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Kommentar

Digitalisierung des Gesundheitswesens – die Quereinsteiger machens vor

Die mangelhafte Digitalisierung des Gesundheitswesens ist kein Schicksal, sondern das Resultat von fehlendem Willen. Doch es ginge auch anders.

Seraina Gross Handelszeitung

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Seraina Gross, Redaktorin Unternehmen: Β«Digitalisierung ist auch im Gesundheitswesen machbar.Β» PAUL_SEEWER

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Wer, wie die meisten, ab und zu mit dem Schweizer Gesundheitswesen Bekanntschaft schliesst, der weiss, wie mΓΌhsam die viel zitierte mangelhafte Digitalisierung im Alltag werden kann. Da gibt es Γ„rztinnen, die mit ihren Patienten ungesichert per Mail kommunizieren. Da gibt es Rezepte, die durch ein halbes Dutzend HΓ€nde gehen, bis die Medikamente endlich bei denen sind, die sie brauchen. Und da gibt es renommierte SpitΓ€ler, bei denen Untersuchungsbefunde im Nirgendwo verschwinden.

Teure Ineffizienz auf Kosten der Patienten

Nicht besser sieht es auf der systemischen Ebene aus. Auch hier leistet man sich trotz stetig steigender Gesundheitskosten und KrankenkassenprΓ€mien kostspielige Ineffizienzen und Zusatzschlaufen. Ein DauerΓ€rger ist die mangelnde InteroperabilitΓ€t von IT-Programmen, die Γ„rzte und Pflegende zur Verzweiflung bringt und Ressourcen bindet, die bei der Betreuung der Patientinnen fehlen. Nicht selten mΓΌssen Patientenakten am Schluss doch wieder von Hand gefΓΌhrt werden – eben weil die Systeme zwar da sind, sich aber nicht verbinden lassen. Und die elektronische Patientenakte bleibt auch nach ihrer offiziellen EinfΓΌhrung von drei Jahren ein Murks, weil die Infrastruktur bei vielen Gesundheitsdienstleistern noch immer nicht wirklich steht.

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ZΓΌrcher Startup-GrΓΌnder hilft MΓ€nnern mit Erektionsproblemen

Jon Eisler litt selber unter Potenzproblemen. Nun ist aus dem Leiden von einst eine GeschΓ€ftsidee geworden.
Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick auf die RΓ€nder des Schweizer Gesundheitswesens. Dort, wo Startups mit viel Cleverness und Klugheit das scheinbar UnmΓΆgliche mΓΆglich machen und im Monatstakt digitale Angebote auf den Markt bringen. JΓΌngstes Beispiel ist Everyman: Die Plattform des ZΓΌrcher GrΓΌnders Jon Eisler bietet Potenzmittel wie Viagra auf Rezept, aber ohne Arztbesuch an. Dies wird von einem Algorithmus ermΓΆglicht, der die Γ„rztinnen bei der Anamnese unterstΓΌtzt – dem besonders aufwendigen Teil eines Arztbesuchs, bei dem es darum geht, sich ein umfassendes Bild vom Gesundheitszustand und vom Leiden des Patienten zu machen.

Bei den etablierten Playern fehlt es am richtigen Spirit

Victor Charlier watet mit seiner Senos Group von Wallisellen aus sogar erfolgreich durch die Untiefen des deutschen Gesundheitswesens. Β«RogerΒ», so der Name seiner Software, ist eine Art digitales HeinzelmΓ€nnchen, das deutschen ZahnΓ€rzten alles abnimmt, was nicht direkt mit der Arbeit an der Patientin zu tun hat: Terminvereinbarungen, Rechnungsstellungen, ja selbst die Teilzahlungsvereinbarungen laufen ΓΌber Roger. Β«Alles RogerΒ» eben, wie es im Flugverkehr heisst. ErwΓΌnschte Nebenwirkung: Es braucht weniger medizinisches Praxispersonal – ein unschΓ€tzbarer Vorteil in Zeiten, in denen solches fast nicht mehr zu finden ist.

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Die beiden Jungunternehmer und Dutzende andere Health-Tech-Startups zeigen: Digitalisierung ist auch im Gesundheitswesen machbar. Was es braucht, ist der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und bei aufkommenden Bedenken auch mal die Frage zu stellen, welche Nachteile denn mit der Beibehaltung des Status quo verbunden sind. Ein Spirit, der bei den etablierten Playern noch immer zu wenig vorhanden ist. In Zeiten von Kostendruck und zunehmenden medizinischen MΓΆglichkeiten ist das nicht nur eine verpasste Chance fΓΌr alle Beteiligten, sondern ein No-Go.
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