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Elbphilharmonie

Doch noch ein weltweit einmaliger Konzertsaal

Hat sich der Aufwand gelohnt, waren Skandal und Streit am Ende doch nicht vergebens? Als die letzten Akkorde in Hamburgs Elbphilharmonie erklangen, schien die Antwort deutlich.

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Die Elbphilharmonie wird mit Lobeshymnen eingedeckt ... RMS

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Wie klingt wohl die Elbphilharmonie? Schon Wochen vor der ErΓΆffnung stand diese Frage im Raum. Am Mittwochabend wurde sie beantwortet.

Hat sich der Aufwand gelohnt, ist das alles die Hunderten von Millionen wert gewesen, waren Skandal und Streit am Ende doch nicht vergebens? Als die letzten Akkorde von Beethovens Β«Ode an die FreudeΒ» die Menschen in der Elbphilharmonie aus ihren Sitzen rissen, schien die Antwort deutlich.

(Fast) alles richtig so

Wenn der stΓΌrmische Applaus ein Massstab sein kann, dann waren sich wohl die meisten der 2150 ZuhΓΆrer am Mittwochabend einig: Ja, das war alles (fast) richtig so, auf dem Kaispeicher, in Deutschlands Hafenmetropole, ist dann doch noch ein weltweit einmaliger Konzertsaal entstanden.

Und auch die Frage, die viele in den Wochen vor der ErΓΆffnung umtrieb - wie wird der Saal klingen, wird sich die Musik zwischen dem Beton, Glas und Holz entfalten kΓΆnnen - hatte sich erledigt. Mehr als drei Stunden lang loteten das NDR Elbphilharmonie Orchester und die Solisten die MΓΆglichkeiten der Β«ElphiΒ» aus. Mit Kompositionen von der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert lieferte Chefdirigent Thomas Hengelbrock so etwas wie eine akustische Leistungsschau des Saales ab.

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Kein Problem mit leisen TΓΆnen

Schon vor dem eigentlichen Konzert, bei der offiziellen ErΓΆffnungszeremonie mit BundesprΓ€sident Joachim Gauck, hatte Hengelbrock sinfonische Kost geboten. Beethovens OuvertΓΌre zu Β«Die GeschΓΆpfe des PrometheusΒ», Felix Mendelssohn Bartholdys OuvertΓΌre zu Β«Ruy BlasΒ» und der vierte Satz von Johannes Brahms' 2. Sinfonie liessen ahnen: Die Elbphilharmonie wird kein Problem mit leisen TΓΆnen haben - im Gegenteil.

Wenn die NDR Elbphilharmoniker aufdrehen, dann rast der Klang der BlechblΓ€ser nur so durch den Saal, da wummern die KontrabΓ€sse und die GeigentΓΆne schrauben sich bis in die letzten Reihen hinauf, hoch oben, fast 30 Meter ΓΌber dem Podium. An diese Unmittelbarkeit des Klanges wird sich das Orchester wohl noch gewΓΆhnen mΓΌssen.

Dabei hatte es im Vorfeld erhebliche Zweifel gegeben, ob die Akustik des Saales dem Meisterwerk der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron ebenbΓΌrtig sein wΓΌrde. Denn ein sensationeller Bau garantiert noch nicht einen Spitzenklang. Zu verwinkelt ist die Elbphilharmonie, als dass die Wellen pur und ungestΓΆrt auch die Ohren der ZuhΓΆrer erreichen kΓΆnnen. Diese als "Weinberg" entworfene Halle mit ihren verschobenen Ebenen, den schrΓ€gen und verwinkelten WΓ€nden und dem Orchesterpodium in der Mitte bereitete den Akustikern Kopfzerbrechen.

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Werk des wohl gefragtesten Akustikers

Damit sich der Schall nicht ungesteuert ΓΌber den Raum verteilt, setzten die Fachleute unter der Leitung des Akustikers Yasuhisa Toyota an die 10'000 Gipspanele an die WΓ€nde, die den Klang fΓΌhren und damit fΓΌr ein prΓ€zises HΓΆrerlebnis sorgen sollen.

Der Japaner, der wohl gefragteste Akustiker weltweit, hat in Hamburg einen Klangraum geschaffen, der Γ€usserst sensibel reagiert - direkt, ohne Umschweife erreichen die Schwingungen das Ohr der HΓΆrer.

Β«Zum Raum wird hier die ZeitΒ» - mit dem Zitat aus Richard Wagners Β«ParsifalΒ» als Motto entwarf Hengelbrock fΓΌr die ErΓΆffnung ein Programm, bei dem Musiker wechselweise vom Orchesterpodium und den RΓ€ngen musizierten und so auch die Reichweite ausprobierten.

Fast nahtlos und ohne Pause gingen dabei die StΓΌcke ineinander ΓΌber - von Benjamin Brittens Oboensolo Β«PanΒ», ΓΌber das Β«Mysterium des AugenblicksΒ» des franzΓΆsischen Modernen Henri Dutilleux mit seinen unterschiedlichen Klangquellen bis zu einer wie aus der Zeit gefallenen italienischen Arie aus dem spΓ€ten 16. Jahrhundert mit dem Countertenor Philippe Jaroussky.





Wie eine Verheissung

Eigens fΓΌr den Abend hatte Wolfgang Rihm vier Gedichte als Hommage an den Hamburger Lyriker Hans Henny Jahnn vertont - dΓΌstere Texte von Peter Huchel, Jahnn und Walter Muschg, die der Tenor Pavol Breslik mit dunkler FΓ€rbung vortrug.

Da erschienen das Β«ParsifalΒ»-Vorspiel und zum Schluss der letzte Satz von Beethovens Neunter wie optimistische Ausblicke in die Zukunft des Glaspalastes an der Elbe. Β«Diesen Kuss der ganzen WeltΒ», ruft der Chor am Ende der Β«Ode an die FreudeΒ». Die Botschaft klang an diesem kalten Hamburger Abend wie eine Verheissung.

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(sda/ccr)

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