Guten Tag,
Der richtige Laufschuh macht Lust zum Laufen, mit dem falschen verleidet es dagegen schnell. Umso wichtiger ist die Wahl des Schuhs. Was der Profi im GeschΓ€ft dabei besser macht als die Onlineshops.
Mike Kleiss
Werbung
Wer diese Kolumne regelmΓ€ssig liest, wird festgestellt haben, dass ich immer wieder versuche, ein gesundes Bewusstsein fΓΌr das Laufen zu schaffen. Mir geht es grundsΓ€tzlich nicht anders als all den anderen 19 Millionen LΓ€ufern in Deutschland. Manchmal ist mir alles zu laut. Alles zu schnell. Alles zu negativ. Und genau dann gehe ich oft laufen.
Mir ging es in der Vergangenheit immer darum, diese Kolumne mit Entschleunigung aufzuladen. Sie sollte immer wieder zwischen den Zeilen eine Botschaft vermitteln: Die Welt ist stressig genug, stresst euch nicht auch noch beim Laufen. Wer lΓ€uft, tut etwas fΓΌr sich. Sollte sich Ruhe und Zeit lassen. Sollte achtsam mit sich sein. Und mit seinem KΓΆrper.
Leichter gesagt als gelaufen, gar keine Frage. Und auch ich benΓΆtige sehr viel Disziplin. Und wenn es nur die Tatsache ist, das Handy wΓ€hrend des Laufens einfach zu Hause zu lassen. Um nicht in Versuchung zu geraten. Auch ich muss mir immer wieder bewusst machen: Es ist dein Lauf. Es sind deine anderthalb Stunden. Es ist dein KΓΆrper. Es ist deine Gesundheit. Nimm. Dir. Die. Zeit. Und sei achtsam. Passend dazu streifte mich gestern ein Thema, das perfekt zum Aspekt Achtsamkeit mit dem KΓΆrper passt.
Ein Laufschuhhersteller hatte mich zu einer TagesprΓ€sentation eingeladen. Die Business Lounge im Stadion des 1. FC KΓΆln war vollgestopft mit Technik, Schuhen, Wissenschaftlern, Sportlern und vor allen Dingen Besitzern von LaufschuhgeschΓ€ften.
Man kann sich fragen: Gibt es ΓΌberhaupt noch LaufschuhgeschΓ€fte? Wie damals, in den 1980er-Jahren? Es gibt Generationen von LΓ€ufern, die sicher glauben, dass LaufschuhgeschΓ€fte ausgestorben sind, weil sie ihre Schuhe einfach online bestellen. Passen die Schuhe nicht, schickt man sie zurΓΌck. Es ist ja so einfach.
Auf einem Laufband tobt sich ein TestlΓ€ufer aus. Per Kameratechnik wird sein Bewegungsablauf aufgezeichnet, ein gewohntes Bild. Jeder, der je einen Laufbandtest im Sportladen seines Vertrauens gemacht hat, kennt diese Situation. Der LΓ€ufer wird vermessen, sein Laufstil wird analysiert, der Bewegungsablauf unter die Lupe genommen, all dies ist wichtig zur Bestimmung eines individuell abgestimmten Laufschuhs.
Laufschuhhersteller Saucony wird mit dem Laufband, mit dem Know-how der Wissenschaft auf eine Tour quer durch Deutschland gehen, um Pionierarbeit zu leisten. Β«Sagt euren Kunden, dass es wichtig ist zu wissen, wie man lΓ€uft. Wo der LΓ€ufer seine Defizite hat. Gleicht sie aus. Helft ihm, damit er besser laufen kann. Es kommt wieder auf das Individuum an. HΓΆrt dem LΓ€ufer zu. Er wird euch vertrauen. Was ist heute wichtiger als Vertrauen?Β», sagt Mika Froesch, Country Manager der Firma. Das ist alles richtig, das ist alles gut und schΓΆn, denke ich mir.
Werbung
Das ist klasse fΓΌr Menschen, die sowieso schon laufen. FΓΌr alle die, die gern etwas mehr Geld fΓΌr einen guten Laufschuh ausgeben, wenn sie im Laufladen gut beraten werden. Das ist top fΓΌr Menschen, die wissen, dass es LauflΓ€den gibt. Dass es grosse Unterschiede unter den Laufschuhen und Herstellern gibt. Und die verstanden haben, dass es durchaus Sinn macht, sich um gute Sachen fΓΌr die FΓΌsse zu kΓΌmmern. Um gutes Arbeitswerkzeug, um gute SportgerΓ€te unter der Fusssohle. Das ist fantastisch fΓΌr Menschen, die wissen: Der falsche Laufschuh kann dazu fΓΌhren, dass man die Lust am Laufen schnell verlieren kann. Oder gar zu bΓΆsen Verletzungen. Dazu kommt, dass jeder Mensch, jeder Schuh anders ist.
Was ist aber mit all denen, die mir beinahe tΓ€glich in Tennisschuhen joggend entgegenkommen und mich fragen, warum ihnen die FΓΌsse so schnell wehtun? Was ist mit all denen, die im Internet Laufschuhe bestellen, weil sie endlich loslaufen wollen? Und weil sie noch nicht wissen, ob dieser Sport etwas fΓΌr sie ist. Und weil die Schuhe im Netz natΓΌrlich viel billiger sind. Also mindestens 20 Euro. Wohoo.
Der Preis dafΓΌr kann hoch sein. So hoch, dass man die gΓΌnstigeren Internetschuhe wieder an den Nagel hΓ€ngt, weil die FΓΌsse wehtun. Weil es einfach die falschen Schuhe waren. Β«Das ist alles gut und schΓΆn, Mike, aber wer erzΓ€hlt den Menschen, die noch nicht losgelaufen sind, dies aber tun wollen, von LaufgeschΓ€ften und Wissenschaft und dem richtigen Laufschuh? Menschen, die wissen wollen, wie sie an den richtigen Laufschuh kommen. Wer erzΓ€hlt ihnen, was wichtig ist? Warum tun es die Schuhhersteller nicht?Β» Es ist Stille im Raum, es gibt keine echten Antworten.
Werbung
Wer heute Laufschuhe produziert, kΓ€mpft einen harten Kampf. Gar keine Frage. Der Preiskampf ist enorm. Das Netz ist das grΓΆsste SchuhgeschΓ€ft der Welt. Alles verstanden. Was ich nicht verstehe, ist, dass nahezu jeder Hersteller Millionen Euro fΓΌr teure Werbung ausgibt. Es muss noch gesΓΌnder, noch bunter, noch lΓ€ssiger, noch lifestyliger sein.
Welcher Hersteller erzΓ€hlt aber die Geschichte vom richtigen Laufschuh? Warum es Sinn macht, dass der Schuh zum Fuss passt. Welcher Hersteller erzΓ€hlt die Geschichte vom Laufladen? In dem man eventuell den vollen Preis bezahlen muss, dafΓΌr aber einen perfekten Schuh bekommt, mit dem es Spass macht zu laufen und in dem man keine Schmerzen mehr hat. Der Laufladen, in dem man nette Menschen trifft, zu Lauftreffs eingeladen wird, in dem man sich mit anderen LΓ€ufern austauschen kann.
Und wer erzΓ€hlt davon, dass man als Stammkunde eventuell sogar Prozente bekommt, sogar manchmal mehr als im einfachen Internet? Saucony erzΓ€hlt diese Geschichte nicht, Brooks nicht, Adidas nicht, Nike nicht, Puma nicht, alle nicht. Mit dieser Kolumne habe ich mal den Anfang gemacht. So lΓ€uft es!
Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfΓ€ltig ausgewΓ€hlt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion ΓΌbereinstimmen.
Werbung
Werbung