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Konzepte

Der Turm von Vals ist nichts dagegen

Wie sieht das Hochhaus der Zukunft aus? Eine Fachzeitschrift hat die innovativsten Projekte ausgezeichnet. Vorgeschlagen wurden unter anderem ein gigantischer Γ–koturm und eine Stadt aus dem Drucker.

Gabriel Knupfer

Das amerikanische Architekturmagazin Evolo hat zum zehnten Mal die innovativsten Hochhausprojekte ausgezeichnet. Gewonnen wurde der Wettbewerb von einem polnischen Team mit ihrem Essence Skyscraper. Durch elf unterschiedliche Klimazonen soll das GebΓ€ude eine Oase in der Grossstadt sein.
Der zweite Platz ging in diesem Jahr an ein indisches Team. Der Shanty-Scraper in Chennai ist ein Slum das nach oben wΓ€chst – und so den Bewohnern mehr LebensqualitΓ€t und Sicherheit geben soll.
Den dritten Platz holte ein Projekt, welches mit Cybertopia gleich eine ganze Stadt der Zukunft entwirft. Diese soll durch einen riesigen mobilen 3D-Drucker stΓ€ndig den Γ€ndernden BedΓΌrfnissen der Bewohner angepasst werden kΓΆnnen. Kriegt beispielsweise eine Familie Zuwachs, kommt der Drucker vorbei und erstellt ein neues Kinderzimmer.
Eine lobende ErwΓ€hnung gab es fΓΌr diesen Plan aus China. Die Atmosphere Database ist ein Labor zur Erforschung der AtmosphΓ€re. Sie wΓΌrde 1350 Meter in die HΓΆhe ragen und Erkenntnisse ΓΌber den Klimawandel bringen.
Auch die vertikalen Fabriken von New York erhielten eine lobende ErwΓ€hnung. Mit solchen Einrichtungen sollen Industriejobs in die reichen LΓ€nder zurΓΌckgeholt werden. Waren wΓΌrden dann wieder nΓ€her am Konsumenten hergestellt.
Noah Oasis: Eine weitere Zukunftsvision sieht Γ–ltΓΌrme als kΓΌnftige Β«Bio-HabitateΒ». Schwimmer fangen ausgetretenes Γ–l sofort auf. Dieses wird verarbeitet und zum Aufbau eines unterseeischen Lebensraumes genutzt.
Auch das Projekt Limestone Skyscrapers aus Malaysia beschΓ€ftigt sich mit dem Abbau von Rohstoffen. Hier sollen ehemalige KalksteinbrΓΌche mit neuem Leben erfΓΌllt werden. Bilder: eVolo
Nicht im Wettbewerb vertreten war der Turm zu Vals. Dass der 380 Meter hohe Wolkenkratzer in den Schweizer Bergen aber tatsΓ€chlich gebaut wird, ist fast ebenso unwahrscheinlich wie bei den Evolo-Skyscraper-Projekten. Keystone
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RMS

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Gegen diese HΓ€user ist Remo Stoffels Turm zu Vals ein geradezu realistisches Projekt. Das amerikanische Architekturmagazin Evolo hat zum zehnten Mal die kreativsten und futuristischsten Hochhausprojekte ausgezeichnet. 480 Teams haben ihre Visionen eingereicht. Und auch wenn wohl keines der Projekte tatsΓ€chlich so umgesetzt wird, wie es jetzt vorgeschlagen wurde, so bietet der Wettbewerb doch einen Blick in die Zukunft der Architektur – und damit das mΓΆgliche Leben der Menschen in der zweiten HΓ€lfte des 21. Jahrhunderts.
Wie sieht die Welt von Morgen aus? Der erste Platz im Wettbewerb ging an Bomp (kurz fΓΌr Konrad Basan, Ewa Odyjas, Agnieszka Morga und Jakub Pudo) aus Polen. Ihr Essence Skyscraper soll in einem lichtdurchfluteten Turm elf Γ–kosysteme – vom tropischen Regenwald bis hin zum arktischen Gletscher – in die Grossstadt holen. Das Ziel ist ein riesiger Erholungsraum im Kontext einer Megacity wie New York oder auch Tokio.

Geheimer Garten und Slum-Hochhaus

Β«Ein geheimer Garten, der Architektur und Natur verbindetΒ», soll der Wolkenkratzer sein. Das GebΓ€ude selbst wΓ€re nach dem Willen des Projektteams nur der Β«neutrale HintergrundΒ» fΓΌr die kΓΌnstlichen Landschaften und NaturrΓ€ume. Auch wenn die verΓΆffentlichten PlΓ€ne keine HΓΆhe angeben, so lassen die Computergrafiken und Skizzen bei einem vorgeschlagenen Grundriss von 300 mal 100 Metern auf eine HΓΆhe von weit ΓΌber 1000 Metern schliessen.

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Fast noch futuristischer erscheint das zweitplatzierte Projekt aus Indien. Hier geht es um die urbane Umgestaltung des riesigen Slums der Hafenstadt Chennai. Dessen Bewohner sollen mit dem Shanty-Scraper LebensqualitÀt und Sicherheit vor den hÀufigen Überschwemmungen erhalten. Das GebÀude würde die Grundstruktur stellen, aber letztlich zur freien Benutzung und Vereinnahmung durch die Bewohner des Slums offen sein.

Module aus dem 3D-Drucker

Anstatt illegale Slums zu rΓ€umen, solle man diese anerkennen und die Situation der Bewohner Β«vor Ort verbessernΒ», schreibt das Team. Der Shanty-Scraper wΓΌrde teure Umsiedlungsprogramme fΓΌr die 5000 Fischerfamilien des Nochikuppam-Slums ΓΌberflΓΌssig machen. Nicht das Design steht hier im Vordergrund, sondern das GebΓ€ude muss trotz billigem Material – Altmetall und Holz – sicher und funktional sein. So kann der Slum statt in die Breite in die HΓΆhe wachsen – und das Leben der Fischerfamilien fundamental verbessern.
Der dritte Platz ging an ein Projekt aus Russland, welches mit Cybertopia gleich eine ganze Stadt der Zukunft entwirft. Diese soll als Kombination von realer und digitaler Welt mit den Bewohnern und ihren BedΓΌrfnissen wachsen. Module werden je nach aktuellen Erfordernissen im 3D-Drucker ausgedruckt und angefΓΌgt. Der Drucker und andere technologischen Einrichtungen fahren auf einer zentralen Achse mit einer Einschienenbahn durch den Komplex und bauen oder lΓΆschen Elemente, so dass das GebΓ€ude innert kurzer Zeit umgewandelt und angepasst werden kann.

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Google und Co. lassen grΓΌssen

Zwar sind die Projekte am Wettbewerb von Evolo reine Konzeptstudien. Dass aber eine AuflΓΆsung der herkΓΆmmlichen Architektur und eine Verschmelzung von GebΓ€ude und Aussenwelt im Gang ist, zeigen bereits heute die Projekte der Techgiganten Google, Apple und Facebook. Hier entstehen gewissermassen Β«BiosphΓ€ren der digitalen WeltΒ», glaubt Architekturkritiker Sam Jacob. Die Vermischung von Hochtechnologie und Natur zu einer kΓΌnstlichen Landschaft, die auch das Siegerprojekt bei Evolo auszeichnet, wird bereits an einigen Orten umgesetzt.
Die 380 Meter hohe Nadel von Vals mag heute grΓΆssenwahnsinnig erscheinen. Doch es ist klar, dass in Zukunft noch viel ambitioniertere Projekte mΓΆglich sein werden. Nur stellt sich dabei die Frage, ob die Menschen tatsΓ€chlich bereit sind, ihr Leben in dieser Weise von der Architektur bestimmen zu lassen. Die Natur in einer BiosphΓ€re bleibt immer kΓΌnstlich – egal wie gut die Illusion umgesetzt ist.
Die PreistrΓ€ger und weitere VorschlΓ€ge aus dem Wettbewerb finden Sie in der Bildergalerie oben.
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS fΓΌr Blick und die Handelszeitung, fΓΌr die er seit zehn Jahren arbeitet.

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