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Fotografie

Im Rausch der Geschwindigkeit

Autos, Filmstars, Popkultur – eine Hommage an den amerikanischen Lifestyle.

Katrin Bachofen

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Simone Kappeler: Β«Los AngelesΒ» RMS

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Bei Β«Drive inΒ», einer fotografischen Gruppenausstellung in der Bildhalle in Kilchberg ZH, dreht sich alles um das Auto. Als Symbol des amerikanischen Traums und des damit verbundenen Aufstiegs der Mittelklasse ist es seit den 1950er-Jahren in der Fotografie allgegenwΓ€rtig.
FΓΌr den Menschen ist es Transportmittel, RΓΌckzugsort oder fahrendes Zuhause. FΓΌr die Fotografie ist es eine mechanische Skulptur mit einer Γ€sthetischen Γ€usseren Form, die sich im Sucher der Kamera spiegelt. Und dazu ein Innenraum, in dem sich zuweilen zwischenmenschliche Szenen abspielen wie im Theater.

Autos als rollende Traumgebilde

Als Teil einer cinematografischen Bildwelt steht das Auto als Symbol fΓΌr Geschwindigkeit, Kraft und Freiheit. In der Bildhalle werden Aufnahmen von rund zwei Dutzend Fotografen gezeigt, so von Elliott Erwitt, der wΓ€hrend und nach der Grossen Depression in Amerika Autos als rollende Traumgebilde fotografierte – und das mit dem ihm eigenen Humor und Sinn fΓΌr Ironie.
Damals schon war das Auto aus der amerikanischen Kultur und Landschaft nicht mehr wegzudenken. Oder Simone Kappeler, die 1981 durch Amerika reiste und ihre Reise fotografisch mit einer Hasselblad-, einer Polaroid-Kamera und billigsten Spielzeug-Fotoapparaten umsetzte. Sie sah Amerika in Farbe, beeinflusst vom amerikanischen Film und der Fotografie der 1960er-Jahre. Ihre Serie Β«Through AmericaΒ» spiegelt ihre Faszination fΓΌr ein Land, das sich um die Autokultur herum gebildet und entwickelt hat.

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Andy Warhol als Idol
Der 1934 im texanischen Tahoka geborene James Francis Gill ist einer der wenigen noch lebenden Vertreter der amerikanischen Pop-Art. Derzeit widmet ihm die Galerie Rigassi in Bern eine Einzelausstellung. Die Pop-Art, welche Mitte der 1950er-Jahre als Reaktion auf die betont intellektuelle und wenig massentaugliche abstrakte Kunst entstand, bezieht ihre Motive aus Dingen des alltΓ€glichen Lebens. Konsumwelten, Comics und Stars aus Hollywood wurden plΓΆtzlich zu Inhalten der Kunst.
Neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein zΓ€hlt James Francis Gill zu den Ikonen der Pop-Art und hat diese Epoche entscheidend mitgeprΓ€gt. Kunstliebhaber, Filmstars, GrΓΆssen aus der Musikindustrie und GeschΓ€ftsleute – sie alle sammelten seine Werke bereits in den 1960er-Jahren. Gill war omniprΓ€sent. Er gestaltete etwa ein Kinoplakat fΓΌr Charlie Chaplins letzten Film mit Sophia Loren und Marlon Brando. Bekannte Printmedien wie das Β«TimeΒ»- und das Β«LifeΒ»-Magazin beauftragten ihn mit Titelseiten-EntwΓΌrfen. Hollywood-Stars wie John Wayne und Tony Curtis baten ihn, sie zu portrΓ€tieren. Und auch das Museum of Modern Art in New York fΓΌhrt bereits seit 1962 Werke von James Francis Gill in seiner stΓ€ndigen Sammlung. Anfang der 1970er-Jahre zog sich der KΓΌnstler in ein selbst gewΓ€hltes Exil zurΓΌck, das 30 Jahre lang dauern sollte. In dieser Zeit entwickelte er mithilfe von Computer, Tintenstrahltechnik und Malerei eine ganz spezielle Montagetechnik. Β«Mixed-Media-CollagenΒ» oder Β«MetamagenΒ» nennt Gill seine so entstandenen jΓΌngsten Werke. In deren Mittelpunkt stehen verfremdete oder neu formulierte Ikonen aus der Kunstgeschichte und Filmbranche sowie Fotos aus Magazinen, wobei Realismus und Abstraktion verschmelzen.

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Hommage an Pop-Art

Eine Hommage an die amerikanische Pop-Art stellen die Arbeiten von Devin Miles dar, einem Vertreter der deutschen «Modern Pop-Art», dem die Galerie Proarta in Zürich derzeit die zweite Einzelausstellung ausrichtet. Der 1961 in Krefeld geborene Künstler lebt und arbeitet in Hamburg. Sein Stil und seine Motive sind unverwechselbar: Mit einer komplexen Überlagerung von Airbrush, Siebdruck und Malerei auf gebürstetem Aluminium interpretiert er die amerikanische Pop-Art neu. Seine ausdrucksstarken Bilder zeigen berühmte Leinwandstars der 1950er- und 1960er-Jahre auf dem Hâhepunkt ihres Ruhmes. 2010 durfte Devin Miles seine Kunstwerke an einer Museumsausstellung als einziger deutscher Künstler neben den amerikanischen Ikonen Andy Warhol und Robert Rauschenberg prÀsentieren.
Β«Drive inΒ», Bildhalle, Kilchberg ZH, bis 30.4.2015Β«American Pop Art – James Francis GillΒ», Galerie Rigassi, Bern, bis 25.4.2015Β«Devin MilesΒ», Galerie Proarta, ZΓΌrich, bis 15.4.2015

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