Wie sieht das Hochhaus der Zukunft aus? Eine Fachzeitschrift hat die innovativsten Projekte ausgezeichnet. Vorgeschlagen wurden unter anderem ein gigantischer Γkoturm und eine Stadt aus dem Drucker.
Gegen diese HΓ€user ist Remo Stoffels Turm zu Vals ein geradezu realistisches Projekt. Das amerikanische Architekturmagazin Evolo hat zum zehnten Mal die kreativsten und futuristischsten Hochhausprojekte ausgezeichnet. 480 Teams haben ihre Visionen eingereicht. Und auch wenn wohl keines der Projekte tatsΓ€chlich so umgesetzt wird, wie es jetzt vorgeschlagen wurde, so bietet der Wettbewerb doch einen Blick in die Zukunft der Architektur β und damit das mΓΆgliche Leben der Menschen in der zweiten HΓ€lfte des 21. Jahrhunderts.
Wie sieht die Welt von Morgen aus? Der erste Platz im Wettbewerb ging an Bomp (kurz fΓΌr Konrad Basan, Ewa Odyjas, Agnieszka Morga und Jakub Pudo) aus Polen. Ihr Essence Skyscraper soll in einem lichtdurchfluteten Turm elf Γkosysteme β vom tropischen Regenwald bis hin zum arktischen Gletscher β in die Grossstadt holen. Das Ziel ist ein riesiger Erholungsraum im Kontext einer Megacity wie New York oder auch Tokio.
Geheimer Garten und Slum-Hochhaus
Β«Ein geheimer Garten, der Architektur und Natur verbindetΒ», soll der Wolkenkratzer sein. Das GebΓ€ude selbst wΓ€re nach dem Willen des Projektteams nur der Β«neutrale HintergrundΒ» fΓΌr die kΓΌnstlichen Landschaften und NaturrΓ€ume. Auch wenn die verΓΆffentlichten PlΓ€ne keine HΓΆhe angeben, so lassen die Computergrafiken und Skizzen bei einem vorgeschlagenen Grundriss von 300 mal 100 Metern auf eine HΓΆhe von weit ΓΌber 1000 Metern schliessen.
Partner-Inhalte
Werbung
Fast noch futuristischer erscheint das zweitplatzierte Projekt aus Indien. Hier geht es um die urbane Umgestaltung des riesigen Slums der Hafenstadt Chennai. Dessen Bewohner sollen mit dem Shanty-Scraper LebensqualitΓ€t und Sicherheit vor den hΓ€ufigen Γberschwemmungen erhalten. Das GebΓ€ude wΓΌrde die Grundstruktur stellen, aber letztlich zur freien Benutzung und Vereinnahmung durch die Bewohner des Slums offen sein.
Module aus dem 3D-Drucker
Anstatt illegale Slums zu rΓ€umen, solle man diese anerkennen und die Situation der Bewohner Β«vor Ort verbessernΒ», schreibt das Team. Der Shanty-Scraper wΓΌrde teure Umsiedlungsprogramme fΓΌr die 5000 Fischerfamilien des Nochikuppam-Slums ΓΌberflΓΌssig machen. Nicht das Design steht hier im Vordergrund, sondern das GebΓ€ude muss trotz billigem Material β Altmetall und Holz β sicher und funktional sein. So kann der Slum statt in die Breite in die HΓΆhe wachsen β und das Leben der Fischerfamilien fundamental verbessern.
Der dritte Platz ging an ein Projekt aus Russland, welches mit Cybertopia gleich eine ganze Stadt der Zukunft entwirft. Diese soll als Kombination von realer und digitaler Welt mit den Bewohnern und ihren BedΓΌrfnissen wachsen. Module werden je nach aktuellen Erfordernissen im 3D-Drucker ausgedruckt und angefΓΌgt. Der Drucker und andere technologischen Einrichtungen fahren auf einer zentralen Achse mit einer Einschienenbahn durch den Komplex und bauen oder lΓΆschen Elemente, so dass das GebΓ€ude innert kurzer Zeit umgewandelt und angepasst werden kann.
Werbung
Google und Co. lassen grΓΌssen
Zwar sind die Projekte am Wettbewerb von Evolo reine Konzeptstudien. Dass aber eine AuflΓΆsung der herkΓΆmmlichen Architektur und eine Verschmelzung von GebΓ€ude und Aussenwelt im Gang ist, zeigen bereits heute die Projekte der Techgiganten Google, Apple und Facebook. Hier entstehen gewissermassen Β«BiosphΓ€ren der digitalen WeltΒ», glaubt Architekturkritiker Sam Jacob. Die Vermischung von Hochtechnologie und Natur zu einer kΓΌnstlichen Landschaft, die auch das Siegerprojekt bei Evolo auszeichnet, wird bereits an einigen Orten umgesetzt.
Die 380 Meter hohe Nadel von Vals mag heute grΓΆssenwahnsinnig erscheinen. Doch es ist klar, dass in Zukunft noch viel ambitioniertere Projekte mΓΆglich sein werden. Nur stellt sich dabei die Frage, ob die Menschen tatsΓ€chlich bereit sind, ihr Leben in dieser Weise von der Architektur bestimmen zu lassen. Die Natur in einer BiosphΓ€re bleibt immer kΓΌnstlich β egal wie gut die Illusion umgesetzt ist.
Die PreistrΓ€ger und weitere VorschlΓ€ge aus dem Wettbewerb finden Sie in der Bildergalerie oben.