Einstimmig empfahl der elfköpfige ETH-Rat im Oktober den Genfer Joël Mesot als Nachfolger von Lino Guzzella als neuen Präsidenten der wichtigsten Schweizer Hochschule. Die darauffolgende Wahl durch den Bundesrat war nur noch Formsache. Schwieriger zu meistern werden für Mesot die Herausforderungen, die an der ETH Zürich auf ihn warten – intern wie extern.
So muss er etwa die veralteten Führungsstrukturen aufbrechen, die den Professoren weitreichende Kompetenzen gewähren und teilweise zu Missbrauchsvorwürfen geführt haben. Und gleichzeitig muss er die hervorragende globale Stellung der ETH verteidigen, denn die USA und China fechten einen harten Kampf um die technische Vorherrschaft aus und ringen dabei – wie die ETH – um die besten Talente.
Budgetieren, vermitteln und lobbyieren
Und dann muss Mesot noch die vernachlässigte Beziehung zur Hochschulschwester EPFL wieder aufbauen. Als perfekt Deutsch sprechender Romand bringt er dafür die besten Voraussetzungen mit.
Als ETH-Präsident muss Mesot knallhart budgetieren, vermitteln und lobbyieren. Gelernt hat er das beim Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen AG, das er zehn Jahre führte. Als Direktor konnte er dort noch 20 Prozent seiner Zeit für die Forschung verwenden. Damit ist nun aber Schluss.
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Mit seinem Amtsantritt am 1. Januar 2019 hat sich Joël Mesot ein Twitter-Profil zugelegt und innerhalb von drei Wochen 900 Follower gewonnen. In der realen Welt ist er schon bestens vernetzt. Die Mitstreiter:RMSEiner der wichtigsten Freunde ist Martin Vetterli, Präsident der Schwester-Uni EPFL in Lausanne.Olivier VogelsangAuch Avenir-Suisse-Chef Peter Grünenfelder kennt Mesot schon länger. Als Grünenfelder noch Aargauer Staatsschreiber war, holte er Mesot ins Boot, um den Kanton Aargau als Innovationsstandort zu etablieren.KEYSTONE/Gaetan BallyDas Paul Scherrer Institut, das Mesot zehn Jahre lang führte, verschaffte ihm im Aargau unzählige Kontakte – etwa zum Aargauer Wirtschaftsdirektor Urs Hofmann oder…Keystone/Anthony Anex…oder zur Förderstiftung Technopark Aargau, wo er unter anderem mit der früheren FDP-Ständerätin Christine Egerszegi im Stiftungsrat sitzt.KEYSTONE/Peter SchneiderDie abtretende Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer kennt er auch aus dem strategischen Rat des technischen Sportwettkampfs Cybathlon.KEYSTONE/Alessandro della ValleMesot sitzt in einem halben Dutzend solcher Gremien – oft mit prominenten Köpfen, die sein Machtnetz in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vergolden. Swissmem-Präsident Hans Hess und…KEYSTONE/Gaetan Bally…den Zürcher Regierungsrat Thomas Heiniger kennt er aus dem Swiss Science Center Technorama in Winterthur.KEYSTONE/PATRICK HUERLIMANNMit dem früheren Bildungsminister Johann Schneider-Ammann sass er in der Marcel Benoist Stiftung, neu sitzt dessen Nachfolger Guy Parmelin im Gremium.Keystone/Anthony AnexDie Gegenspieler: Die ETH gehört zur globalen Spitze der technischen Hochschulen. Im Kampf um die besten Talente schenken sich deren Präsidenten nichts. Zu den grössten Widersachern Mesots zählen darum L. Rafael Reif, der seit sechs Jahren das MIT in Boston führt,…KEYSTONE/Gaetan Bally…und David Sainsbury aka Baron Sainsbury of Turville, der in Cambridge nördlich von London amtet.zVgEbenfalls im Talentkrieg steht Mesot mit dem Frankokanadier Marc Tessier-Lavigne, Präsident der Stanford-Uni in Kalifornien.2012 Getty ImagesIn der Schweiz bereitet ihm Albert Röstis SVP Probleme. Die Volkspartei will immer wieder die Personenfreizügigkeit mit der EU beschneiden, was die Teilnahme der Schweizer Hochschulen an den europäischen Forschungsprogrammen gefährdet.KEYSTONE/Gian Ehrenzeller