Olivier Toublan hat die Greubel Forsey Quadruple Tourbillon getestet. Ein technisches Wunderwerk, dessen Raffinesse nur von wahren Liebhabern erkannt wird.
Olivier Toublan
Weckt bei Uhrenkennern Bewunderung: die Greubel Forsey Quadruple Tourbillon. RMS
So viel vorweg: Die Greubel Forsey mit zwei Doppel- Tourbillons ist eine schΓΆne Uhr. Eine sehr schΓΆne sogar. Sie beeindruckt zunΓ€chst mit ihren Dimensionen. Um die zwei in einem 30-Grad-Winkel angeordneten Doppel-Tourbillons unterzubringen, braucht es schliesslich Platz. Trotzdem sieht das gute StΓΌck nicht massiv aus, was fΓΌr das Talent der GehΓ€usedesigner spricht. Das asymmetrische Zifferblatt wirkt etwas merkwΓΌrdig, hat aber durchaus Charme. Erstaunlicherweise ist die Uhr trotz ihren beiden TourbillonkΓ€figen elegant und ziemlich diskret. FΓΌr einige Kunden vielleicht zu diskret.
Ich trug sie bei einem Treffen mit der neuen SekretΓ€rin des Parti Ouvrier Populaire, wie die kommunistische Partei in der Waadt heisst. Doch Fehlanzeige: Die Frau bemerkte die Uhr nicht einmal. Dabei hΓ€tte sie ΓΌber solch ΓΌberschwΓ€nglichen Luxus eigentlich empΓΆrt sein mΓΌssen. Ich trug sie auch an einer Sitzung mit zwei Γbtissinen. Doch auch sie bemerkten nichts. Dabei hΓ€tten sie irritiert sein mΓΌssen, dass so viel Geld fΓΌr einen so niedrigen materiellen Gegenstand ausgegeben wird, wo die Not auf der Welt derart gross ist. Ich trug sie bei einem Essen mit der Westschweizer GeschΓ€ftsleitung eines grossen amerikanischen Informatikunternehmens. Auch hier keine Reaktion, obwohl einer meiner GesprΓ€chspartner eine Pasha-Uhr von Cartier trug, was ihn eigentlich als Freund schΓΆner Zeitmesser ausweist. Und ich trug sie in einem bekannten Gourmetrestaurant im Glauben, dass ich wenigstens bei der dortigen Klientel etwas Eindruck schinden kΓΆnne. Denkste, auch hier keine Reaktion.
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Summen statt ticken. Die Einzigen, die mich auf die Uhr ansprachen, waren die Uhrenkenner. Bei ihnen landete ich einen Volltreffer. Sie wussten, was ein Tourbillon ist, dieser drehende runde KΓ€fig, in dem Anker und Unruh untergebracht sind, um die KrΓ€fte der Erdanziehung zu neutralisieren. Die Kenner nickten voller Bewunderung, kaum hatten sie die Marke der Uhr ausgemacht, die ausserhalb des engsten Liebhaberkreises wenig bekannt ist. Sie bestaunten anschliessend die sich langsam drehenden Tourbillons.
Sie sind tatsΓ€chlich faszinierend, diese Tourbillons, und dank einer kleinen Γffnung auf der Seite des GehΓ€uses besonders gut beleuchtet. Sie bestehen aus 128 Teilen, die zusammen kaum mehr als ein Gramm wiegen. Faszinierend ist auch das GerΓ€usch der Uhr: Ihr Werk weist nΓ€mlich mit 21ββ600 Halbschwingungen pro Stunde eine hΓΆhere Frequenz auf als die ΓΌblichen Standard-Kaliber mit ihren 18ββ000. Sie tickt also schneller und summt, weil vesetzt und sozusagen mit 43ββ200 Halbschwingungen pro Stunde arbeitend, ein wenig wie eine Biene. Faszinierend ist ferner die VerarbeitungsqualitΓ€t jedes einzelnen StΓΌcks, man kann sie durch den Glasboden bewundern. Und nicht minder faszinierend ist der Preis eines solchen Objekts: annΓ€hernd 700ββ000 Franken.
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Leises Unbehagen. Ein Tipp: Nennen Sie diese Zahl erst, wenn Sie die Uhr von Ihrem GegenΓΌber wieder erhalten haben, sonst lΓ€sst es sie vor Γberraschung noch fallen. Der Preis ist angesichts des Aufwands zur Herstellung dieses technischen Wunderwerks wohl gerechtfertigt β immerhin mussten allein fΓΌr die Entwicklung fΓΌnf Jahre aufgewendet werden. Doch er flΓΆsst auch Respekt ein, ja sogar ein bisschen Angst.
Stellen Sie sich vor, Sie trΓΌgen 700ββ000 Franken am Handgelenk. Ich habe es ausprobiert, und ich kann Ihnen versichern, dass mir nicht immer wohl dabei war. Jeden Abend sah ich nach, ob die WohnungstΓΌre auch gut abgeschlossen war. Ich achtete darauf, die Uhr an gewissen Orten nicht zu zeigen und sie bei bestimmten Gelegenheiten erst gar nicht zu tragen. Also keine Greubel Forsey in ΓΌberfΓΌllten Discos und in zwielichtigen Bars. Ich verzichtete sogar darauf, sie an eine Geburtstagsfeier mitzunehmen. Was wΓ€re, grΓΌbelte ich, wenn ich mit der Uhr nach dem dritten Glas irgendwo anschlΓΌge?
LΓ€cherlich? Kann sein. Aber ich weiss jetzt aus eigener Erfahrung, dass solche BefΓΌrchtungen die Freude, die man empfindet, wenn man einen so wundervollen Zeitmesser am Handgelenk trΓ€gt, trΓΌben. Ein bisschen jedenfalls.