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London

Herzog & de Meuron verzichten auf Teil des Lohnes

Die Londoner Tate Gallery of Modern Art war für Herzog & de Meuron zwar der internationale Durchbruch. Beim Erweiterungsbau aber kam es zu Verzögerungen und höheren Kosten. Das hat Folgen.

Gabriel Knupfer

Wo Herzog & de Meuron in der Welt präsent sind:Mit dem Tour Triangle in Paris bekommen die Architekten die Chance sich in einer der schönsten Städte der Welt zu verewigen. Gerade deshalb war das Projekt höchst umstritten.Herzog & de Meuron
In ihrer Heimatstadt Basel können sich Herzog & de Meuron austoben. Das neuste Projekt kommt von Helvetia. Bis voraussichtlich Ende 2023 gestaltet die Versicherung nach den Plänen des Architekturbüros ihren Hauptsitz an der St. Alban-Anlage neu. Herzog & de Meuron
Im New Yorker Stadtteil Tribeca errichten die Basler den Wohnturm 56 Leonard (ganz links). Das futuristische Gebäude wurde von der Presse «Jenga»-Hochhaus getauft – nach dem Spiel mit Holzklötzchen.
lagranputadeny/Instagram
Auf Instagram ist das Hochhaus schon vor der Eröffnung ein Star.
dlbritnot (l.), hello88goodbye (m.), andrew.hafnor (r.)/Instagram
In Berlin bauen die Basler Architekten ein neues Stadtquartier um das Kunsthaus Tacheles. Das Tacheles war jahrelang ein alternatives Künstlerzentrum.
Zuhause ist das Architektenduo in Basel, wo sie auch für den Bau des Roche-Turms verantwortlich sind. Der «Roche Bau 1» ist mittlerweile eröffnet und mit seinen 175 Meter das höchste Haus der Schweiz, zumindest vorübergehend...
... denn nach den Plänen von Herzog & de Meuron bekommt das Gebäude bis 2021 einen 205 Meter hohen Zwilling. Der gesamte Roche Campus soll drei Milliarden Franken kosten und wird das Gesicht der Stadt Basel grundlegend verändern. Roche
Obwohl Herzog & de Meuron inzwischen auch Zweigstellen in London, München, Barcelona, San Francisco und Tokio betreiben, bleibt Basel der «Showroom» der beiden. Nirgends finden sich so viele Bauten der Architekten wie am Rheinknie. Das Bild zeigt die Apotheke des dortigen Kantonsspitals aus den Jahren 1995 bis 1997. Wikimedia/CC/Tobias Helfrich
Die neueren Gebäude von Herzog & de Meuron sehen anders aus. Bekannt ist beispielsweise die Firmenzentrale des Pharmakonzerns Actelion in Allschwil direkt an der Stadtgrenze zu Basel. Keystone
Den grossen internationalen Durchbruch schafften die Basler mit der Erweiterung der Tate Gallery in London. Das Museum wurde im Jahr 2000 in einem alten Ölkraftwerk, der Bankside Power Station eröffnet. 2001 gewannen die Architekten den renommierten Pritzker-Preis – er gilt als Nobelpreis für Architektur.
Viel Erfahrung haben Herzog & de Meuron im Bau von Stadien. 1998 bis 2001 bauten sie den St.-Jakob-Park in Basel. Der kristallförmige Turm kam im Zuge der Erweiterung für die EM 2008 dazu. Wikimedia/CC/Sven Scharr
Mit der Allianz Arena in München ersetzten die Basler das berühmte Olympiastadion als Heimstätte der Bayern. Die Arena schwebt wie ein UFO über den Feldern von Fröttmaning. Wikimedia/CC/Poco a poco
Viel Kritik gab es indes für den Bau des «Vogelnestes» für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Menschenrechtler prangerten die Zusammenarbeit mit dem Regime an und Chinesen sahen im Projekt den Missbrauch Chinas als Experimentierfeld. Herzog & de Meuron planten das Stadion zusammen mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Wikimedia/CC/Peter23
Gar als Skandalprojekt gilt inzwischen die Elbphilharmonie in Hamburg. Das seit 2007 im Bau befindliche Konzerthaus sollte eigentlich 77 Millionen Euro kosten und 2010 eingeweiht werden. Inzwischen ist die Eröffnung auf 2017 verschoben worden und die voraussichtlichen Kosten betragen rund 800 Millionen Euro.
Das 2008 eröffnete CaixaForum in Madrid ist ein eher kleineres Projekt der Basler Architekten. Mit einem Preis von 60 Millionen Euro blieben sogar die Kosten für einmal im Rahmen.
Stilmässig decken Herzog & de Meuron eine grosse Bandbreite ab. Die Prada Boutique in Tokio aus dem Jahr 2003 weicht beispielsweise stark ab vom Minimalismus vieler anderer Projekte. Bilder: Keystone
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RMS

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Der Umbau eines Kraftwerks zur Tate Gallery of Modern Art in London war für Herzog & de Meuron der internationale Durchbruch. Kurz nach der Eröffnung wurde das Basler Architektenduo 2001 mit dem Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet. Kein Wunder ging auch der neuste Anbau, das Blavatnik Building (ehemals Switch House), an die Basler. Doch das Bauwerk wurde erst mit mehrjähriger Verspätung fertig – und kostete 45 Millionen Pfund (umgerechnet über 55 Millionen Franken) mehr als veranschlagt.

Eigentlich hätte die Erweiterung für die Olympischen Spiele in London im Jahr 2012 fertig sein sollen. Eröffnet wurde das Blavatnik Building, welches die Ausstellungsfläche des Museums um 60 Prozent vergrössert, aber erst im Sommer 2016. Nun zeigen Dokumente der Tate Modern, dass Herzog & de Meuron angefragt wurden, auf einen Teil ihres Honorars zu verzichten.

Auf Teil der Zusatzkosten verzichtet

Laut Tate Modern wurden Herzog & de Meuron voll für die im ursprünglichen Vertrag festgehaltenen Arbeiten bezahlt. Das Architekturbüro habe aber auf einen Teil der Zusatzkosten verzichtet, bestätigte eine Sprecherin dem britischen Fachblatt «The Art Newspaper». Um welche Summe es dabei ging, ist nicht bekannt. Bekannt sind lediglich die gestiegenen Baukosten von 260 Millionen Pfund im Jahr 2015 gegenüber 215 Millionen bis ins Jahr 2012. Herzog & de Meuron wollten den Vorgang nicht kommentieren.

Gemäss Dokumenten des Museums waren die Leistung der meisten Vertragspartner «befriedigend», berichtet die Kunstzeitschrift. Probleme gab es mit Seele und Loveld, die für die Installation der Fenster beziehungsweise die Fassadenverkleidung zuständig waren. Zeitweise überlegte sich der Museumsvorstand offenbar sogar ein gerichtliches Vorgehen gegen die zwei Firmen.

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Design angepasst

Der Tate-Anbau war schon bei der Planung umstritten. Ursprünglich als unregelmässige Glaspyramide geplant, wurde das Design 2008 auf Ziegel geändert. Damit sollte es besser zum Hauptgebäude passen. Dieses ist ein umgebautes Ölkraftwerk, die frühere Bankside Power Station aus dem Jahr 1952.

Nach der Fertigstellung beklagten sich Anwohner der benachbarten Luxuswohntürme, weil Museumsbesucher von der Aussichtsplattform freie Sicht in ihre Appartements haben. Einige Besitzer der bis zu 6 Millionen Pfund teuren Wohnungen verklagten deshalb im Frühling die Tate Modern.

Skandalbau Elbphilharmonie

Herzog & de Meuron wurden in den letzten Jahren weltweit für Prestigebauten engagiert. Doch die Architekten sind umstritten. Sogar als Skandalprojekt gilt die Elbphilharmonie in Hamburg. Das 2017 eröffnete Konzerthaus sollte ursprünglich 77 Millionen Euro kosten und 2010 eingeweiht werden. Die Eröffnung wurde mehrmals verschoben und die effektiven Kosten betrugen am Schluss rund 800 Millionen Euro.
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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