Der bekannteste Opportunist der Vergangenheit ist Galileo Galilei. Obwohl er die Heliozentrik als richtig erkannte, widerrief er sie ΓΆffentlich. Der Blick auf die Folterrisiken der rΓΆmischen Inquisition erleichterte den Sinneswandel.
Die bekannteste Opportunistin der Gegenwart ist Angela Merkel. Obwohl sie den Bankrott Griechenlands als richtig erkannte, verhinderte sie ihn ΓΆffentlich. Der Blick auf die Finanzrisiken in SΓΌdeuropa erleichterte ihr den Sinneswandel.
Opportunismus ist das schΓ€rfste Unterscheidungsmerkmal zwischen Menschen und Tieren. Im Sozialleben gibt es ansonsten kaum grΓΆssere Unterschiede. Den grΓΆssten Unterschied gibt es in der Politik. Opportunismus gibt es nur in der Politik. Man tut etwas, woran man nicht glaubt.
Tiere sind apolitisch
Tiere sind apolitisch. Sie tun nichts, woran sie nicht glauben. Sie leben so, wie sie Charles Darwin in seinem Prinzip des Opportunismus beschrieben hat. Sie tun nur Dinge, die ihnen und ihrer Lebensgruppe gegenΓΌber andern einen Vorteil bringen. Das schliesst soziales und moralisches Verhalten nicht aus. HyΓ€nen, Schimpansen, Delfine und Drosseln helfen und unterstΓΌtzen sich gegenseitig. Sie tun das aber nur in ihrer eigenen Sippe, denn Tiere haben keine Γberzeugungen, die ΓΌber ihre nΓ€here Lebenswelt hinausgehen. Menschen hingegen haben ferne Γberzeugungen, die nicht nur ihr eigenes Umfeld betreffen. Sie kΓΆnnen Vegetarier sein oder Keynesianer oder Islamisten. Sie glauben an Prinzipien.
Tiere haben keine Prinzipien. Denn Prinzipientreue ist ein LuxusphΓ€nomen. Es gibt sie, positiv formuliert, nur in gehobenen Kulturen. Man kΓΆnnte auch sagen, kritisch formuliert, dass es Prinzipientreue nur in dekadenten Kulturen gibt. Wer um seine Existenz kΓ€mpfen muss, kann sich keine Prinzipien leisten.
Unter den FrΓΌhmenschen zum Beispiel gab es keine Vegetarier, keine Keynesianer und keine Islamisten. Das Γberleben war wichtiger als eine Ideologie. Irgendwann ging es ihnen besser. Nun entwickelten sie erste Γberzeugungen wie den BΓ€renkult und die Mondsymbolik.
Der grΓΆsste Opportunist ist ein Finanzinvestor
Der grΓΆsste Opportunist, den ich gut kenne, ist ein Finanzinvestor. Er kann heute problemlos behaupten, die Zukunft gehΓΆre dem 3-D-Druck, und einen Monat spΓ€ter sΓ€mtliche seiner Beteiligungen an 3-D-Unternehmen verkaufen. Er ist seit Jahren sehr erfolgreich mit seiner Prinzipienlosigkeit. Der grΓΆsste Anti-Opportunist, den ich gut kenne, ist ein Unternehmer im Mediengewerbe. Er redet andauernd von Strategie, Strategie und Strategie. Man kΓΆnnte das Wort Strategie auch durch das Wort Ideologie ersetzen. Er ist seit Jahren sehr erfolglos mit seiner Prinzipienfestigkeit.
Β«Und sie bewegt sich doch β¦Β», soll Opportunist Galileo Galilei gemurmelt haben, nachdem er die Erde zum Mittelpunkt des Universums erklΓ€rt hatte. Er war Opportunist, blieb aber innerlich ein Prinzipienreiter.
Ein echter Opportunist ist hingegen ein Reiter, der dauernd seine Pferde wechselt. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist deshalb eine sehr erfolgreiche Opportunistin, weil ihr jede unnΓΆtige Γberzeugung fremd ist. Sie weiss genau, dass sie einen vergleichbaren Satz nie ΓΌber die Griechen sagen kann: Β«Und sie bewegen sich doch β¦Β»
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