000 Umdrehungen wird's dann aber uninteressant.

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Speed macht keinen Spass, die Riesen-Guzzis sind etwas zum Thronen und zum Cruisen. Wobei Fahrwerk, Sitzposition und auch der Auspuffsound der Audace deutlich sportlicher als bei der Eldorado sind. Mit der pechschwarzen Audace ist mit ein bisschen รœbung sogar gemรคssigt flottes Kurvenwedeln drin.
Beide Guzzis haben denselben Preis (18'500 Euro). Die amerikanische Konkurrenz liegt bei vergleichbaren Modellen ein paar Tausender darรผber.
Die Reise zum Test der Audace und Eldorado wurde unterstรผtzt von Moto Guzzi. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhรคngigkeit: www.axelspringer.de/unabhaengigkeit
Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfรคltig ausgewรคhlt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion รผbereinstimmen.

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