Steuern, Miete, Kita-Gebühren: Je nachdem in welchem Kanton man wohnt, bleibt am Ende des Monats unterschiedlich viel Geld übrig. Von Günstig-Gemeinden bis Kostenhöllen - der Vergleich.
Marc Bürgi
1 / 6
Die CS hat analysiert, in welchen Wohnkantonen das Leben besonders teuer oder günstig ist:In Uri bleibt für duchschnittliche Schweizer Haushalte am meisten verfügbares Einkommen nach Abzug von Abgaben und Fixkosten. Der Innerschweizer Kanton punktet mit tiefen Steuern und günstigen Krankenkassenprämien. Auch das Wohnen ist günstig, und Pendelkosten lassen sich im grossen Mass von den Steuern abziehen.RMSGlarus ist auf dem zweiten Platz. Damit verteidigt der Kanton seinen Rang aus der Studie von 2011.RMSObwalden ist auf dem dritten Rang. In der Studie von 2011 war der Kanton noch auf Platz vier hinter dem Thurgau platziert – jetzt haben sie die Plätze getauscht.RMSDie Waadt ist auf dem drittletzten Platz (hier der Kantonshauptort Lausanne).RMSBasel ist auf dem zweitletzten Rang klassiert.RMSDer Kanton Genf ist das Schlusslicht. Der Kanton hat aus finanzieller Sicht mehrere Nachteile: So sind die Steuern hoch, und auch die Krankenkassenprämien und Wohnkosten fallen höher aus als anderswo. Ein Vorteil sind hingegen die tiefen Kosten für die Kinderbetreuung.Bilder: KeystoneRMS
Wo lebt es sich am günstigsten? Die Antwort der Credit Suisse heisst: Uri. Im Innerschweizer Kanton bleibt am meisten Geld vom Einkommen übrig, wenn die Steuern, die Krankenkassenprämie und andere ans Wohnort gebundene Kosten einmal beglichen sind. Damit kann Uri seinen Spitzenplatz von 2011 behaupten.
Die Credit Suisse hat analysiert, wie die rund 2300 Schweizer Gemeinden und Kantone im Kostenvergleich abschneiden. Dabei hat die Grossbank vier grosse Kostenblöcke berücksichtigt, welche das Budget belasten: Steuern und Abgaben, die Wohnkosten, die Ausgaben für den Arbeitsweg und der finanzielle Aufwand für die Kinderbetreuung. Sie berechnete die Kosten dabei für verschiedene Haushaltsgrössen und Lebenssituationen.
Grosse Unterschiede bei den Abzügen
Zu den günstigsten Wohnkantonen gehören neben Uri auch Glarus, Obwalden, Thurgau und Appenzell Innerrhoden. In Baselstadt und Genf bleibt hingegen am wenigsten vom Lohn übrig. Dabei zeigen sich grosse Unterschiede bei der Verteilung der Ausgaben.
Die Kantone mit den niedrigsten Ausgaben vereinen mehrere Vorteile: So ist beispielsweise in Uri das Wohnen günstig. Urner zahlen zudem tiefe Steuern und tiefe Krankenkassenprämien. Zwar ist der Kanton abgelegen, aber die Kosten für den Arbeitsweg können Urner grösstenteils von den Steuern abziehen. Nur die Kinderbetreuung geht ins Geld: Krippen sind teuer und der Kanton subventioniert die Betreuung wenig.
Partner-Inhalte
Werbung
Kita-Kosten für Familien besonders wichtig
Bei den Kita-Kosten ist die Kostenschere ausgeprägt. So zahlt eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen für eine zweitägige Fremdbetreuung von zwei Kindern in Uri bis zu 26'000 Franken im Jahr, im Kanton Bern sind es rund 3000 Franken.
Für Familien mit Kindern sei dieser Faktor zentral, sagt Thomas Rühl, Mitautor der Studie, gegenüber handelszeitung.ch. Die Gemeinden könnten über einzelne Faktoren ihre Attraktivität steuern. «Man hat natürlich Einfluss auf den Steuersatz und die Subventionspolitik. Wenn man beispielsweise die Kindbetreuungskosten stärker subventioniert, ist das attraktiv für Familien», sagt Rühl. Am Ende müsse das Ganze aber auch finanzierbar sein.
Im Steuerparadies sind Wohnungen teuer
In manchen Kantone machen Nachteile die Vorteile weg: Zug hat beispielsweise tiefe Steuern, dafür sind die Wohnkosten sehr hoch. Im Jura ist das Wohnen hingegen sehr günstig, aber die Jurassier zahlen viel Steuern und hohe Krankenkassenprämien. Und in gewissen Kantonen sind die Kosten in mehrfacher Hinsicht hoch: In Genf ist die Steuerrechnung happig, die Krankenkasse teuer, und auch für die Wohnung oder das Haus müssen Genfer viel zahlen.
Je nach Einkommen und Lebenssituation wiegen die Vorteile und Nachteile eines Wohnorts unterschiedlich schwer: Für jemand, der viel verdient, sind die Kosten für die Krankenkasse und das Wohnen weniger wichtig als der Steuersatz. Wenn ein Ehepaar mit 100'000 Franken Einkommen vom Kanton Zug in den Kanton Neuenburg zieht, fällt die jährliche Steuerrechnung fast 11'000 Franken höher aus. Beträgt der Verdienst 300'000 Franken, muss das Paar über 41'000 Franken mehr Steuern bezahlen.