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Duell

Macron und Le Pen: So konträr sind ihre Ziele

Mit der französischen Präsidentenwahl entscheidet sich die Zukunft der EU. Auch ein Blick in die Wirtschaftsporgramme von Emmanuel Macron und Marine Le Pen zeigt: Sie unterscheiden sich diametral.

Gabriel Knupfer

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Macron vs. Le Pen: Umfragen sehen den europafreundlichen Kandidaten vorne. Keystone RMS

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Nach einem hitzig geführten TV-Duell mit seiner rechten Rivalin Marine Le Pen geht der europafreundliche Kandidat Emmanuel Macron in Frankreich als klarer Favorit in die Präsidentenwahl. Die Erleichterung in Berlin und den anderen Hauptstädten der EU ist gross.

Obwohl Macrons Bewegung «En Marche!» erst ein Jahr alt ist, gilt der Kandidat als Vertreter des Establishments gegen den Populismus und Nationalismus seiner Gegnerin. Warum das so ist, zeigt unter anderem ein Vergleich der Wirtschaftsprogramme, die sich in vielen Punkten diametral unterscheiden.

Gesamtwirtschaft

Macron möchte die Staatsausgaben reduzieren und in fünf Jahren 120'000 Jobs im öffentlichen Sektor streichen. Der Arbeitsmarkt soll flexibilisiert werden. Mögliche negative Folgen der Reformen will Macron mit einem 50 Milliarden Euro schweren Investitionsplan aufangen, der auf eine bessere Ausbildung der Arbeitnehmer abzielt.

Le Pen vertritt einen «ökonomischen Patriotismus» und will die Wirtschaftspolitik aus Brüssel nach Paris zurückholen. Die Kandidatin plädiert für mehr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft und will die Arbeitsmarktreformen von François Hollande zurücknehmen.

Budgetdefizit

Macron hat angekündigt im Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU zu bleiben und das Haushaltsdefizit bis zum Ende der Amtszeit im Jahr 2022 auf 1 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Geschehen soll dies durch Einsparungen bei den Staatsausgaben und eine Erweiterung der Steuerbasis – etwa durch eine Steuer auf Einkommen aus Vermögen.

Sollte Le Pen an die Macht kommen, willl sie so schnell wie möglich aus dem Euro-Stabilitätspakt austreten. Trotz zahlreichen neuen Ausgaben in ihrem Programm strebt sie eine Reduktion des Fehlbetrags auf 1,3 Prozent an. Dazu plant Le Pen die Einführung einer Strafsteuer für die Beschäftigung von Ausländern, neue Steuern auf Importe sowie Einsparungen durch einen Immigrationsstopp und die Bekämpfung von Sozialmissbrauch.

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Arbeitsmarkt

Macron plant Arbeitsmarktreformen und Investitionen in die Ausbildung, welche die Arbeitslosigkeit unter 7 Prozent drücken sollen. 15 Milliarden der 50 Milliarden Euro in seinem Investitionsplan sind für die Berufsbildung reserviert. Die 35-Stunden-Woche würde Macron beibehalten, hat er im Fall einer Präsidentschaft angekündigt.

Le Pen will die 35-Stunden-Woche ebenfalls beibehalten, ist jedoch in einigen Branchen zu Konzessionen bereit. Das Pensionsalter soll auf 60 Jahre gesenkt werden. Die bisherigen die Arbeitsmarktreformen von François Hollande, mithilfe derer Unternehmen Arbeitnehmer leichter einstellen und entlassen können, würde Le Pen zurücknehmen.

Steuern

Macron verspricht die Senkung der Unternehmenssteuern von 33 auf 25 Prozent. Auch die Sozialabgaben auf Löhne sollen geringer ausfallen. Mit der Finanzierung der Arbeitslosenversicherung durch normale Steuern würden Arbeitseinkommen entlastet. Zum Ausgleich der Ausfälle sollen Aktiengewinne und vor allem Immobilienbesitz höher besteuert werden.

Le Pen will die Steuern für Niedrigverdiener sowie kleine und mittlere Unternehmen senken. Die geplanten neuen Steuern auf Importe und auf die Beschäftigung von Ausländern könnten diese Ausfälle nicht wettmachen. Stattdessen verspricht Le Pen Einsparungen von 41 Milliarden Euro durch den Immigrationsstopp.

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Euro

Macron ist für den Euro und die EU, plädiert für eine enge Zusammenarbeit in der EU und will die Organisation demokratisieren.

Le Pen hingegen möchte Referenden zur Abschaffung des Euro und zur Rückkehr zum Franc und dem Austritt Frankreichs aus der EU (Frexit) abhalten.

Fraglicher Rückhalt im Parlament

Ob die Programme der Kandidaten auch umgesetzt werden können, ist offen. Zwar hat der französische Staatspräsident mehr Macht als in den meisten westlichen Ländern. Doch ohne Parlament wird das Regieren schwierig. Und weder Le Pens Front National noch Macrons En Marche können mit einer Mehrheit in der Nationalversammlung rechnen.

Zum Vergleich: Wegen des Mehrheitswahlrechts erreichte der Front National 2012 trotz einem Stimmenanteil von 18 Prozent nur zwei von 577 Sitzen. Auch für Macron dürfte es mit seiner erst ein Jahr alten Bewegung schwierig werden, eine stabile Basis zu erreichen. Die Spannung bleibt damit zumindest bis zu den Parlamentswahlen im Juni gross.

Sehen Sie in der Bildergalerie, welche Uhren mächtige Politiker wie Merkel, Putin und Trump tragen:
Das sind die Uhren der mächtigen Politiker: US-Präsident Donald Trump  bekam zur Amtseinführung eine Uhr der Schweizer Marke Vulcain. Die Tradition gilt seit Harry Truman für alle US-Präsidenten. Ob er die Vulcain Cricket auch tragen wird, ist aber noch offen. Der Milliardär besitzt zahlreiche weitere Luxusuhren.
Der damalige US-Präsident Barack Obama geht – was die Uhr betrifft – fremd. Er wurde schon mit vielen Modellen gesehen. In den letzten Jahren trug Obama meistens eine Smartwatch von Fitbit für rund 250 Dollar.
Noch bescheidener ist die mächtigste Frau der Welt. Angela Merkel trägt eine Uhr der deutschen Lifestyle-Marke Boccia. Die Boccia Titanium gibt es für 89 Euro zu kaufen.
Kein Prasser ist auch der griechische Premier Alexis Tsipras. Seine Gc Watch hat ein Schweizer Uhrwerk und gleicht äusserlich einer Omega, ist aber für einige hundert Franken zu haben.
Präsident von Venezuela: Nicolas Maduro
Wladimir Putin soll einen Uhrensammlung im Wert von mehreren hunderttausend Franken besitzen. Die Stücke stammen von Patek Philippe, Breguet oder wie hier auf dem Bild von Blancpain. Dafür musste sich der Präsident mit einem offiziellen Jahreslohn von rund 150'000 Franken schon kritische Fragen anhören.
Auch der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte gibt sich gern als Mann des Volkes. Seine Uhrensammlung spricht indes eine andere Sprache. Zu seiner Sammlung gehören die Luxusuhr links, wahrscheinlich von Jaeger-LeCoultre, sowie die Pilotenuhr von IWC (r.).
Israels Benjamin Netanjahu hat einen klare Linie – auch was die Armbanduhr betrifft. Die zwei Luminor-Modelle von Panerai sehen beide sehr ähnlich aus.
Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist in der Heimat unter anderem wegen seiner Verschwendungssucht unter Beschuss. Die Ulysse Nardin hilft sicher nicht den Ruf loszuwerden.
Eher politisch motiviert ist die Wahl von Japans Premier Shinzo Abe. Er trägt immer Modelle der japanischen Firma Seiko.
Die Jahre in der Schweiz haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geprägt. Kein Wunder trägt er eine Schweizer Uhr. Überraschend ist indes die Wahl der billigen Movado, die er auf vielen Fotos trägt. Die Movado Moderna kostet nur rund 400 Franken.
Die Identifizierung der Politikeruhren ist nicht immer leicht. Die Armbanduhr von Chinas Präsident Xi Jinping ist beispielsweise nur auf sehr wenigen Fotos zu sehen und deshalb kaum zu bestimmen. Ausserdem besteht immer die Möglichkeit, dass es sich um Fälschungen oder billige Lookalikes handelt, solange die Politiker nicht selbst offenlegen, welche Uhr sie tragen. (Disclaimer: Diese Bildergalerie entstand Ende 2016, aktualisiert: 5. Februar 2018.)
Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, ist im Besitz einer teuren Uhr: Er trägt eine Longines Dolce Vita.
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RMS

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Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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