Die Formel ยซWir wollen mit allen Wirtschaftspartnern ein gutes Verhรคltnis habenยป ringt dem 45. US-Prรคsidenten nur ein mรผdes Lรคcheln ab. Er betrachtet die europรคischen Politiker als zu weich und zu nachgiebig, wenn es um ihre Interessen geht. Das Ergebnis dieser politischen Aufgabe hat jedoch zum Wohlstand Europas gefรผhrt. Die solidarische Haltung auch zu den Krisenlรคndern wie Griechenland, Spanien oder Italien hat den europรคischen Kontinent in schwierigen Zeiten zusammengeschweisst.
Diplomatie und gegenseitiger Respekt ist ein eindrucksvolles Fรผhrungsmittel in den demokratischen Nationen. Die USA sind gerade dabei dieses Feld zu verlassen und eigene politische Standards aufzustellen. Die Botschaft des neuen Prรคsidenten, der sich noch in einer Identitรคtsphase befindet, heisst ยซAmerika zuerstยป, was von allen Partner gebilligt werden kann, aber nicht mit einer Oben-Herab-Politik, sondern mit einem fairen Umgang.
Einfuhrzรถlle kรถnnten den Ausfuhrboom stoppen
Die Ausfuhren nach den USA besonders der Automobilindustrie gehรถren zu den wichtigen Stรผtzen der deutschen Wirtschaft. Wer in diesem schwierigen Umfeld Erfolge vorzeigen kann, der findet auch in anderen Lรคndern Anerkennung fรผr seine Produkte. Die derzeit schwache Eurowรคhrung hat enorme Vorteile fรผr den Export von Waren aus der Eurozone in die USA. Dieser Ausfuhrboom kรถnnte nur durch Einfuhrzรถlle gestoppt werden, der das Ende des Freihandels einlรคuten wรผrde.
Die Konjunktur in den USA zieht seit Monaten an, denn die Wirtschaftszahlen im vergangenen Jahr waren nicht berauschend, das Wachstum erreichte nur 1,6 Prozent und von der neuen Regierung wird ein krรคftiger Aufschwung erwartet. Die geplanten Trumponomics sollen das Wirtschaftswachstum auf 2,5 Prozent steigern.
Die amerikanische Regierung will die Einkommensteuern gewaltig senken und die Unternehmen entlasten. Die beabsichtigten Investitionen in die Infrastruktur und die in den letzten Wochen zunehmende Beschรคftigung werden die Konjunktur zusรคtzlich stimulieren. Durch die weitere Einstellung von Mitarbeitern, die somit in Lohn und Arbeit kommen, steigt auch der Konsum an, denn er ist fรผr die grรถsste Volkswirtschaft der Welt nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsindikator.
US-Populismus findet Nachahmer
Kommt jedoch die Wirtschaft nicht in Tritt, kรถnnte die Euphorie schnell verflogen sein und die Versprechungen im Wahlkampf wรผrden sich in umgekehrte Richtung drehen. All die unorthodoxen Strategien mรผsste die Regierung รผber den Haufen werfen. Die รผber Jahrzehnte zusammengewachsenen Industrien รผber alle Kontinente haben einen regen Austausch an technologischem Wissen und Produkten. Ein Abtrennen von diesen Ingenieur-Erfahrungen und Errungenschaften wรผrden den USA mehr schaden, als Europa und dem Rest der Welt. Auch wenn eine poltische Fรผhrungskraft seine Wรคhler im Auge behalten sollte, so muss sie durch die รถkonomischen Verflechtungen auch ein Interesse an seinen Geschรคftspartnern haben.
Die Regierung will jetzt mehr Ordnung in den USA schaffen, aber sie kann durch ein rigides Vorgehen auch mehr Unordnung erreichen. Der Handel mit den USA kรถnnte durch die angekรผndigte Abschottung erheblich belastet werden. Der zunehmende Populismus, der durch den nervenaufreibenden Wahlkampf in der ganzen Welt Nachahmer findet, wird auch in den kommenden Wahlen seine Imitatoren antreffen. Europa muss jetzt zusammenstehen und darf sich nicht in einzelnen Abkommen mit den USA bilaterale Vorteile verschaffen, sonst kรถnnte das Euroland in eine gewaltige Krise stรผrzen.
Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfรคltig ausgewรคhlt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion รผbereinstimmen.