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Uhren

Fossil: Texas goes Swiss Made

Fossil verkauft mehr Uhren pro Jahr, als die ganze Schweizer Uhrenindustrie exportiert. Jetzt baut der Lifestyle-Konzern aus Dallas die Produktion in der Schweiz massiv aus, inklusive eigener Werke.

Peter W. Frey

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In Manno stellen 26 Mitarbeitende pro Jahr 100'000 Stรผck des Fossil-Automatikwerks her.ย ย PR RMS

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Genaue Zahlen gibt Fossil-Europa-Geschรคftsfรผhrer Martin Frey nicht preis, aber er bestรคtigt lรคchelnd: ยซJa, doch, es stimmt, wir liegen etwas hรถher als die Schweizer Exporte.ยป In den letzten Jahren wurden jeweils zwischen 28 und 30 Millionen Schweizer Uhren ins Ausland verkauft. Die Jahresproduktion von Fossil dรผrfte damit einiges รผber 30 Millionen Stรผck liegen โ€“ eine Grรถssenordnung, von der Schweizer Hersteller nur trรคumen kรถnnen.
Die Millionen von Uhren werden zu รผber neunzig Prozent in China hergestellt. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist Fossil auch in der Schweiz prรคsent, doch erst seit 2012 gibt der Konzern richtig Gas mit einer eigenen Swiss-made-Produktion: In Manno bei Lugano stellt Fossil eigene mechanische Werke her, und im jurassischen Glovelier ist eine Gehรคuse- und Komponentenfabrikation im Aufbau. Heute beschรคftigt der Konzern in der Schweiz 380 Personen, Ende 2014 sollen es gegen 500 sein.

Fossil der grosse Unbekannte

Fossil wurde vor dreissig Jahren vom 24-jรคhrigen Tom Kartsotis gegrรผndet, vier Jahre spรคter stiess sein Bruder Kosta zur Firma. Jahrelang wurde die Marke in der Schweiz von der Branche kaum wahrgenommen. Der US-Uhrenjournalist Keith Strandberg meinte schon 2005: ยซFossil ist die grรถsste Marke, von der niemand viel weiss.ยป Zu diesem Zeitpunkt machte der Konzern pro Jahr bereits 850 Millionen Dollar Umsatz. Unterdessen liegt dieser fast viermal so hoch. Fรผr 2013 meldete die Fossil Group einen Umsatz von 3,26 Milliarden Dollar, was mehr ist als etwa bei der Uhrensparte der Richemont-Gruppe ohne Cartier. Der Gewinn der Gruppe belief sich auf 561 Millionen Dollar.

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Vier Kollektionen pro Jahr

Am Anfang des fast exponentiellen Wachstums von Fossil stand die Idee, gรผnstige Fernost-Quarzwerke in das Design amerikanischer Vintage-Uhren und Autoinstrumente der dreissiger bis fรผnfziger Jahre zu verpacken. Verkauft wurden und werden die Uhren in Blechschachteln im Retro-Look. Wie Nicolas Hayek mit der Swatch erkannten die Kartsotis-Brรผder in den achtziger Jahren das Potenzial von preiswerten Uhren als Lifestyle-Accessoires und Fashion-Objekte mit einem sehr raschen Erneuerungszyklus. Kollektionen werden bis zu viermal pro Jahr gewechselt. Neben Uhren verkauft Fossil auch Lederartikel und Accessoires.
Gewachsen ist der Konzern nicht zuletzt dank zahlreichen Lizenzvertrรคgen mit weltweiten Mode- und Lifestyle-Brands. Neben Uhren der Eigenmarken Fossil, Relic, Skagen, Michele und Zodiac stellt der Konzern Ticker her fรผr Adidas, Armani, Burberry, Diesel, DKNY, Karl Lagerfeld, Marc Jacobs, Michael Kors und neu fรผr Tory Burch, eine in den USA starke Damenmodemarke. ยซWir haben das grรถsste Portfolio an Marken aller Uhrenhersteller weltweitยป, sagt Fossils Strategie- und Marketingchef Greg McKelvey.

Texanische Designschmiede

Fossils Kreativkรผche am Hauptsitz im texanischen Richardson ist eine lichtdurchflutete Halle vom Ausmass eines Fussballfelds. Wie in den USA รผblich, reiht sich Cubicle an Cubicle, ein Arbeitsplatz an den andern, durch halbhohe Wรคnde voneinander getrennt. Auf zwei Seiten ist die Halle begrenzt durch verglaste Rรคume, in denen die Uhren einzelner Brands im Verkaufsumfeld prรคsentiert werden. Fossils Kreative sollen das Gesicht einer Uhr immer wieder neu erfinden. Fรผr die vielen Marken entstehen jedes Jahr Tausende von Designentwรผrfen, von denen nur rund ein Viertel auch in Produktion geht. Kommt eine Uhr am Markt nicht an, ist sie rasch wieder verschwunden. ยซWir hรถren eben den Konsumenten sehr gut zuยป, erklรคrt Steve Woodward, in Richardson fรผr die Lizenzmarken verantwortlich.

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In der Schweiz hatte Fossil bereits 2002 Montres Antima in Biel und die einst in Le Locle NE ansรคssige, fast 100-jรคhrige Marke Zodiac รผbernommen und 2004 den europรคischen Hauptsitz in Basel installiert. Doch die Uhrenbauer aus Texas erregten vorerst kaum Aufsehen, auch wenn sie bereits Hunderttausende Burberry-Uhren in der Schweiz herstellten. Das รคnderte sich, als Fossil auf die Baselworld 2013 hin eine Kollektion von Swiss-made-Uhren mit eigenem Automatikwerk prรคsentierte. Dieses Jahr folgen Emporio-Armani- und Zodiac-Uhren mit dem gleichen Werk. Bei Zodiac belebt Fossil die Uhrenikone Astrographic mit ihrem ยซMystery Dialยป neu: Die Anzeigen fรผr Stunden, Minuten und Sekunden scheinen รผber dem Zifferblatt zu schweben.
ยซDas Potenzial fรผr Swiss-made-Uhren ist enorm, vor allem in unseren wachsenden Mรคrkten in Asienยป, begrรผndet McKelvey die neue Strategie. Vor drei Jahren hatte die Konzernzentrale fรผr die Expansion laut Europa-Geschรคftsfรผhrer Martin Frey ยซeinen zweistelligen Millionenbetragยป bewilligt. Fรผr ein eigenes Automatikwerk und eine eigene Gehรคusefabrikation habe sich Fossil entschieden, weil die Verantwortlichen ยซbei Schlรผsselkomponenten autonomยป und auch fรผr verschรคrfte Swiss-made-Vorschriften gerรผstet sein wollen.

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Automatik Swiss Made

Das Automatikwerk STP 1-11 der Fossil-Tochter Swiss Technology Production im Tessin ist eine Alternative zum millionenfach produzierten Kaliber ETA 2824. Es hat die gleichen Dimensionen, ist aber kein Klon, sondern eine Schweizer Neukonstruktion auf der Basis eines Werkes aus Fernost. ยซDas Werk erfรผllt die Swiss-made-Vorschriftenยป, sagt STP-Direktor Hans Ulrich Saurer mit Nachdruck. Vorlรคufig noch aus dem Ausland stammt die Hemmung als zentrale Komponente des Werks, man arbeite aber an einer Schweizer Lรถsung.
In einem Gewerbegebรคude nรถrdlich des Flughafens Lugano stellen 26 Mitarbeitende pro Jahr im Moment erst rund 100โ€‰000 Werke her. Im Zweischichtbetrieb kรถnnte die Produktion jedoch auf der brandneuen Produktionsstrasse locker verdoppelt werden. Zudem ist Platz fรผr eine zweite Produktionsstrasse vorhanden. Fossil, und das lรคsst die Branche aufhorchen, bietet die Werke auch Dritten an. Das sind gute Nachrichten fรผr Marken, denen aufgrund der zunehmenden Lieferbeschrรคnkungen von ETA die Uhrenantriebe auszugehen drohen.

Aufstieg in hรถhere Preisklasse

Mit den neuen Swiss-made-Kollektionen positionieren sich die Fossil-Marken in einem hรถheren Preissegment als ihrem angestammten von rund 100 bis 500 Franken. Mit bis zu 1500 Franken Endverkaufspreis treffen sie auf etablierte, starke mittelpreisige Brands wie Tissot. Doch in Texas ist man รผberzeugt, Erfolgsprodukte im Portfeuille zu haben. Fossil-Strategiechef Greg McKelvey gibt sich selbstbewusst: ยซWir bringen eine neue Perspektive: Wir verbinden Schweizer Uhrmacherkunst mit weltweit fรผhrendem Design.ยป Und die gรผnstigen Ticker wird es natรผrlich weiterhin geben. Sie haben ja Fossil erst gross gemacht.

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