In Westafrika haben Biologen ein Verhalten von Schimpansen entdeckt, das bisher unbekannt war. Sie beobachteten die Affen dabei, wie sie am Fusse von BΓ€umen seltsame Steinhaufen aufschichteten.
Die Schimpansen hoben Steine vom Boden auf, zum Teil sehr schwere Brocken, trugen sie durchs GelΓ€nde und schmissen sie am Fuss der BΓ€ume nieder. Dazu stiessen sie schrille, laute Rufe aus. Mit der Zeit entstand ein respektabler Steinhaufen.
Nahe Verwandtschaft
Ganz geklΓ€rt ist das Verhalten bis heute nicht. Sicher ist nur, dass es nichts mit Nahrungssuche oder Fortpflanzung zu tun hat. Diese zwei Faktoren erklΓ€ren sonst 90 Prozent des tierischen Verhaltens. Vermutlich bauen die Schimpansen irgendwelche KultstΓ€tten. Sie bauen Tempel. Es wΓ€re ein weiteres Indiz dafΓΌr, dass die Affenkollegen der menschlichen Spezies noch nΓ€her sind, als man lange dachte. KultstΓ€tten sind in der Anthropologie stets der Beleg fΓΌr eine hΓΆher entwickelte Zivilisation. Ihre Erbauer geben sich nicht mehr mit der Jagd nach Food und Sex zufrieden, sondern entwickeln weitergehende kulturelle Ambitionen. Sie schichten Steine auf und bekunden damit, dass fΓΌr sie neben dem niederen Daily Business auch hΓΆhere Werte zΓ€hlen. Die Megalithen in Stonehenge, die Pyramiden in Γgypten und die Stufentempel in Guatemala sind Beispiele dafΓΌr.
Von Kirchen ΓΌber RegierungshΓ€usern...
Der Bau von KultstΓ€tten ist aber immer auch ein Spiegel der Soziologie. Die Tempel bauen jene, die in der Gesellschaft jeweils am DrΓΌcker sind. Steinhaufen sind das Zeichen gesellschaftlicher Dominanz. Im Mittelalter war das die katholische Kirche. Die grΓΆssten Steinhaufen der Welt waren GotteshΓ€user wie Notre-Dame in Paris, der KΓΆlner Dom, die Peterskirche in Rom und der Stephansdom in Wien. Niemand sonst hatte die finanziellen Mittel, um solche Grossbauten hochzuziehen.
Dann schwand der Einfluss der Kirche, und die Politik ΓΌbernahm die Macht. Nun entstanden gigantische GebΓ€ude wie das Pentagon in Washington, der Reichstag in Budapest und der Palace of Westminster in London. Es war die Zeit, als die Politiker ihre LΓ€nder und die Welt regierten.
... zu Unternehmenszentralen
Dann schwand der Einfluss der Politik, weil sie sich nicht mehr in einer zunehmend komplexen und internationalen Umgebung zurechtfand. Die Politiker, wie zuvor schon die Kirche, waren immer weniger gestaltungsfΓ€hig. Nun wurde die Wirtschaft zum dominierenden Faktor auf diese Erde. Folgerichtig sind die grΓΆssten Steinhaufen nunmehr im Besitz von Unternehmen. Die Pyramiden der Neuzeit sind nun gigantische GebΓ€ude wie der Kommerzkoloss des Einkaufszentrums New Century Global im chinesischen Chengdu, die Boeing Factory in Washington oder der Flughafen in Dubai.
Prunkbau in Basel
Das grΓΆsste GebΓ€ude der Schweiz ist das 178 Meter hohe VerwaltungsgebΓ€ude des Pharmakonzerns Roche in Basel. Es ist unsere architektonische KultstΓ€tte der Gegenwart. Im Jahr 2021 kommt ein Zwillingsturm dazu, 205 Meter hoch. Die Kosten liegen deutlich ΓΌber einer Milliarde Franken. Die Schimpansen in Westafrika erstaunt das nicht. Auch sie investieren gehΓΆrig in ihren Tempelbau. Wenn zum Beispiel keine Steine greifbar sind, legen sie lΓ€ngere Strecken zurΓΌck, um sich das Material zu besorgen. Dann traben sie zurΓΌck und deponieren die Steine am Fuss der ausgewΓ€hlten BΓ€ume.
Die Affen wissen: Stonehenge und Roche sind ΓΌberall.
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