Die Spitzenküche wandelt sich, auch im Gastronomieland Frankreich. Es kommen
regionale Produkte auf den Tisch - ob bei Jérôme Jaegle (ein Stern) oder Yannick Alléno (drei Sterne).
Jérôme Jaegle entspricht ganz dem Bild eines modernen Sternekochs. Der kräftige Elsässer hat seinen eigenen Gemüsegarten, die Karte seines Lokals ist kurz und wechselt häufig. Es liegt ganz unprätentiös an einer Durchgangsstrasse seines Heimatortes Kaysersberg. Mittags lockt ein Menü für 24 Euro.
«Geschmack durch Natur» wird belohnt
Nun kann sich das «L'Alchémille» mit dem Wahlspruch «Geschmack durch Natur» mit einem Stern des Restaurantführers Guide Michelin schmücken. «Das ist eine schöne Belohnung», sagte Jaegles Frau Marie-Laure der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag bei der Verleihung in Paris. «Und wir wollen es noch besser machen.» Schon vor der Sternevergabe habe das Lokal internationale Kundschaft angelockt - aus dem nahen Deutschland, aus Belgien oder der Schweiz.
Preis muss stimmen
In Zeiten der Wirtschaftsflaute darf die Spitzenküche in Frankreich offensichtlich nicht mehr arrogant und abgehoben daherkommen. Der Guide Michelin achtet darauf, dass in der Spitzengastronomie das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, sagt dessen Chef Michael Ellis. Der traditionsreiche Führer zeichnet auch das «Restaurant H» im traditionsreichen Pariser Marais-Viertel aus, das ein Menü um die 30 Euro anbietet. Ist der neue Stern eine grosse Verpflichtung? «Es ist ein guter Druck», resümiert der junge «Chef» Hubert Duchenne.
Es ist natürlich nicht nur der Preis, der bei dem Gourmetführer zählt. Die Tester, die alles daran setzen, bei ihrer Arbeit unerkannt zu bleiben, legen auch grossen Wert auf die Produkte und deren perfekte Zubereitung. Der Koch steht in der Küche - seine Persönlichkeit muss sich im Speisesaal «auf dem Teller» ausdrücken, wie es Guide-Michelin-Chef Ellis formuliert.
Gleich zweimal drei Sterne
Der aus einem Pariser Vorort stammende Starkoch Yannick Alléno zog dieses Jahr das grosse Los. Der umtriebige Gastronomie-Unternehmer hat nun in seiner Heimat zwei Restaurants, die drei Sterne tragen und damit - nach der klassischen Michelin-Definition - eine «einzigartige Küche» vorweisen und «eine Reise wert sind». Allénos «1947» im Hotel Cheval Blanc im schicken Wintersportort Courchevel huldigt Produkten der Bergregion Savoyen: Dem zarten Féra-Fisch aus dem Genfer See, dem Saibling oder traditionellen Crozet-Nudeln.
Exklusive Preise und Öffnungszeiten
Der Luxus auf 1850 Metern Höhe hat seinen Preis. Das Menü kostet 395 Euro. Auch die Öffnungszeiten sind exklusiv: Das Haus hat nur vom 9. Dezember bis zum 9. April geöffnet. In dem Ort gibt es übrigens reichlich Auswahl: auch vier Restaurants mit zwei Sternen und ein Haus mit einem Stern. In der Spitzenliga gab es dieses Jahr keine Tränen, denn alle Gourmet-Tempel der höchsten Klasse durften ihre drei Sterne behalten - auch Allénos «Pavillon Ledoyen» an der Pariser Prachtstrasse Champs-Élysées. Dort geht es offensichtlich etwas weniger bodenständig zu; auf der Karte ist beispielsweise japanisches Wagyu-Rind zu finden.
Frankreich und das Fürstentum Monaco haben nun 27 Spitzenrestaurants mit drei Sternen, unter ihnen die «Auberge de l'Ill» im Elsass oder «Le Petit Nice» in Marseille.
Die besten Schweizer Köche im Ausland sehen Sie in der Bildergalerie:
Die besten Schweizer Köche im Ausland:Daniel Humm verliess mit 14 Jahren Strengelbach, um die Schule gegen eine Kochlehre in Schinznach-Bad einzutauschen. Zehn Jahre später erkochte er den ersten «Michelin»-Stern. 2003 holte ihn der Schweizer Hotelier Paul Zuest nach San Francisco. Drei Jahre später folgte er dem Ruf von Danny Meyer, damals Besitzer des «Eleven Madison Park», nach Manhattan.Bilder: Roderick Aichinger/PR/Jones Gareth/Giovanni Panarotto RMS Anton Mosimann war der erste Küchenchef aus der Schweiz, der im Ausland für Aufmerksamkeit sorgte. Als 28-Jähriger wurde er Chef de Cuisine im Dorchester Hotel und erkochte dort zwei «Michelin»-Sterne - die ersten, die je für ein Hotelrestaurant ausserhalb Frankreichs vergeben wurden. 1988 eröffnete er den «Mosimann's Club» in Belgravia. Mosimann kocht für Prince Charles, die Queen und königliche Empfänge. RMS Die einzige Schweizerin unter den weltweiten Starköchen, Nadine Wächter-Moreno, wechselte einst vom beschaulichen Restaurant Schöngrün im Zentrum Paul Klee in Bern ins Boutiquehotel Longitude 131 beim Ayers Rock in der australischen Wüste. 2008 holte dann die Hyatt-Gruppe sie ins «Park Hyatt» in Tokio, wo sie zwei Jahre später zur Chefköchin ernannt und für alle vier Hotelrestaurants verantwortlich gemacht wurde. 2013 schickte Hyatt sie nach Mexiko ins «Grand Hyatt Playa del Carmen». RMS Geboren in Singapur, lebt Gray Kunz heute in Hongkong. Richtig bekannt wurde er in New York, wo er im Restaurant Lespinasse im Hotel St. Regis als einer der Ersten klassische französische Kochkunst mit asiatischen Zutaten aufmischte und dafür mit Höchstlob überschüttet wurde. Nachdem er in New York ein erstes Café Gray eröffnet hatte, folgte im Oktober 2009 das Café Gray Deluxe im schicken Hotel The Upper House Hong Kong. RMS Zu Florian Trentos ersten Arbeitgebern gehörten die berühmten Bürgenstock-Hotels und das Park Hotel Vitznau. Über eine Station in Saudi-Arabien kam der Aargauer ins Hotel The Peninsula in Hongkong, wo er seit über 20 Jahren als Executive Chef tätig ist. In dieser Funktion leitet er das kulinarische Geschehen der neun Hotelrestaurants. Er zeichnet auch für die Gastronomie auf den Business- und First-Class-Flügen der Swiss nach Hongkong, Bangkok, Shanghai und Peking verantwortlich. RMS Er ist 35, und er dirigiert rund 320 Köche in einem der legendärsten Hotels der Welt. Der Bündner Stefan Trepp arbeitet im Mandarin Oriental Hotel in Bangkok, ihm unterstehen acht Restaurants, jedes mit eigener Küche, plus die Küche für Zimmerservice und Bankette, die Bäckerei und die Konditorei. Dafür, dass er das alles schafft und dabei auch noch selber in der Küche steh, wurde er in diesem Jahr vom Guide «Gault Millau» zum «Schweizer Star im Ausland» gekürt. RMS Pietro Leemanns erster Mentor war der Tessiner Koch Angelo Conte Rossini, der ihm zu einer Lehrstelle beim legendären Frédy Girardet in Crissier verhalf. Es folgten Lehr- und Arbeitsjahre bei Gualtiero Marchesi in Mailand und im Richmond Hotel in Genf. Er reiste durch den Orient und landete 1989 wieder in Mailand, wo er das vegetarische Restaurant Joia eröffnete. Es dauerte Jahre, bis das Restaurant erfolgreich wurde, doch 1996 kam der ersehnte «Michelin»-Stern. RMS