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Holcim-Chef

Jan Jenisch zieht es in den Westen

Sein neues Doppelmandat bei Holcim America beschert Jan Jenisch einen satten Gehaltssprung. Und Interessenkonflikte.

Marc Kowalsky

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Er hat einen neuen Hut auf: Jan Jenisch wechselt zur US-Tochter von Holcim. paolo dutto photographer

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Es war ein klares Versprechen, das Jan Jenisch an der Bilanzpressekonferenz vor zwei Jahren Γ–ffentlichkeit und AktionΓ€ren gab: Β«Ich hoffe, meine Karriere bei Holcim zu beendenΒ», und Β«ich habe immer gesagt, ich bin committed fΓΌr die nΓ€chsten zehn JahreΒ», gelobte der CEO des Zementkonzerns.
Doch seit er die PlΓ€ne fΓΌr die Abspaltung und die BΓΆrsenkotierung des US-GeschΓ€fts bekannt gab, will Jenisch von seinem Treueschwur nichts mehr wissen. Jetzt ist es offiziell: Er gibt das VR-PrΓ€sidium bei Holcim an der nΓ€chsten Generalversammlung ab an Danfoss-Chef Kim Fausing, seit 2020 einfaches VR-Mitglied (den CEO-Posten hatte er bereits letzten Mai an Miljan Gutovic weitergereicht). Stattdessen wird Jenisch CEO und Chairman der bald unabhΓ€ngigen US-Tochter.
Kim Fausing
Miljan Gutovic
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Überraschend ist das nicht, denn in den USA ist das Doppelmandat nicht wie in der Schweiz verpΓΆnt, sondern gΓ€ngig. Vor allem aber ist es deutlich besser bezahlt als hierzulande. Das zeigt ein Blick auf die Konkurrenz: J. Thomas Hill, CEO und Chairman von Vulcan Materials (7,8 Milliarden Dollar Umsatz), kassiert 13,5  Millionen Dollar. Kollege C. Howard Nye von Martin Marietta Materials (6,8  Milliarden Umsatz) kommt auf 18,5 Millionen. Michael Haack von Eagle Materials kann sich trotz vergleichsweise bescheidener UmsΓ€tze von 2,3  Milliarden Dollar ΓΌber ein SalΓ€r von 8  Millionen freuen. Bei Holcim America mit einem Umsatz von ungefΓ€hr 10  Milliarden Dollar darf Jenisch also auf ein Gehaltspaket nΓΆrdlich von 20  Millionen Dollar hoffen.Nicht dass er es nΓΆtig hΓ€tte: 2023 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) verdiente er im Doppelmandat beim Mutterkonzern 9,5 Millionen Franken. In seiner Amtszeit seit 2017 summierten sich die BezΓΌge auf total 60  Millionen Franken. Das SalΓ€r fΓΌr 2024 ist da noch gar nicht mitgerechnet. Β«Die EntlΓΆhnung spielt ΓΌberhaupt keine RolleΒ», sagt Jenisch – wenig ΓΌberraschend – zu seiner Entscheidung: Β«Dies war keine persΓΆnliche Zielsetzung meinerseits, sondern ein Ergebnis aus den Erfordernissen und dem Wunsch des Verwaltungsrates.Β»

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FΓΌr den im FrΓΌhling geplanten BΓΆrsengang ist Noch-Chairman Jenisch ebenfalls verantwortlich. Das bringt ihn in einen Interessenkonflikt: Als aktueller VR-PrΓ€sident muss er das Wohl des Gesamtkonzerns im Auge behalten, als zukΓΌnftiger Leiter der Amerika-Tochter nur die US-Anliegen vertreten. So gibt intern zu reden, dass die Schadenersatzforderungen amerikanischer IS-Opferfamilien nicht dem US-GeschΓ€ft, sondern allein dem Restkonzern zugewiesen werden sollen.
Auch stellt sich die Frage nach der Aufteilung der Schulden. Zwei AnsΓ€tze gibt es dazu: sie entweder nach dem Ausmass der kreditfinanzierten ZukΓ€ufe in den letzten Jahren zu verteilen. Dann mΓΌsste die US-Tochter das Gros der Schulden schultern. Oder sie proportional zur GrΓΆsse der Unternehmen aufzuteilen. Dann wΓΌrden zwei Drittel beim verbleibenden Konzern landen. Jenisch soll – erneut wenig ΓΌberraschend – die zweite Variante favorisieren.
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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