ยซRuedi ist eigentlich frรถhlicher, als er rรผberkommtยป, sagt ein Weggefรคhrte รผber den zukรผnftigen Superdirektor der fusionierten Radio- und Fernsehanstalt SRF. In der Tat gilt Rudolf Matter als stiller Schaffer: sachlich, analytisch stark, pragmatisch, gradlinig. Doch es ist auffรคllig, wie wenig auch jene รผber ihn wissen, die seine Wahl begrรผssen โ und das sind die meisten in der Fernseh- und Politszene. Wofรผr er politisch oder journalistisch steht, ist unklar, denn Matter gilt als eigenwillig, schwer fassbar und unnahbar. ยซFast autistische Zรผgeยป attestiert ihm gar ein ehemaliger Arbeitskollege. Das ist fรผr den divendurchsetzten Fernsehbetrieb doch untypisch.
Seit dem letzten Jahr steuert Matter, zusammen mit Hansruedi Schoch, Chefredaktor SF, das Konvergenzprojekt zur Zusammenlegung von Radio- und Fernsehstrukturen in der Deutschschweiz, was ihn fรผr den Job prรคdestinierte. Die Umsetzung der Fusion im ganzen Land wird seine erste Prioritรคt im neuen Job sein, daneben, in Zusammenarbeit mit dem neuen Generaldirektor Roger de Weck, das Erreichen von schwarzen Zahlen. Der 56-jรคhrige Baselbieter wird sie sich zusammensparen mรผssen: Den Wunsch nach einer Erhรถhung der Radio- und Fernsehgebรผhren hat der Bundesrat gerade erst abgelehnt.
Partner-Inhalte
Werbung
Die Freunde
An der Zรผrcher Uni lernte der Geschichtsstudent Rudolf Matter den spรคteren DKSH-Chef Adrian Keller und dessen Schwester Anne Keller, Prรคsidentin des Schweizerischen Instituts fรผr Kunstwissenschaft, kennen. Mit ihr und ihrem Mann Werner Dubach, dem ehemaligen Besitzer der Brauerei Eichhof in Luzern, ist er bis heute befreundet. Zum Freundeskreis gehรถren auch Ronnie Bernheim, Besitzer von Mondaine Watch, der abtretende Avenir-Suisse-Chef Thomas Held sowie der Schweizer ยซWeinpapstยป Philipp Schwander. Sein kulturelles Interesse verbindet Matter mit dem Intendanten des KKL, Michael Haefliger, und dem Filmregisseur Christian von Castelberg, einem seiner engsten Vertrauten. In seiner Zeit in Berlin lernte Matter Charles Blankart schรคtzen, VWL-Professor an der Humboldt-Universitรคt und Bruder von Ex-Staatssekretรคr Franz Blankart. Fรผr ein derart politisches Amt ist Matter bemerkenswert wenig vernetzt in Bern. Bei gelegentlichen Zugfahrten mit Moritz Leuenberger beschrรคnkt sich der Austausch auf eine kurze Sendekritik. Immerhin: Mit SVP-Nationalrat Caspar Baader ging Matter ebenso ins Gymnasium wie mit Adrian Ballmer (FDP), Finanzdirektor des Kantons Baselland. SP-Nationalrรคtin Susanne Leutenegger Oberholzer war Arbeitskollegin bei der ยซNational-Zeitungยป.
Werbung
Die Weggefรคhrten
In seiner ersten SRG-Zeit produzierte Matter die Vorabendsendung ยซKarussellยป und arbeitete dort zusammen mit Moderator Kurt Aeschbacher, dem Unternehmer Branco Weiss sowie dem Werber und zukรผnftigen Berater Kaspar Loeb. Spรคter, bei Cash TV, traf er auf Peter Bamert, den heutigen Denner-Chef, sowie auf Ingrid Deltenre, die spรคtere DRS-Direktorin und heutige Chefin der European Broadcasting Union in Genf. Mit seinem zukรผnftigen Vorgesetzten, SRG-Generaldirektor Roger de Weck, ging Matter bereits zu gemeinsamen Berliner Zeiten gelegentlich zum Abendessen, ebenso mit Privatfernsehpionier Roger Schawinski, der damals Sat1-Chef war. In seiner Funktion als NTV-Redaktionsleiter war Matter auch fรผr die Bรถrsenberichterstattung zustรคndig. Aus dieser Zeit stammt sein bis heute guter Draht zu Reto Francioni, Chef der Deutschen Bรถrse. Auch den NTV-Besitzer und CNN-Grรผnder Ted Turner bekam er gelegentlich zu Gesicht.
Die Widersacher
Als der damalige Fernsehdirektor Peter Schellenberg die Absetzung von ยซKarussellยป beschloss, machten sich Matter und sein Redaktionsteam in Satirebeitrรคgen darรผber lustig. Das Verhรคltnis der beiden war daraufhin fรผr Jahre angespannt. Filippo Leutenegger war einst Konkurrent, als Matter mit Cash TV gegen dessen Sendung ยซNettoยป antrat, und wieder im Rennen um den Job des Superdirektors. Nun sind Fernsehdirektor Ueli Haldimann und Radiodirektor Iso Rechsteiner seine grรถssten Problemfรคlle: Beide bewarben sich um die Stelle. Durch die Fusion werden ihre Positionen รผberflรผssig. ยซIch hoffe, dass die Unterlegenen im Hause bleibenยป, sagt Matter. ยซSie sind gestandene Journalisten, die ich lieber bei uns weiss als woanders.ยป
Werbung
Die McKinsey-Zeit
Anfang der neunziger Jahre bewarb sich Matter fรผr eine Stelle bei McKinsey und wurde vom damaligen Schweiz-Chef (und spรคteren CS-Boss) Lukas Mรผhlemann engagiert. Fortan kรผmmerte er sich in verschiedenen Projekten um die Kommunikation und die รffentlichkeitsarbeit von McKinsey. In dieser Zeit arbeitete Matter auch mit dem spรคteren UBS-Chef Peter Wuffli zusammen. Dabei verdiente er sich rasch den Respekt der Beraterkollegen. Sein Gastspiel bei McKinsey dauerte kaum ein Jahr. Dennoch: ยซEr hat Spuren hinterlassenยป, sagt ein Partner. Mit dem langjรคhrigen Schweiz-Chef Thomas Knecht steht er bis heute in Kontakt. Die McKinsey-Alumni trifft er regelmรคssig zum Abendessen.
Die Familie
Rudolf Matter gehรถrt zum Basler Matter-Clan. Thomas Matter, Grรผnder der Swissfirst Bank, ist ein Coucousin. Der ยซRobin Hood des Aargausยป, Bernhard Matter, der 1854 als Letzter im Kanton gekรถpft wurde, ist sein Urururgrossonkel. Seine Frau Claudia lernte er beim European Business Channel kennen. Gemeinsam haben sie drei kleine Kinder: die Tochter Sophia sowie die Zwillinge Louisa und Ruben. Matter hat sich als ausgezeichneter Hobbykoch einen Namen gemacht: Nach dem Abgang bei der SRG 1988 arbeitete er sogar eine Sommersaison lang als zweiter Koch in einem Restaurant in Pany GR, das in dieser Zeit seine Punktezahl im ยซGault Millauยป von 13 auf 14 ausbauen konnte.