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Studie

Die Zeit der Smartwach bricht jetzt an

Die Uhrenbranche setzt immer stärker auf smarte Zeitmesser. Eine Studie zeigt nun: Die Taktik dürfte sich bezahlt machen. In den nächsten vier Jahren soll sich der Markt für Smartwatches verdoppeln.

Gabriel Knupfer

In Brunnen SZ hat CEO Jean-Claude Biver die neue Smartwatch von TAG Heuer vorgestellt. Die Connected Modular ist ab sofort und für rund 1650 Franken zu haben. Die Luxusvariante gibt es für 17'900 Franken.
Die Uhr hat ein modulares System und kann gegen ein mechanisches Uhrwerk ausgetauscht werden.
Die neue Smartwatch mit 45 Millimetern ist bis zu 50 Meter wasserfest.
Die Uhr wurde mit Intel entwickelt, verfügt über GPS und einen NFC-Sensor für Zahlungen, bietet einen Amoled-Bildschirm sowie 330 verschiedene Zifferblätter zum Austausch.
Der Träger kann das Herz seiner Uhr – das Modul – austauschen und zwischen Smartwatch und mechanischer Uhr hin- und herwechseln.
So bietet die Uhr gemäss TAG Heuer die Eleganz eines echten Zeitmessers und die Merkmale und Finessen der Verarbeitung, die eine Schweizer Uhr auszeichnen.
Die erste schlaue Uhr von TAG Heuer präsentierte das Unternehmen im November 2015. 60'000 Stück gingen 2016 über die Ladentheke - mehr als erwartet. Die «Carrera Connected» war damit im vergangenen Herbst ausverkauft.
Gegen den Trend der Branche wächst TAG Heuer - unter anderem wegen der Smartwatch «Carrera Connected», die im November 2015 vorgestellt wurde. Uhrenpatron Biver will von den schlauen Uhren 2017 rund 150'000 Stück absetzen.
Ursprünglich hatte Biver mit einem Absatz von 20'000 gerechnet. Im Gegensatz zu Marktführer Apple publiziert TAG Heuer die Absatzzahlen. Bilder: Keystone/Tag Heuer
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Der Markt für Smartwatches wird sich innert wenigen Jahren verdoppeln. Das zeigt eine neue Studie des Analysehauses CSS Insight. Werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 43 Millionen intelligente Uhren weltweit verkauft, dürfte dieser Wert im Jahr 2021 doppelt so hoch sein. Diese Prognose wagt CSS Insight aufgrund von zahlreichen Gesprächen mit Vertretern der Industrie und ihren Zulieferern.

Für CSS-Insight-Analyst George Jijiashvili ist klar: Die Apple Watch war der Wegbereiter für die Smartwatch-Industrie. «Ihr Erfolg brachte die traditionellen Hersteller dazu, in den Markt einzusteigen. Fossil, Guess Watches und TAG Heuer gehörten zu den ersten, welche diese Chance wahrnahmen.» Eine andere Studie der Researchfirma IDC kam jüngst zum Schluss, der Markt für Smartwatches werde in den kommenden vier Jahren sogar mehr als verdoppeln.

Apple und Samsung setzen auf Fitness-Funktionen

Die optimistischen Prognosen dürfte viele Schweizer Uhrenbauer freuen: Die Branche setzt immer stärker auf die smarten Zeitmesser. Erst in der vergangenen Woche präsentierte Tag-Heuer-Chef Jean-Claude Biver sein neues Modell Connedcted Modular 45. Bei der neuen Uhr können digitale Technik und mechanisches Uhrwerk nach Belieben ausgetauscht werden (siehe Bildergalerie oben).

Auf dem Vormarsch sind gemäss der neuen CSS-Studie auch Fitnessuhren von Herstellern wie Garmin, TomTom, Polar und Suunto. Diese Entwicklung hätten auch Techkonzerne wie Apple und Samsung erkannt, so Jijiashvili. Sie würden deshalb selbst immer mehr Fitness-Funktionen in ihre Smartwatches einbauen.



«Smartwatch-Hersteller sind auch wegen der Stagnation bei den normalen Fitness-Armbändern optimistisch für ihre Branche», sagt Jijiashvili. Doch das grösste Segment ist ein anderes: Laut CSS Insight dienen die meisten verkauften Smartwatches dazu, dass Eltern ihre Kinder tracken können. Und dies, obwohl das Phänomen hauptsächlich auf China beschränkt ist.





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Kinder-Smartwatches sind der Renner

In China sollen 2016 gemäss CSS Insight 16 Millionen Kinder-Smartwatches verkauft worden sein. «Firmen wie BBK, Huawei, LeEco, ZTE und andere verbuchten mit diesen Uhren grosse Erfolge und wir erwarten, dass der Markt bis 2021 auf über 25 Millionen Einheiten wachsen wird.

Die Prognose von CSS Insight ist Teil einer grösseren Wearables-Studie. Der Gesamtmarkt von Fitnessbändern, smarter Kleidung (inklusive Schuhe), Hearables und anziehbaren Kameras soll in den nächsten vier Jahren von 11 Milliarden Dollar auf 17 Milliarden Dollar wachsen (siehe Grafik).

Welche Funktionen den Wert einer Luxusuhr bestimmen, sehen Sie in der Bildergalerie unten:
Diese Funktionen bestimmen den Wert einer Luxusuhr:
Chronograph
Stoppuhrfunktionen kommen in mechanischen Männeruhren häufig vor und treiben den Preis nicht allzu sehr in die Höhe. Nicht immer ist die Anzeige so durchdacht wie bei dieser Patek Philippe.
Mondphasen
Mit Mondphasenuhren kann der Mondzyklus verfolgt werden. Dieser wird oft auf einem separaten charakteristischen Zifferblatt wie bei dieser Uhr von IWC dargestellt.
Ewiger Kalender
Ein sogenannter ewiger Kalender ist ein Mechanismus, der fortlaufend das richtige Datum anzeigt. Kompliziert wird die Funktion durch den Einbezug der Schaltjahre.
Tourbillon
Mit einem Tourbillon wird der negative Einfluss der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit ausgeglichen. Der praktische Nutzen hält sich in Grenzen, doch die enorme Komplexität eines Tourbillon erhöht den Wert der Uhr massiv.
Bilder: Keystone
Grande Complication
Eine Grande Complication vereint mehrere Komplikationen in einer Uhr. Die abgebildete Grande Complication Nr. 42500 von A. Lange & Söhne, Glashütte, aus dem Jahr 1902 ist ein Unikat, das bei einer Auktion mehrere Millionen Franken einbringen würde. Das Uhrwerk besteht aus 833 Einzelteilen.
Bild: Ventus55/CC/wikimedia
Erotische Komplikation
Uhren mit Automatenfiguren gehören zu den speziellen Komplikationen der Uhrmacherei. Mechanismen, die man für Schlagwerke benutzt, kann man auch zur Darstellung von Körperbewegungen nutzen. Blancpain verkauft die erotischen Einzelstücke für rund 450'000 Franken.
Bild: Screenshot Youtube
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Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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